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Schüler der Peacock School lernen Englisch beim Spazierengehen

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Von: Barbara Scholze

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Auf dem Weg zum Wolfsstock: Bei der „Walk and Talk“-Runde drehten sich die auf englisch geführten Gespräche um das Raubtier.
Auf dem Weg zum Wolfsstock: Bei der „Walk and Talk“-Runde drehten sich die auf englisch geführten Gespräche um das Raubtier. © scholze

Es ist ein trüber Sonntagvormittag. Manchmal nieselt es, ab und zu fallen ein paar Schneeflocken. Doch das stört die kleine Gruppe, die vom Friedwald aus Richtung Wolfsstock unterwegs ist, keineswegs. Munter plappern die sieben Frauen, was das Zeug hält. Wenn auch manchmal ein bisschen radebrechend. Denn die Spaziergängerinnen üben sich in ihren Kenntnissen der englischen Sprache.

Dietzenbach – „Walking and talking“ nennt sich die Aktion, die die Peacock School of English regelmäßig zum Wochenende anbietet. „Ich habe viel gelesen über Gehen und Touren durch den Wald“, sagt Schulchefin Marietta Donovan. Wer beim Laufen spreche, der vergesse manche Alltagssorge und werde lockerer.

Seit rund zwölf Jahren residieren die Peacocks in Dietzenbach. Mit einem Team aus qualifizierten Sprachtrainern vermittelt die Schule Englisch an Schüler, Studenten, Privatleute und vor allem auch Unternehmenszugehörige. Dabei basiert der Unterricht auf einem interaktiven Training und hat mit dem sturen Vokabellernen früherer Zeiten nichts mehr zu tun. „Wir machen unseren Schülern Lust auf Sprache“, sagt Donovan. Neben Wortschatz und Grammatik seien ein Verständnis für die Kultur und umfassendes Allgemeinwissen notwendig. „Außerdem gehört Freude dazu, und wir sind eigentlich immer gut drauf.“

So auch die Sonntagswanderer auf ihrem Weg zu dem Denkmal, das an den letzten Wolf erinnert, der im Jahr 1784 von Forstmeister Siebenlist erschossen wurde. Das Ziel haben Donovan und ihr Team, zu dem auch zwei Dietzenbach-Kundige gehören, bewusst ausgesucht. „Der Januar ist der Monat des Wolfes“, erzählt sie auf Englisch. In früheren Zeiten sei es da meist so kalt gewesen, dass die Wölfe auf der Suche nach Futter den Menschen besonders lästig wurden. Einen Teil der Gespräche nehmen entsprechend die Raubtiere ein. Die Sprachschul-Chefin erklärt Sprichwörter wie „to cry wolf“, also „falschen Alarm geben“ und „dark as a wolf’s mouth“, was so viel wie „stockfinster“ bedeutet. Aber auch ansonsten versuchen die Teilnehmerinnen beim Englisch zu bleiben und es ist deutlich spürbar, dass die Hemmschwelle sinkt, je weiter der Weg führt. Trotzdem geht es konsequent ums Lernen, fehlt ein Wort oder ist eine Aussprache falsch, korrigieren Donovan und Dozentin Sinead Gallagher geduldig und fast wie nebenbei.

Am Wolfsstock angekommen, legt die Gruppe erst einmal eine Teepause ein. Mit einer Urkunde geehrt wird dort auch Christine, die zum fünften Mal an „walking and talking“ teilnimmt. „Anerkennung auszusprechen ist eine wichtige Motivation“, stellt Donovan fest. Aufgrund der Corona-Pandemie hat sie im vergangenen Jahr die Räume der Schule an der Gallischen Straße geschlossen und den Unterricht komplett auf ein digitales Angebot umgestellt. „Während des Lockdowns blieb uns nichts anderes übrig, wenn wir unsere Kunden nicht verlieren wollten.“ Sämtliche Kurse finden nun online statt, Ausnahme sind die Englischstunden für Unternehmen. „Dort gehen wir auf Grundlage aller Corona-Vorschriften nach wie vor ins Haus“, teilt die Sprachlehrerin mit.

An der Qualität der Sprachausbildung habe sich nichts geändert. Jeder Trainer ist Muttersprachler und verfügt über eine anerkannte Ausbildung, alle leben im Kreis Offenbach, sodass auch persönliche Absprachen nach wie vor möglich sind. „Bei uns sitzt niemand irgendwo in Asien an einem Rechner und muss alleine klarkommen“, betont Marietta Donovan. Zusätzlicher Service sind Aktionen wie „walking and talking“ und das beliebte monatliche Online-Quiz für alle Generationen. Pausieren müssen pandemiebedingt unter anderem die Theatergruppe „Peacock-Players“ und die Sprachreisen. „Aber wir haben bereits viele Ideen, wie es weitergehen kann“, kündigt Donovan an.

Einen Wolf kriegt die Gruppe der Sonntagswanderer auf Dietzenbacher Gemarkung indes nicht zu Gesicht. Dafür rennt ein Wildschwein, ein „wild bear“ im gestreckten Galopp in unmittelbarer Nähe vorbei. Für Sinead Grund genug, nach einem Stock zu greifen. „Das möchte ich nicht an mir hängen haben“, sagt sie auf Deutsch. Ihre Weggefährtinnen lachen. „Das wird dir auch nicht helfen“, stellen sie fest.

Jeden Sonntag um 11 Uhr lädt die Peacock School of English für einen Beitrag von fünf Euro zu „walking and talking“ ein. Unterwegs war die Gruppe auch schon zu den Grabhügeln „Auf der Bulau“ und zum Hofgut Patershausen. Am kommenden Sonntag, 23. Januar, geht es in den Steinberger Wald, Treffpunkt ist am Lauftreff (Wendehammer an der Etruskerstraße). Anmeldung ist möglich unter z 06074 7284494 oder per Mail an hello@peacock-school.com. (Barbara Scholze)

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