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In der Dietzenbacher Trauerhalle soll ein Raum für die Leichenwaschung eingerichtet werden

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Von: Anna Scholze

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Das Tor am Dietzenbacher Friedhof steht offen. Auch nachts ist es nicht mehr verschlossen.
Die Stadt muss für die Umbaumaßnahmen auf dem Friedhof nicht aufkommen, dass versichert der Ausländerbeirat. © Symbolbild: Henneberg

Auf dem Dietzenbacher Friedhofsgelände wird ein Raum für das religiöse Waschen von Leichen eingerichtet. Das haben die Stadtverordneten während der Stadtverordnetenversammlung am vergangenen Freitag beschlossen. Engagiert für die Einrichtung des Raumes hatte sich der Ausländerbeirat (ALB). In dem Antrag des Gremiums heißt es: „Der Tod gehört zum Leben dazu und so sollte eine Gesellschaft auch Verstorbenen und Hinterbliebenen ermöglichen, ihrer Trauer im Rahmen der individuellen Wertvorstellung Ausdruck zu verleihen.“

Dietzenbach - Insbesondere in einer Stadt wie Dietzenbach mit einem hohen Anteil verschiedener Glaubensgemeinschaften sei auch der Umgang mit Tod und Trauer ein wichtiger Aspekt für eine erfolgreiche Integrationspolitik.

Ermöglicht werden kann der Waschraum, wie Bürgermeister Dieter Lang mitteilte, in dem Bereich zur Umbettung in der Trauerhalle. „Es müssen lediglich kleine Veränderungen vorgenommen werden, um den Ort auch hinsichtlich Nässe oder Feuchtigkeit herzurichten“, ergänzte er.

Insgesamt wird der Umbau 7 547 Euro kosten. Allerdings müsse die Stadt, so versicherte Helga Giardino vom ALB, lediglich die laufenden Kosten übernehmen. Würden doch Sponsoren die durch die Baumaßnahmen anfallende Summe tragen. Angaben zu den entsprechenden Firmen machte Giardino allerdings nicht. Sie teilte lediglich mit, es seien auch Betriebe dabei, die keine direkte Verbindung zum muslimischen Glauben hätten. Indessen hieß es seitens der Verwaltung, die Hinterbliebenen, die den Raum nutzten, müssten die für Strom und Wasser sowie Reinigung anfallenden Beträge übernehmen. Je nach Leistung, die in Anspruch genommen werde, umfasse das nach vorerst grober Schätzung etwa 50 Euro.

Auch auf die Frage, wie hoch der Bedarf an den religiösen Waschungen ist, gibt es derzeit keine konkrete Antwort. Allerdings rief Giardino in Erinnerung, dass gut die Hälfte aller Dietzenbacher einer anderen als der christlichen Glaubensgemeinschaft angehöre. „Wenn etwa die Muslime einen Angehörigen waschen lassen wollen, müssen sie derzeit entweder nach Darmstadt oder Frankfurt fahren und ihn anschließend für die Beerdigung zurück in die Kreisstadt bringen“, erläuterte sie. Wenn es für die rituelle Reinigung zukünftig vor Ort eine Gelegenheit gebe, bliebe dieser Weg erspart.

Weiterhin gab Giardino zu bedenken, dass inzwischen viele Migranten im Alter nicht mehr in ihr Geburtsland zurückkehren wollten. Damit entkräftete das ALB-Mitglied das Argument, dass in der Vergangenheit ein bereits vorhandener Waschraum zurückgebaut wurde, da er zu wenig in Benutzung war. „Wir müssen in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit schauen“, betonte Giardino. (n Anna Scholze)

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