„Die Infektionszahlen sind beweglich“

Interview: Dietzenbachs Bürgermeister Jürgen Rogg über die Corona-Pandemie

„Einzelne Zahlen der Städte zu betrachten, macht keinen Sinn, besonders in einer Metropolregion wie dem Rhein-Main-Gebiet“, sagt Rogg.
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„Einzelne Zahlen der Städte zu betrachten, macht keinen Sinn, besonders in einer Metropolregion wie dem Rhein-Main-Gebiet“, sagt Rogg.

Steigende Infektionszahlen, strengere Maßnahmen: Die zweite Welle der Corona-Pandemie hat Deutschland und somit auch Dietzenbach fest im Griff. Im Kreis Offenbach hat die Kommune die meisten Infektionen. Im Interview spricht Bürgermeister Jürgen Rogg über die hohen Zahlen in der Kreisstadt, mögliche lokale Maßnahmen und die Auswirkungen auf die Gewerbesteuer.

Dietzenbach – Wie geht es Ihnen persönlich während der Krise?

Ich kämpfe mit den gleichen Herausforderungen wie jeder andere auch. Im Privaten sind die Kontakte in der Familie sowie der Freizeitbereich eingeschränkt. Das ist schwer, da ich ein Familienmensch bin. In der Funktion als Bürgermeister bin ich ständig erreichbar für das Gesundheitsamt, im regen Kontakt mit der Polizei und im Austausch in unzähligen Telefonkonferenzen mit dem Landrat und den Bürgermeister-Kollegen. Beschlüsse und konkrete Maßnahmen, die aus diesen Besprechungen resultieren, sind im direkten Anschluss im städtischen Krisenverwaltungsstab (KVS) abzustimmen und zu delegieren.

Wie arbeitet der Krisenverwaltungsstab der Stadt?

Der KVS tagt in den vergangenen Wochen wieder öfter. Derzeit zwei bis drei Mal in der Woche, Tendenz steigend. Neben den Fachbereichsleitungen sind die IT-Abteilung, der Personalrat, das Gesundheitsmanagement, die hauptamtliche Feuerwehr und die Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beteiligt.

Aus welchem Grund hat Dietzenbach die meisten Infektionen im Kreis?

Die Infektionszahlen sind beweglich. Einzelne Zahlen der Städte zu betrachten, macht keinen Sinn, besonders in einer Metropolregion wie dem Rhein-Main-Gebiet.

Sind aufgrund der hohen Zahl in der Kreisstadt lokale Maßnahmen denkbar und wie könnten diese aussehen?

Wir setzen die notwendigen und seit 28. Oktober nochmals vom Bund und Land stark verschärften Maßnahmen im Rahmen der Verfügbarkeit von Ressourcen um. Es gibt keine „Hotspots“ in Dietzenbach, die besondere lokale Maßnahmen bedürfen. Es bedarf einer überregionalen Kraftanstrengung und Disziplin, um die Pandemie einzugrenzen. Die Aufklärung der Bevölkerung werden wir erneut mehrsprachig intensivieren.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Gewerbesteuer?

Derzeit fehlen uns circa drei bis vier Millionen Euro für das laufende Jahr. Wir befürchten mittelfristig größere Auswirkungen in den Folgejahren.

Welche Unterstützungen erhalten Gewerbetreibende?

Neben den staatlichen Unterstützungsleistungen des Landes Hessen ist unsere Wirtschaftsförderung als Ansprechpartner jederzeit verfügbar. Wir sind mit vielen Unternehmen in Kontakt. In der Vorweihnachtszeit wird die Stadt mit einer Gutscheinaktion gemeinsam mit dem Gewerbeverein dem Handel in Dietzenbach unter die Arme greifen.

Die meisten Ansteckungen gibt es laut Robert-Koch-Institut bei privaten Feiern. Ist die Einhaltung der Hygienemaßnahmen durch die Stadtpolizei da überhaupt überprüfbar?

Nein, im privaten Bereich können und dürfen wir nicht überprüfen. Unser Einfluss beschränkt sich auf den öffentlichen Raum und die Gastronomie. Der persönliche und private Bereich genießt in Deutschland sehr hohen Schutz. Ich appelliere jedoch an alle Bürgerinnen und Bürger, die beschlossenen Maßnahmen ernst zu nehmen.

Können Sie der Krise auch etwas Positives abgewinnen?

Viele Menschen besinnen sich auf das Wesentliche im Leben. Entschleunigen kann man es auch bezeichnen. Familie und soziale Kontakte bekommen einen neuen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Schade, dass wir eine solche Krise dafür benötigen. Gerade der „Lockdown Light“ wird uns hart treffen. Es stehen sehr schwere Monate bevor. Bei Vielen geht es um die nackte Existenz.

Das Interview führte Anna Scholze.

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