Lindenhof in Dietzenbach

Die Idylle versteckt sich hinter Masken

In der Spargelzeit dreht sich Hofladen von Karl-Heinz und Ute Kunz (links) alles ums Stangengemüse.
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In der Spargelzeit dreht sich Hofladen von Karl-Heinz und Ute Kunz (links) alles ums Stangengemüse.

Der Hofladen im Lindenhof in Dietzenbach hat die Tore seiner Scheune geöffnet und verkauft Spargel.

Dietzenbach – Die Spargelzeit hat begonnen. Für viele Dietzenbacher ist da ein Besuch auf dem Lindenhof in der Alten Ober-Röder Straße 2 ungeschriebenes Gesetz. Der Hof der Familie Kunz hat seit Anfang April die Tore seiner Scheune für drei Monate geöffnet.

Dort, wo Motorräder und Gartenmöbel überwintern, lädt nun der Hofladen mit zwölf verschiedenen Spargelsorten zum Einkauf ein. Trotz Erntehelferengpässen konnte die Familie ihren Laden zur gewohnten Zeit öffnen. Bis zum Saisonende im Juni steht das Ehepaar Karl-Heinz und Ute Kunz mitsamt siebenköpfigem Team sieben Tage die Woche bereit, um das Stangengemüse an Spargelfans zu bringen.

Das hat in der Familie Tradition: In den 1930er-Jahren hat der Urgroßvater von Kunz, Georg Michael Knecht, damit begonnen, Spargel auf Dietzenbacher Feldern anzubauen. Inzwischen ist der Lindenhof in den Händen der vierten Generation, doch selbst angebaut wird das lange Gemüse seit rund 15 Jahren nicht mehr. „Als meine Schwiegereltern nicht mehr so konnten, haben wir uns trotzdem gesagt, dass wir den Laden weiterführen wollen“, erzählt Ute Kunz. Wer kurz in dem Hofladen zwischen heller Soße und passendem Wein verweilt, begreift schnell, warum: Allein die herzlichen Gespräche mit den Kunden sind es wert, den Laden für drei Monate lang jeden Tag geöffnet zu haben. Es wird viel gelacht, ein wenig gefeilscht und nett geplaudert. Wenn jemand die Rabattkarte vergessen hat, drückt das Team auch mal ein Auge zu. „Das vermerken wir einfach auf einem Extrazettel“, sagt die Betreiberin, „beim nächsten Mal tragen wir es richtig ein“. Und ein „nächstes Mal“ nehmen Spargelfans sehr gerne wahr.

Kunz begrüßt dieselben Kunden wie vor fast 40 Jahren, als sie in die Spargelfamilie eingeheiratet hat. „Das macht es eben aus.“ Inzwischen bezieht die Familie das Stangengemüse vom Bauernhof Merlau in Darmstadt-Arheiligen. Schwiegervater Georg Kunz steht mittlerweile nicht mehr hinter der Theke. Doch das ein oder andere Schwätzchen mit Stammkunden lässt sich der 88-Jährige nicht nehmen.

Die Idylle des Hofes muss sich derzeit hinter Masken, Handschuhen und Flatterband verstecken. So pressen sich derzeit keine Kindernasen an die Scheiben des Schälautomaten, der seit ein paar Jahren zum Service des Spargelhofes gehört. „Klar, das ist schade und alles ein bisschen nervig, aber da kommen wir schon durch.“, ist Kunz überzeugt. Manche ihrer Kunden bringen viel Geduld und Verständnis dafür mit, wenn einmal etwas im Sortiment fehlen sollte. Gleichzeitig begrüßt die Familie auch neue Kundschaft auf dem Lindenhof. Denn viele Spargelstände, die üblicherweise den Wegesrand säumen, haben noch nicht geöffnet. „Deswegen fallen neue Gesichter auf jeden Fall auf“, sagt Ute Kunz lachend.

Bernhard Träger hingegen besucht seit vielen Jahren den Lindenhof und macht diesmal auch von den Rabattkarten Gebrauch. „Ich hatte sogar noch eine vom letzten Jahr übrig“, sagt er und zückt das grüne Faltblatt. Er schätzt sehr, dass man sich „hier immer auf ein gutes Gespräch freuen“ kann. Preislich orientiert sich das Angebot am vergangenen Jahr. Für Sparfüchse lohnt sich ein Besuch am Wochenanfang: Montags und dienstags kostet der Spargel traditionell 50 Cent weniger.

Wenn es Fragen rund um die weißen, grünen oder auch violetten Stangen gibt, steht Karl-Heinz Kunz gerne zur Verfügung. Er ist auf den Spargelfeldern groß geworden. „Die einzelnen Pflanzen habe ich früher mit Klassenkameraden in die Erde gesetzt“, erinnert er sich, „dafür sind wir auf den Knien immer ein Stücken weiter gerutscht“.

VON LISA SCHMEDEMANN

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