Es hat sofort Klick gemacht

Interview mit Marcel Jung über die Dietzenbacher Musiktage

Dietzenbach - Der Musiklehrer und Musikmanager Marcel Jung veranstaltet die Dietzenbacher Musiktage mit drei Konzerten im Juni. Im Interview verrät er, wie er auf die Idee gekommen ist und wie alles seinen Lauf nahm. Von Ronny Paul 

Was erwartet Besucher der Dietzenbacher Musiktage?

Ein sehr buntes Programm, unterschiedliche Musikstile und -richtungen und unterschiedliche Musikertypen – aber sozusagen mit einer gewissen inneren Verbindung.

Das heißt?

Ich bin ja mit Isabel Ment und ihrer Singer/Songwriter-Musik nicht in der Popmusik gelandet. Und bin letztendlich auch froh, dass sie sich nicht in diese Richtung entwickeln möchte. Sie hat sich ja bei „The Voice of Germany“ immer abgegrenzt und wollte ihren Weg gehen. Sie hat ihren Stil beibehalten, weiterentwickelt und ist sie selbst geblieben.

Und das zweite Konzert in der Christuskirche...

... das sehe ich als Verknüpfungskonzert, weil wir da einmal die romantische Musik von Rachmaninow haben und auf der anderen Seite der doch sehr innovative und modernere Bartók. Das ist eine starke Klammer. Die Verbindung ist das wunderbare Stück von Fazil Say. Da ist ein bisschen Bartók und Romantik drin, aber auch modernes - etwa Jazz -, was wiederum die Verbindung zu Isabel Ment herstellt. Und als Ausklang Rachmaninow, mit seiner wunderbaren romantischen Musik. Das macht es zu einem Verknüpfungskonzert.

Und es gibt noch ein Konzert für Familien...

Das dritte Konzert im „Hotel ARTrium am Park“ ist ein rein klassisches mit Thema Mozart. Da wollte ich einen Akzent setzen für Kinder und Familien, also auch für jüngere etwas bieten.

Wann ist Ihnen die Idee zu den Dietzenbacher Musiktagen gekommen?

Das ist eine lange Entwicklung. Ich unterrichte schon mehr als 25 Jahre als Klavierlehrer und habe eine klassische Ausbildung absolviert. Aber im Laufe meines Lehrens habe ich gemerkt, dass man einfach die Offenheit bewahren muss, um den Schülern gerecht zu werden.

Wie meinen Sie das?

Die Schüler mögen ab einem gewissen Alter andere Musikrichtungen. Das heißt nicht, dass ich mich verbogen und gesagt habe: Ich lasse die Klassik fallen und mach nur noch modernes. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man die Schüler laufen lässt, dann kommen sie irgendwann wieder zurück und bleiben sehr lange. So habe ich einige Schüler, die mit sechs Jahren bei mir begonnen und mittlerweile Abitur gemacht haben. So ist die Idee entstanden, etwas zu machen, was alle Menschen anspricht – eine Konzertreihe zu machen. Musik ist ein verbindendes Element für alle Menschen.

Die Dietzenbacher Musiktage...

Genau. Die Reihe bildet das letztendlich ab und versucht, alle mit ins Boot zu nehmen und alle Menschen zu erreichen.

Wann war die Idee ausgereift?

Der „Point of no Return“ war die Entscheidung zu sagen, ich mache ein Logo. Ich hatte bei Sarah Werner nachgefragt, ob sie mir helfen könne. Dann hat sich per Zufall durch einen Kollegen der Kontakt zu Sonja Langbein ergeben, die ich im vergangenen April gefragt habe, ob sie Lust hätte, mir beim Logo zu helfen. Mir schwebte das Wappen von Dietzenbach mit im Logo vor und Dinge, die Verbindungen schaffen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Dann kamen innerhalb von einer Woche fünf Entwürfe. Einer war so toll, dass ich gesagt hab: Der ist es! Und das war dann für mich die Entscheidung zu sagen: Jetzt mach ich’s!

Wie ging es weiter?

Mit der Umsetzung war ich dann relativ schnell und hatte schon Fahnen und Aufsteller bestellt, bevor ich im September zum Bürgermeister gegangen bin.

Wie fand Jürgen Rogg ihre Idee?

Er hat spontan reagiert, weil er sich direkt angesprochen gefühlt hat. Rogg kommt ja aus Würzburg und kennt von dort die Schlosskonzerte mit Mozartthema. Als ich ihm das Konzept vorgestellt habe, hat es wohl bei ihm sofort Klick gemacht. Er grinste und sagte: Das ist unglaublich, dass wir da so eine Verbindung haben...

