Industriegleis ohne Kunden

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Der Bananenexpress ist längst auf dem Abstellgleis gelandet. Mit der Firma Univeg (ehemals Hameico) hat der letzte Kunde des Industriestammgleises im Steinberger Gewerbegebiet seinen Transport komplett auf Lastwagen umgestellt. Die Firma Rewe ist an keiner Nutzung der Gleise interessiert, wohl aber an deren Rückbau, um zwei Lager miteinander verbinden zu kön- nen.

Dietzenbach - „Güter gehören auf die Bahn“ hieß es früher einmal. Auch in Dietzenbach gibt es ein Industriestammgleis, das theoretisch sechs Unternehmen nutzen könnten. Doch die Praxis sieht anders aus. Inzwischen hat auch der letzte Nutzer, das Früchtezentrum Univeg (ehemals Hameico), auf Lastwagen umgestellt. Von Christoph Zöllner

Der letzte „Bananenexpress“ rollte im Herbst über die Schienen, die nördlich der S-Bahn-Station Steinberg auf die Eisenbahnstrecke gen Offenbach treffen.

Die Stadtwerke Dietzenbach, die das Industriestammgleis betreiben, müssen sich nun sogar über einen Rückbau Gedanken machen. Der Stahl der Schienen könnte den Stadtwerken – trotz gesunkener Preise – ein hübsches Sümmchen bescheren, das freilich von den Entsorgungskosten für die Schwellen wieder aufgefressen würde. „Dabei handelt es sich um Sondermüll“, sagte Bürgermeister Stephan Gieseler (CDU) in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

20 bis 25 Eisenbahn-Waggons, von denen jeder mit 1404 Kisten beladen war, kamen jede Woche nach Dietzenbach. Nun sind es etwa 30 Lastwagen, die jeweils nur 1152 Kisten transportieren können, wie Achim Olemotz auf Anfrage mitteilte. „Wir haben mehrere Speditionen damit beauftragt“, sagte der Niederlassungsleiter.

Olemotz bedauert die Umstellung, doch die Firma, die den Schienenverkehr organisierte, hatte die in die Jahre gekommenen Waggons mit dem markanten Bananen Logo gen Osten verkauft. Und mit neuen Wagen hätten sich die Transportkosten verdoppelt. Eine Rückkehr auf die Schiene hält Olemotz für ausgeschlossen.

Die belgische Firma Univeg ist mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro und 8500 Mitarbeitern in 23 Ländern einer der größten Frucht- und Blumenhändler der Welt. Das Dietzenbacher Früchtezentrum beschäftigt 55 feste Mitarbeiter und zwischen 150 und 250 Dienstleister. Die Banane trägt bis zu 35 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Die Bananen werden grün in Dietzenbach angeliefert, wo sie für vier bis sieben Tage in Reifekammern lagern, ehe sie im gelben Bestzustand an die Großhändler in der Republik ausgeliefert werden. Mit Lastwagen.

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