Sterbegleiterin und Hospizdienst

„Ich komme, um für Sie da zu sein“

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Marion Perner (zweite von links), Koordinatortin der Malteser-Hospizarbeit, und die ehrenamtliche Sterbebegleiterin Beate Kaufhold informierten auf Einladung der Kolpingfamilie unter dem Titel „Hospizdienst – Alternative zur Selbsterlösung?“

Dietzenbach - Der Endlichkeit und dem Tod Unendlichkeit und Leben, Nähe, Wärme und Präsenz entgegenzusetzen, das ist Teil der Berufung von Sterbebegleitern – Aufgaben, die Gabe voraussetzen, Empathie obendrein. Von Matthias Towae

Im Mittelpunkt einer jeden Begleitung stehe zwar der Patient, dennoch dürfe darüber das „Ich“ nie vergessen werden, sollen am Ende die Kräfte nicht leiden, wusste Beate Kaufhold zu berichten. Seit 2009 ist sie ehrenamtliche Sterbebegleiterin beim Malteser-Hospizdienst – und auf Einladung der Kolpingfamilie stand sie gemeinsam mit Marion Perner, Koordinatorin der Malteser-Hospizarbeit, im Gemeindezentrum St. Martin Teilnehmern der Veranstaltung „Malteser Hospizdienst – Alternative zur Selbsterlösung?“ Rede und Antwort.

Eine allgemeingültige Antwort hierauf gibt es indes nicht, allzu vielschichtig und emotional belegt ist die brisante Thematik um einerseits aktive oder passive Sterbehilfe und andererseits Sterbebegleitung und Palliativmedizin. „Ich denke, die meisten Patienten können heute gut versorgt werden“, sagte Perner und betonte: „In der Regel ist es eine Alternative.“ Der interne Leitspruch lautet nicht von ungefähr: „An der Hand und nicht von der Hand sterben.“ Die Erfahrung zeige, dass die Betroffenen eher nicht alleine sein wollten, als dass sie sofort zu sterben wünschten, so Perner. Jeder sollte dennoch das Recht haben, selbst zu entscheiden, war schließlich der gemeinsame Nenner.

Versorgungsnetz im Rahmen der Sterbebegleitung

Das gesamte Versorgungsnetz im Rahmen der Sterbebegleitung müsse allerdings auf eine solidere Basis gestellt werden, da Zuwendungen unabdingbar seien, um die Versorgung der im Sterben Liegenden zu gewährleisten, erläuterte die Koordinatorin der Hospizarbeit. Trotzdem ist die Inanspruchnahme von Hospizdiensten nach wie vor kostenfrei. Seit 2007 besteht sogar ein gesetzlicher Anspruch auf Palliativmedizin, die auch im häuslichen Umfeld gewährleistet werden könne; die meisten Patienten möchten nämlich zu Hause und schmerzbefreit sterben. Hilfe kann dabei auch und sogar ausschließlich von den Angehörigen in Anspruch genommen werden. Diese geht noch über den Tod – bis zur Beisetzung – hinaus. Einzig die Begleitung todkranker Kinder werde derzeit von den Maltesern im Umkreis nicht angeboten. Diese sei speziell, erfordere zudem pädagogische Mitarbeiter.

Wie eine Sterbebegleitung konkret abläuft, wollte ein Zuhörer wissen. Dazu berichtete Kaufhold von folgendem Erlebnis: „Eine Dame fragte mich einmal: ‚Was muss ich mit Ihnen machen, wenn Sie zu mir kommen?’ ‚Sie müssen mit mir nichts machen. Ich komme, um für Sie da zu sein.’“ Wichtig bei Besuchen sei, authentisch zu bleiben, Floskeln sind unangebracht, erklärte die ehrenamtliche Sterbebegleiterin und Bankkauffrau. Es gehe nicht mehr darum, Lösungen zu finden. „Der Patient ist am Ende seines Weges. Ich muss keine Hoffnung mehr verbreiten – beide Seiten wissen das“, stellte Kaufhold klar. Die Arbeit mache sie sehr gerne, da ihr diese viel zurückgebe und so besonders ist. Das zentrale Moment ist das Dasein sowohl für den Sterbenden als auch dessen Angehörige. Ein Verständnis, das deckungsgleich mit der ursprünglichen Bedeutung eines Hospizes ist: Gast sein und sich wohlfühlen zu dürfen. „Heute wird das Wort ausschließlich mit Sterben in Verbindung gebracht“, sagte Gemeindepfarrer Stefan Barton. Doch hier werde der eigentliche Sinn wieder gesehen, auf die Bedürfnisse der Menschen eingegangen und die Würde gewahrt.

Diskussion über aktive Sterbehilfe

Die derzeitige Diskussion über aktive Sterbehilfe hält Barton für gefährlich – gerade hinsichtlich der Geschichte der Deutschen, Stichwort: Euthanasie. Kritisch sieht er, dass Hospize privat finanziert werden müssen. Und das, wo doch die Krankenkassen „viel Geld auf der hohen Kante haben“. So verwies Barton auch auf ein Benefizkonzert am 22. Februar, 17 Uhr, in der Kirche St. Martin, bei dem die Kollekte zugunsten des Hospizdiensts gesammelt wird. Ein Zuhörer wollte von Kaufhold wissen, wie sie dieses Ehrenamt verkraftet. „Die sehr fundierte Ausbildung hilft uns, die emotional berührenden Situationen zu verdauen“, antwortete sie. Daneben gebe es Reflektionsgespräche, Austausch mit Kollegen, das Mittel der Supervision sowie Auszeiten.

In einem leidenschaftlichen Plädoyer setzte sich Pfarrer Barton nun für die „Würde des Sterbens“ ein und berichtete von seinen Erlebnissen in diesem Zusammenhang. „Ich gehe in den meisten Fällen getröstet zurück“, ließ er wissen und betonte: „Gläubige Menschen gehen einfacher von uns.“ Des Weiteren trat er für mehr Ruhe der Hinterbliebenen nach dem Tod eines Angehörigen ein. Denn nur wenige wüssten, dass sie 36 Stunden Zeit haben, um den Leichnam von zu Hause abholen zu lassen. „Der Tod ist Erlösung“, das könne man sehen. Die Verstorbenen bekommen ihre entspannten Gesichtszüge wieder, so wie sie sie in gesunden Tagen hatten. „Man sollte sich dieser Erfahrung nicht berauben, es muss nicht alles sofort geregelt werden“, appellierte er.

Malteser Hilfsdienst Stadt und Kreis Offenbach, Bieberer Straße 131, 63179 Obertshausen, Tel.: 06104/4067930, www.malteser-offenbach.de.

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