Hohe Belastung

Fachbereichsleiter Peter Amrein spricht über die Situation in den Dietzenbacher Kitas

Betreuung während der Pandemie: Rund 38 Prozent der Kindergartenkinder geht derzeit in die städtischen Kitas.
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Betreuung während der Pandemie: Rund 38 Prozent der Kindergartenkinder geht derzeit in die städtischen Kitas.

Der Druck in Dietzenbachs Kindertagesstätten ist hoch. Das machte Peter Amrein, Fachbereichsleiter Soziale Dienste, in seinem Bericht während der vergangenen Sozialausschuss-Sitzung deutlich. Zwar befinden sich die Einrichtungen seit Dezember im eingeschränkten Betrieb. Doch das Arbeitspensum der Erzieher ist seither keineswegs weniger geworden.

Dietzenbach – Denn die Umsetzung des Hygienekonzeptes verlangt ihnen viel ab. Insbesondere im Hinblick darauf, dass zur besseren Verfolgung einer möglichen Infektionskette die verschiedenen Gruppen voneinander getrennt betreut werden müssen. „Das hat einen erhöhten Personalbedarf zur Folge“, führt Amrein den Stadtverordneten vor Auge. Denn eine Reduzierung der Gruppen sei nicht möglich.

Hinzukommt, dass seit Beginn des neuen Jahres stetig mehr Eltern von der Zusage der Landesregierung, ihre Kinder dennoch bei Bedarf in die Kita bringen zu können, Gebrauch machen. War die Belegung der Einrichtungen in der ersten Kalenderwoche noch bei zwölf Prozent, befindet sie sich mittlerweile bei rund 38 Prozent.

Damit die Erzieher das Arbeitspensum während der Pandemie bewältigen können, hat die Stadt sogenannte Alltagshelfer eingestellt. Diese sind zunächst für sechs Monate in den Kitas tätig (wir berichteten).

Amrein weiß jedoch nicht allein um die Sorgen der Erzieher. Auch führte er seit dem erneuten Lockdown zahlreiche Gespräche mit den Müttern und Vätern. „Es gibt viele Beschwerden aus der Elternschaft wegen der Gebührenpflicht trotz des Appells auf Kitaverzicht“, sagt er. Dabei übernehme Hessen laut Presseberichten 50 Prozent etwaiger kommunaler Gebührenerlasse. Zudem hätten Kommunen im Umland teilweise reagiert und die Zahlungen ausgesetzt. In Dietzenbach hingegen besteht derzeit lediglich die Möglichkeit, sich die Gebühren für die Zeit, in der das Gesundheitsamt eine Quarantäne verordnet hat, rückerstatten zu lassen. Während das im Januar bisher noch nicht der Fall war, kam es im Dezember zu coronabedingten Schließungen.

Erster Stadtrat und Sozialdezernent Dieter Lang betont indes, man wolle die Familien nun auch insgesamt entlasten. „Der Eilantrag der SPD für die kommende Stadtverordnetenversammlung am 29. Januar ist eine gute Chance, dies schnell zu ermöglichen“, betont er. Die Sozialdemokraten fordern in dem Antrag, dass die Stadt Eltern die Gebühren erlässt, die ihre Kinder derzeit nicht in den Kindergarten bringen können (wir berichteten).

Doch die städtischen Kindertagesstätten stehen auch jenseits der Pandemie vor großen Herausforderungen. „Der Belegungsdruck ist nach wie vor hoch“, sagt Amrein. Das treffe insbesondere auf den Krippenbereich zu. „Vielen Eltern können wir nicht sagen, wo wir ihre Kinder unterbringen können“, schildert der Fachbereichsleiter die Situation weiter.

Dabei hatte Kreis Sozialdezernent Carsten Müller bereits bei seiner Präsentation des Sozialstrukturatlas für 2020 zu Beginn der Ausschusssitzung deutlich gemacht, dass auch die Kita für die Bildungsbiografie entscheidend ist. Den Kindern diesen Abschnitt ihres Werdegangs zu ermöglich, sei aber vor allen Dingen Aufgabe der Stadt.

Zustimmung hinsichtlich der Bedeutung der Einrichtung fand Müller insbesondere beim Ersten Stadtrat Dieter Lang und Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer. Lang sagt: „Ich denke auch, es fängt mit den Kleinsten an.“ Deshalb sei es wichtig, weitere U3-Plätze zu schaffen. „Das ist zwar nur Baustein in der Entwicklung der Kinder, aber es ist ein wichtiger Baustein“, betont er. Für Germer stellt sich jedoch die Frage, wer die zusätzlichen Plätze bezahlen solle. „Denn wenn es die Stadt nicht macht, wird es niemand machen“, führt sie ihre Bedenken weiter aus.

Zusätzlich zu den fehlenden Unterbringungsmöglichkeiten ist auch der Personalstand in den Kitas weiterhin kritisch. „Das ausscheidende Fachpersonal kann nicht in gleichem Umfang rekrutiert werden“, sagt Amrein. Die Fehlquote liege derzeit bei etwa 15 Prozent. Zudem sei davon auszugehen, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Hinblick auf Erzieher erst 2027 entspanne.

Erleichterung gibt es indes, in Sachen Anmeldungen. Denn wie Peter Amrein ankündigt, steht den Dietzenbacher Eltern ab Montag, 8. Februar, die sogenannte Web-Kita zur Verfügung. Auf diesem Portal können Mütter und Väter ihre Kinder für bis zu drei Kitas vormerken lassen und haben gleichzeitig einen Überblick hinsichtlich der Wartelisten. Weitere Infos dazu werden in Kürze durch die Stadt erfolgen. (Von Anna Scholze)

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