Alle Kinder lieben Romeo

Vierbeiniger Mitarbeiter an Dezentraler Schule des Kreises

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Landrat Oliver Quilling (von links), Hundehalterin und Lehrerin Cornelia Conradi sowie Edeltraud Ehlert, Rektorin der Dezentralen Schule des Kreises, freuen sich, dass der Eurasier Romeo einen positiven Einfluss auf Kinder hat.

Dietzenbach -  Romeo ist der erste Diensthund der Kreisverwaltung. Zusammen mit seiner Besitzerin besucht er regelmäßig den Unterricht in Regelschulen im Auftrag der Dezentralen Schule des Kreises. Mit Erfolg. Von Ronny Paul 

Romeo liegt an einem großen Fenster im zweiten Stock des Kreishauses und schaut auf das Treiben auf der Werner-Hilpert-Straße. Als Landrat Oliver Quilling den Raum betritt, dreht Romeo kurz den Kopf, lässt sich aber in seiner Entspannung nicht stören. „Er schaut sich Dietzenbach an“, sagt Quilling über seinen wohl friedlichsten Mitarbeiter im Kreishaus: „Er ist unser erster Kreisdiensthund.“ Romeo ist Eurasier. Der Rasse wird nachgesagt, sie bringe selbstbewusste, ruhige und ausgeglichene Familienhunde hervor. Das bestätigt Romeos Frauchen Cornelia Conradi, die mit dem fünfjährigen Vierbeiner seit dem Welpenalter ein unzertrennliches Paar bildet. Und da Romeo die genannten Eigenschaften vorzüglich verkörpert, lag es nahe, dass Conradi, Lehrerin an der Dezentralen Schule des Kreises mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, ihren Hund aktiv in den Unterricht miteinbezieht. Romeo begleitet sein Frauchen in den Unterricht an den jeweiligen Stammschulen.

Der Ansatz nennt sich Tiergestützte Pädagogik, und eignet sich besonders bei Schülern, die unter Bindungsstörungen leiden, emotionale, soziale oder motorische Entwicklungsverzögerungen aufweisen oder traumatisiert sind. Auf die Idee habe sie eine Kollegin gebracht, erzählt Conradi während einer Pressekonferenz im Kreishaus. Sie habe ihr von der Ausbildung für Schulhunde berichtet. Romeo und Frauchen Conradi drückten von da an rund zwei Jahre gemeinsam die „Schulbank“ im nahen Riedstadt. Die Ausbildung sei so gut wie abgeschlossen, verkündet Conradi. Nichtsdestotrotz hat Romeo bereits seine ersten Einsätze hinter sich.

Mit Erfolg: „Viele Eltern haben mir berichtet, dass ihre Kinder an dem Tag mit Romeo besonders gerne in die Schule gehen“, erzählt Conradi, die den Eurasier einmal die Woche mit in die unterschiedlichen Schulen des Kreises nimmt, immer dahin, wo Bedarf ist. „Romeo darf zehn bis 15 Minuten mit den Kindern arbeiten. Mehr würde ihn überfordern“, sagt Conradi. Doch schon die knapp bemessene Zeit sei für Kinder eine „tolle Erfahrung“, die so ein Stück lebenspraktische Unterstützung bekommen. Denn Romeo sendet direkte, authentische Signale: Gebe er zum Beispiel auf Kommando Pfötchen, sei das schon ein großes Erfolgserlebnis für einige Kinder, sagt Conradi.

Die schrägsten Tiere der Welt

Doch bevor Romeo Conradi in den Unterricht begleiten darf, werde das mit der Schulleitung, den Lehrern, den Eltern und den Kindern abgesprochen, um mögliche Vorbehalte oder Ängste zu besprechen oder abzuklären – auch, ob gegebenenfalls Kinder allergisch gegen das Tier sein könnten, sagt Edeltraud Ehlert, Rektorin der Dezentralen Schule. Gibt es grünes Licht für Romeos Besuch, schreibe dieser vorab einen Brief an die Schüler und stelle sich ausführlich vor, sagt Conradi augenzwinkernd.

Normalerweise sei Romeo eher zurückhaltend. Daher werden mit den Schülern auch vorab Regeln im Umgang mit dem Hund erarbeitet, wie etwa, in dessen Anwesenheit nicht zu hüpfen oder zu springen oder nicht zu laut zu sein und Rücksicht auf dessen sensible Hundeohren zu nehmen. „Das klappt richtig gut“, sagt Rektorin Ehlert. So würden die Kinder darauf achten, die Türen leise zu öffnen und zu schließen, wenn Romeo im Raum sei. „Viele haben Schwierigkeiten, sich in andere Menschen hineinzufühlen.“ Mit Romeo laufe das spielerisch: Einfühlung, Rücksichtnahme und Klarheit seien die zu beobachtenden Resultate, sagt Ehlert. „Die Dezentrale Schule ist eine wichtige Stütze der Inklusion und der Regelschulen“, betonte Landrat Quilling. Dadurch sei es möglich, Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten zu helfen und sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch zu einem Schulabschluss zu bringen.

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