Feuerwehrmann Wesley Lewis

Immer schon ein Brandschützer

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Wesley Lewis

Dietzenbach - Mit 60 Jahren wechselt Wesley Lewis vom aktiven Dienst in die Ehren- und Altersabteilung der Feuerwehr. In mehr als 46 Jahren hat er bei den Brandschützern viel erlebt, auf das er zurückschauen kann. Von Sascha Dreger 

Und obwohl er seinen Helm nun an den Nagel hängt, verspricht er: „Wenn mich meine Kameraden brauchen, bin ich da.“
„Schon im Kindergarten wollte ich Feuerwehrmann werden“, sagt Wesley Lewis. Für Kinder oder Jugendliche gab es in Chicago, wo er damals wohnte, aber keine Möglichkeit. Anfang der 1970er Jahre zog von den USA nach Dietzenbach und kam über Schulkameraden schnell in Kontakt mit der hiesigen Jugendfeuerwehr. „1972 bin ich dann eingetreten, da war ich 14.“ Die Wache war zu dieser Zeit noch in der Rathenaustraße, dort, wo heute das Feuerwehrmuseum untergebracht ist. „Vier Fahrzeuge hatten wir in der Halle stehen, mehr Platz war da nicht“, erinnert er sich. In dieser Zeit hat Lewis die sogenannte Leistungsspange mit Prüfungen in Sport und Feuerwehrtechnik beim Kreisjugendfeuerwehrtag in Neu-Isenburg abgelegt. Neben erfolgreichen Teilnahmen an Bundeswettbewerben in Bad Arolsen und Reinheim sind es aber auch die gemeinsamen Unternehmungen in der Gemeinschaft, an die er sich gerne erinnert. „Das war einfach eine tolle Zeit in der Jugendfeuerwehr“, sagt er.

Mit Vollendung des siebzehnten Lebensjahres ging es dann für ihn in die Einsatzabteilung. An seinen ersten großen Einsatz kann er sich noch gut erinnern, so etwas vergesse man nicht. „Da hat ein Haus in Steinberg gebrannt – und zwar richtig.“ Das sei schon ziemlich aufregend gewesen, erzählt er, aber es habe alles gut geklappt. Im Laufe der Jahre absolvierte Lewis vom Grundlehrgang über verschiedene Sonderlehrgänge bis zur Ausbildung zum Atemschutz-Geräteträger so gut wie alles, was man für die unterschiedlichen Einsätze brauchen kann. Weitere Ausbildungen, etwa zum Gruppen- und Zugführer, ebneten seinen Weg hin zum Einsatzleiter. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war er regelmäßig als diensthabender Einsatzleiter in Zwölf- oder 24-Stundenschichten eingeteilt. Den Einsatzleitwagen hatte er dann im eigenen Hof zu Hause stehen, um im Notfall schnell bei der Einsatzstelle zu sein. Ausgemacht hat ihm die Bereitschaft nie etwas. „Es gehört dazu, immer bereit zu sein“, sagt er, auch wenn es manchmal Schöneres gebe, als mitten in der Nacht aus dem Bett zu springen und zum Einsatz zu fahren. „Aber was sein muss, muss sein.“

In der heutigen, Anfang der 80er Jahre eingeweihten Feuerwache an der Rodgaustraße war Lewis einer der ersten Bewohner der drei Wohnungen im Obergeschoss. Auch dort stand regelmäßig Bereitschaftsdienst für die Zentrale auf dem Plan. Danach lebte er sieben Jahre in Eppertshausen, wo er auch in der Feuerwehr aktiv war. Unter anderem gründete er die dortige Jugendfeuerwehr. „Da gab es noch keine, das wollte ich ändern.“ Und es habe prima funktioniert: „Wir hatten großen Zulauf.“ Während dieser Zeit war Lewis auch stellvertretender Kreisjugendfeuerwehrwart und hat als Schiedsrichter bei Bundeswettbewerben die Prüfungen abgenommen.

Wenn er über Großeinsätze nachdenkt, fällt ihm spontan ein Brand im Gewerbegebiet ein, bei dem unzählige Getränkekisten in Flammen gestanden haben. Dort, genauso wie bei einem Großbrand einer Lagerhalle vor wenigen Jahren, waren nicht nur die Dietzenbacher Brandschützer im Einsatz. „Da war richtig was los“, sagt er, „da waren fast alle Feuerwehren aus dem Kreis dabei“. Viele Stunden haben die Einsätze gedauert und seien sehr kräftezehrend gewesen, berichtet er weiter. In seinen 46 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr hat Lewis mehr als zehn Stadtbrandinspektoren kommen und gehen sehen. Vom Einsatzleitwagen über Löschfahrzeuge bis zum großen Kranwagen hat er als Fahrzeugführer so gut wie alles zu den Einsatzorten gesteuert, was Räder hat. Dass seine Tochter Julia ebenfalls eine Feuerwehrlaufbahn einschlägt, habe ihn riesig gefreut. „An ihrem zehnten Geburtstag wollte sie nicht feiern, sondern lieber zur Feuerwache fahren“, erinnert er sich. Damals trat auch die heute 22-Jährige in die Jugendfeuerwehr ein und ist seitdem Mitglied bei den Brandschützern. „Wir haben auch viele Einsätze zusammen gemacht“, sagt der gelernte Schlosser stolz.

Tag der offenen Tür der Feuerwehr in Dietzenbach: Bilder

Auch Ehefrau und Mutter Beate ist stolz auf ihre Feuerwehrfamilie. Manchmal hätte sie sich aber gewünscht, dass nicht beide gleichzeitig zum Einsatz fahren. Bei starkem Regen etwa, wenn die Keller in der Stadt vollgelaufen sind, war sie zu Hause allein. „Während meine zwei unterwegs waren, um die Welt zu retten, konnte ich zusehen, wie ich den eigenen Keller trocken kriege – vielleicht hätte ich einfach auch die Feuerwehr rufen sollen“, sagt sie lachend. An die meisten Alarmierungen in seiner aktiven Zeit denkt Lewis gerne zurück. Auszurücken, um Leben zu schützen oder zu retten, sei schon ein tolles Gefühl. Natürlich waren auch weniger schöne Einsätze dabei, bei denen Lewis und seine Kameraden nicht mehr viel helfen konnten. „Das gehört leider dazu.“

Nun, mit seinem 60. Geburtstag und weit mehr als einem halben Leben im Dienst der Feuerwehr stand Lewis am Scheidepunkt zwischen aktivem Dienst und der Ehren- und Altersabteilung. Der Abschied aus der Einsatzabteilung sei ihm schon schwer gefallen, gibt er zu. Da sei das weinende Auge definitiv größer gewesen als das lachende. Auch wenn er keine Einsätze mehr fährt, steht für ihn dennoch fest: „Wenn mich meine Kameraden brauchen, bin ich da.“ Ganz vorbei sei es ja auch nicht, etwa für Ausbildungen stehe er weiter zur Verfügung und in die Wache wird er regelmäßig kommen. „Die Gemeinschaft ist für mich wie eine Familie und wird es auch immer bleiben.“

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