Wie sind Sie auf die unterschiedlichen Veranstaltungsorte gekommen?

Ich bin immer wieder beim Rheingau-Musik-Festival, hab mich da umgeguckt und gefragt: Wie machen die das? Im Radio habe ich ein Interview gehört von einem Mann, der das Festival ins Leben gerufen hat. Seine Idee war, die Orte im Rheingau hervorzuheben und zu zeigen, wie schön die Umgebung ist. Ich bin ja in Dietzenbach aufgewachsen, kenne ganz viele Menschen und fühle mich mit der Stadt sehr verbunden. Dietzenbach hat viele Elemente, die eine Großstadt auch hat. Und ich finde sogar ein bisschen mehr.

Zum Beispiel?

Beispielsweise die Infrastruktur für Schulen und Kindergärten ist fantastisch. Es gibt so viele tolle Orte hier. Viele kennen diese aber nicht, etwa die Christuskirche von innen oder das „Hotel ARTrium am Park“. Ich finde es wichtig, dass man diese Orte auch mal hervorhebt und zeigt, wie flexibel sie einsetzbar sind. Etwa einen Flügel in die Christuskirche stellen. Da musste ich innerlich grinsen und dachte: Die Menschen kommen allein schon, weil sie sehen wollen, wie da ein Flügel drinsteht.

Gab es bei der Planung Hindernisse?

Die Planung verlief relativ reibungslos. Allerdings hatte ich viele Sachen nicht bedacht. Ich bekomme zwar Unterstützung von verschiedenen Menschen, aber weil ich Musiker und nicht BWLer bin, fehlt mir das Know-how etwa bei Verträgen oder der Technik. Ich hatte zunächst noch alles auf dem Niveau meiner Schülerkonzerte bedacht.

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Also alles ein bisschen kleiner?

Ich hätte nicht zu hoffen gewagt, dass die Unterstützung so groß sein würde. Ich bin zum Bürgermeister gegangen. Er hat gesagt, er übernimmt die Schirmherrschaft und ich dachte: Das war’s dann. Nicht gedacht hätte ich, dass auch noch Sponsoren dazukommen. Was auch heißt: Verträge abschließen.

Wie haben Sie das gelöst?

Es war reiner Zufall, dass ich Tobias Michael, einen der beiden Geschäftsführer von „tm:IT Solutions GmbH“, bei einem Schüler getroffen habe. Ich habe ihn gefragt, ob er mir in dieser Richtung helfen kann. Als ich ihm erzählt habe, was ich mir so vorstelle – Facebook, Homepage, et cetera –, hat er gesagt: Wunderbar, Florian Schuch, der andere Geschäftsführer, kann das alles machen – Verträge Kalkulationen und so weiter... Schuch hat dann alles in Form gebracht und mir zusammen mit Sarah Werner, die die Printmedien bedient, alle Hindernisse quasi aus dem Weg geräumt. Sonst hätte ich das alles so nicht umsetzen können. Es fehlte die ganze Infrastruktur, es war nichts da.

Wie haben Sie die Künstler zusammengestellt?

Nachdem ich mir Gedanken gemacht hatte, wo alles stattfindet und wie ich es mache, habe ich geschaut, was kann man den Menschen anbieten und was könnte interessant sein. Meine erste Idee war: Isabel Ment, die ich bei einem Schülerkonzert erlebt habe. Es war zu sehen, wie sehr sie die Menschen anspricht und berührt. Julia Okruashvili und Victor Plumettaz habe ich schon bei der Museumsgesellschaft mit einem Teil ihres Programms gesehen. Mit Stefanie Pfaffenzeller und Rachelle Betancourt hat meine Frau Nami Ejiri immer wieder mal im hr-Sendesaal gespielt.

Haben Sie im Hinterkopf, die Dietzenbacher Musiktage im nächsten Jahr zu wiederholen?

Vom ganzen Setting her und von dem, was ich mit den Sponsoren besprochen habe, war es schon so, dass ich gesagt habe, es soll keine einmalige Sache sein. Ich erwarte aber auch nicht – das habe ich auch dem Bürgermeister gesagt –, dass es gleich eine volle Auslastung gibt. Was aber natürlich schön wäre. Ich würde es nicht ausweiten wollen, sondern erst mal versuchen, das Ganze zu etablieren.

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