Parteien plädieren für mehr Transparenz bei Preisgestaltung

Dietzenbacher IG Energie widerspricht Bürgermeisterkandidaten

Heizkosten
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Interessensgemeinschaft Energie hat sich im Rahmen der anstehenden Wahlen nicht nur an die Bürgermeisterkandidaten, sondern auch an die Parteien gewandt.

Etwa 1200 Haushalte in der Kreisstadt beziehen Fernwärme von der Energieversorgung Dietzenbach (EVD), viele kritisieren jedoch überhöhte Preise. Das Problem: Wegen eines Anschluss- und Benutzungszwangs haben die Fernwärme-Kunden nicht die Möglichkeit, zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Dietzenbach - Rund 300 Betroffene haben sich deshalb zur Interessengemeinschaft (IG) Energie zusammengeschlossen, die wie berichtet im Zusammenhang mit den bevorstehenden bevorstehenden Bürgermeister- und Kommunalwahlen die einzelnen Kandidaten und Parteien zu einer Stellungnahme zum Thema Fernwärme gebeten hat.

Die drei Bürgermeisterkanidaten Jürgen Rogg (CDU) Dieter Lang (SPD) und René Bacher (Grüne) hatten allesamt Fernwärme als besonders ökologische Alternative gepriesen, dem widerspricht allerdings die IG: „Die Fernwärme wird zum Großteil mit Kohle erzeugt“, heißt es. Die Interessengemeinschaft fragt, warum denn angesichts der angepriesenen Umweltfreundlichkeit die CO2-Abgabe bei den Dietzenbacher Fernwärme-Kunden höher sei als bei anderen Anbietern. „Ein weiteres ökologisches Manko ist der enorme Wärmeverlust, der dadurch entsteht, dass die Fernwärme per Leitung von Offenbach nach Dietzenbach transportiert wird“, so ein weiterer Kritikpunkt der IG. Diesen Verluste von etwa 20 Prozent müssten die Verbraucher bezahlen. „Wirklich ökologisch wäre es, wenn die Stadt in Eigenregie ein Nahwärmenetz aufbauen würde.“

Die Dietzenbacher Grünen hingegen betonen, dass die Fernwärme „ökologisch sinnvoll“ sei: „Denn wir haben dadurch alle weniger Emissionen, und wenige Großheizkraftwerke versorgen viele Haushalte mit Wärme und heißem Wasser“, argumentiert die Öko-Partei, die allerdings ebenfalls die hohen Kosten für die Betroffenen kritisiert: „Die Preisgestaltung in Dietzenbach leidet leider darunter, dass wir unseren städtischen Haushalt sanieren müssen.“ Wie ihr Bürgermeisterkandidat René Bacher plädieren die Grünen für eine Erhöhung der Grundsteuer, um die Fernwärmekunden zu entlasten. „Es wäre sozial gerechter, wenn nicht nur die Eltern und die Fernwärmebezieher:innen belastet werden, sondern die Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen.“

Auch andere Parteien haben sich zu dem Thema Fernwärme ausführlich geäußert. So hatte die SPD zunächst der IG zugestimmt, dass man die EVD durchaus als „Monopolist“ bezeichnen könne. In einer weiteren Stellungnahme ruderten die Sozialdemokraten jedoch zurück: Der Begriff sei „nicht wirklich korrekt“. Dennoch wolle man sich für „transparente Preise“ einsetzen und plädiere dafür, „dass das Netz geöffnet wird“, denn: „Nur durch Wettbewerb wird es faire Preise geben.“

Die CDU hingegen hält es für nicht „seriös“, zu versprechen, „die Preise für Fernwärme in Dietzenbach so gestalten zu können, dass sie der Höhe nach den derzeitigen Gas- oder Ölpreisen entsprechen“. Doch auch die Christdemokraten sprechen sich für mehr Transparenz bei der Preispolitik aus: „Ein von uns angestrebtes Modell ist, das Fernwärmenetz in der Form einer Anstalt öffentlichen Rechts zu betreiben und den Preis für Fernwärme auf der Grundlage der tatsächlich nachweisbaren Kosten festzusetzen.“

Bei den Freien Wählern kritisiert man „die mangelnde Transparenz“ bei den Gebühren und fordert die Einrichtung von „Kunden-Beiräten, die gemeinsam mit Stadtverordneten zu abgestimmten Lösungen finden.“

Für den langjährigen und mittlerweile fraktionslosen Stadtverordneten Artus W. Rosenbusch ist die Frage, ob die vertragliche Bindung der Fernwärmekunden an die Energieversorgung beendet werden kann, eine juristische und keine parteipolitische. Er plädiert dafür, gegen eine Ausgleichszahlung an den Anbieter die Verträge aufzulösen: „Man muss verhandeln, Geld in die Hand nehmen, und eine Lösung der damaligen Verträge anstreben, was sicherlich nur mit einer politischen Mehrheit machbar sein wird.“ (Von Niels Britsch)

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