Neu-Imker mit Ausbildung in Dietzenbach

Eine Königin unter 80.000 Bienen

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Rafiye Simsek (von links) und Ulrike Berns lassen sich von Ausbilder Erhard Henz auf dem Gelände des OGV am Hessentagspark in die Kunst der Bienenzucht einführen.

Dietzenbach -  Neun Neu-Imker haben auf dem Gelände des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) am Hessentagspark ihre Ausbildung abgeschlossen. Von Khang Nguyen 

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, hatte der Physiker Albert Einstein einst gesagt. Tatsächlich sei diese These vielen Neu-Imkern bekannt und bewusst, sagte Erhard Henz, Ausbilder des Imkervereins Maingau. Jährlich bildet er bis zu 15 Bienenzüchter aus, rund 70 seien es in den vergangenen Jahren in Summe gewesen. Neun haben dieses Jahr mitgemacht. Ein starkes Interesse, das dem Verein einen Anstieg auf rund 110 Mitglieder bescherte: „Trotzdem können wir jedes Jahr nur maximal 15 neue Imker ausbilden“, sagte Henz. Die Gruppe trifft sich einmal wöchentlich, um zu lernen, wie eine Zucht funktioniert, wie man einen Schwarm fängt oder wie das Bienenvolk wächst. Doch es muss mitnichten gleich so dramatisch wie das Ende der Welt sein, damit sich immer mehr Kreisstädter für die Zucht der emsigen Insekten interessieren. Laut Henz würden oftmals „Entspannung“ und „Entschleunigung vom Alltag“ als Gründe genannt.

Die Bienenzucht ist indes kein einfaches Hobby, sondern bedarf viel Aufmerksamkeit und Zeit: Bereits am frühen Vormittag hatten sich die Zeidelmeister auf dem Gelände des OGV am Hessentagspark versammelt, um die „Früchte“ ihrer monatelangen Pflege zu begutachten und zu ernten. Insgesamt 250 Kilogramm frischer Honig klebte in den Waben der zehn Stöcke, die seit einigen Jahren im Hessentagspark stehen. Mit 25 Kilogramm pro Stock sei dies ein überaus erfreuliches Ergebnis, schwärmt Henz, der auch im Vereinsvorstand sitzt: „Vergangenes Jahr war das viel weniger.“ Von Ende März bis Mitte Juli dauert der reguläre Zyklus von der ersten Vermehrung der Bienenpopulation und Krönung der Königin bis zur Ernte des Honigs.

Die Königin wird übrigens nicht nur vom Volk gewählt – auch die Imker versehen sie mit einem unverwechselbaren Merkmal: Mit einem farbigen Blättchen, das an die Hinterseite der Königin geklebt wird, soll die Anführerin nicht nur unter rund 80.000 Bienen besser zu finden sein. Jedes Jahr ändern die Imker die Markierungsfarbe und können so feststellen, wie alt die jeweilige Königin ist. In der Natur überlebt diese bis zu fünf Jahre, im Verein wird die Königin allerdings bereits nach zwei Jahren ersetzt, um die Honiggewinnung effektiv zu halten.

Wie wichtig Bienen sind, weiß auch Neuanwärterin Ulrike Berns, die im vergangenen Jahr die Ausbildung zur Imkerin absolviert hat. „Angefangen hatte ich mit einem kleinen Gemüsegarten“, erinnerte sie sich. Bisher habe sie nicht genügend Zeit gehabt, um sich alleine um einen der pflegeintensiven Bienenstöcke zu kümmern. Im kommenden Jahr möchte sie sich gegebenenfalls mit Rafiye Simsek die Arbeit teilen: Simsek hat sich bereits für den Kurs im kommenden Jahr angemeldet: „Als kleines Kind hatten wir einen Hof mit vielen Tieren, unter anderem auch Bienen.“ Gerne würde sie wieder mehr Zeit in und mit der Natur verbringen – was ebenfalls einer der am häufigsten Gründe ist, weswegen sich die anderen Imker für die Bienenzucht entschieden haben.

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