Der „Hopper“ macht die Wege kurz

Start im Osten: Kreis soll bis 2021 ein neues Anruf-Sammeltaxi haben

+

„Anruf-Sammeltaxi“ oder „AST“ – die Abkürzung ist so sexy wie „Hartz IV“. Entsprechend mau war der Erfolg des Konzepts im Kreis Offenbach ausgefallen. Jetzt will die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) der Idee eines individuelleren öffentlichen Nahverkehrs neuen Schub verleihen – mit „Hopper“.

Dietzenbach – Das sind Kleinbusse, die im Sommer in Seligenstadt, Mainhausen und Hainburg an den Start gehen sollen. Bis Ende 2021 sollen sie den ganzen Kreis versorgen.

„Das wird ein Qualitätssprung beim öffentlichen Nahverkehr“, wirbt der Geschäftsführer der KVG, Andreas Maatz, für die Idee, die seit gut einem Jahr verfolgt wird und auf eine Initiative des Kreistags zurückgeht. Um den ÖPNV attraktiv zu machen, sei es einerseits wichtig, Verbindungen mit S-Bahn oder Bus möglichst schnell und direkt anzulegen. Andererseits bedeute dies ein gröberes Raster der Haltestellen. Diese Lücke bei der „Feinerschließung“ habe man im Kreis bereits zu schließen versucht, das alte „AST“ sei aber aus vielerlei Gründen nicht angenommen worden. „Es blieb ein ungeliebtes Kind“, zieht Maatz Bilanz.

„Hopper“ im Ostkreis ab 2020

Jetzt also der „Hopper“ oder „ASTplus“: Nach dem Ostkreis sind im Frühjahr/Sommer 2020 Mühlheim, Heusenstamm und Obertshausen dran. Es folgen Ende 2020 Rödermark, Dietzenbach und Rodgau. Im Westkreis soll der „Hopper“ ab Ende 2021 rollen.

Zum Start im Ostteil des Kreises will die KVG mit bis zu sechs Kleinbussen an sieben Tagen die Woche für 20 Stunden täglich Mobilität bis an die Haustür oder in deren Nähe bieten. Das fragliche Gebiet hat eine Fläche von 32 Quadratkilometern, hier leben rund 45.000 Menschen. Auch der Einsatz von Elektro-fahrzeugen ist vorgesehen.

„Wir leasen die Autos, und ein externer Dienstleister kümmert sich um das Personal und die Fahrzeugwartung“, so Maatz. Eine entsprechende Ausschreibung laufe, Mitte Mai werde der Partner feststehen. Die Software ist auf das Kreisgebiet abgestimmt und stammt von der Berliner Firma „door2door“. Das Land Hessen trägt 80 Prozent dieser Kosten. „Wir versuchen auch, Geld vom Bund zu kriegen“, so Maatz.

Auto kann über App angefragt werden

Nutzer müssen sich registrieren, denn im „Hopper“ selbst wird aus Zeitgründen nicht mit Geld hantiert. Über eine App kann ein Auto angefragt werden. Der Nutzer erhält dann ein Angebot, das er mit „OK“ bestätigen kann. Ein Rechner konzipiert permanent passgenaue Routen für die Wagen entsprechend den vorliegenden Anfragen. „Wir planen auch ein System übers Festnetz, ohne Smartphone“, so Maatz.

Angesteuert werden 70 bis 80 „points of interest“ im Ostkreis, zum Beipiel Ärztehäuser, Verwaltungen, Einkaufszentren, Altersheime, Sportanlagen, Bürgerhäuser, Kinos. Es ist aber auch möglich, die „Hopper“ bis vor die eigene Haustür zu beordern. Die Wartezeit werde bei rund 15 Minuten liegen. Gedacht sei der „Hopper“ in erster Linie für Fahrten innerhalb der Kommunen. Fehle eine Buslinie, werde er aber auch über Gemeindegrenzen hinweg rollen, so Maatz.

Wichtigste Frage: Was kostet der Spaß? „Das Preissystem soll in dieser Woche festgelegt werden“, so der KVG-Chef. Grundsätzlich wird man einen „Komfortzuschlag“ von ein bis zwei Euro erheben, wenn der Fahrgast vor der Haustür abgeholt werden möchte. Der unabhängig von der Länge der Fahrt zu zahlende Grundpreis könnte um die 1,60 Euro liegen, der Kilometerpreis bei 20 bis 30 Cent.

RMV-Zeitkarte deckt Großteil ab

Besitzer von RMV-Zeitkarten zahlen lediglich den Komfortzuschlag, wenn sie eine Extrawurst gebraten haben wollen. Alles andere deckt bereits die Zeitkarte ab. Wer keine Zeitkarte hat und mit dem „Hopper“ zum nächsten Bahnhof will, um von dort weiterzufahren, bucht auf der RMV-Homepage ein Online-Ticket für die gesamte Strecke ab seiner nächstgelegenen Bushaltestelle und zahlt gegebenenfalls lediglich den Komfortzuschlag über die App.

„Dieses System werden wir im kommenden Jahr vereinfachen, sodass der Fahrgast nicht zwei Buchungsvorgänge bewältigen muss“, so der KVG-Chef. Auch soll der „Hopper“ in das Auskunftssystem des RMV eingefügt werden. Wer innerorts völlig losgelöst von offiziellen Strecken von zuhause zum Supermarkt oder zum Arzt oder Bahnhof gefahren werden möchte, nutzt ausschließlich die „Hopper“-App.

Neues London Taxi: Der schwarze Riese mit der grünen Seele

Maatz geht nicht davon aus, dass das System sofort kostendeckend arbeitet. Die Unkosten liegen bei rund zwei Euro pro gefahrenem Kilometer. Die Kosten im Ostkreis taxiert er auf 500.000 bis 750.000 Euro pro Jahr, wobei 20 bis 30 Prozent durch die Tickets wieder hereinkommen sollen. Da das alte Anruf-Sammeltaxi eingestellt wird, fallen hier Kosten von 300.000 Euro weg. Die Kreisverkehrsgesellschaft rechnet für den Ostkreis mit 15.000 Betriebsstunden, 370.000 gefahrenen Kilometern und 60.000 Fahrgästen im ersten Betriebsjahr.

Von Michael Eschenauer

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare