Arbeitsplätze sollen vervierfacht werden

Volvo baut Standort in Dietzenbach aus

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Gemeinsam freuen sich Volvo-Car-Deutschland-Geschäftsführer Thomas Bauch, Bürgermeister Jürgen Rogg, AGS-Immobilien-Leasing-Geschäftsführer Thomas Weber und Wirtschaftsförderer Michael Krtsch über den Ausbau des kreisstädtischen Volvo-Standortes.

Dietzenbach - Der schwedische Autobauer Volvo hat eine lange Tradition in Dietzenbach. Diese soll nun mit dem Bau eines sogenannten Competence-Centers aufgefrischt und ausgebaut werden. Von Ronny Paul 

Als die schwedischen Autobauer im Mai 1965 die gemeinsame Deutschlandzentrale von Volvo Pkw und Volvo Lkw in Dietzenbach eröffneten, war ein gewisser Ludwig Erhard Deutschlands Bundeskanzler, Bürgermeister des noch nicht stadtgewordenen Dorfes am Wiesengrund war Hermann Kocks – und ein junger Franz Beckenbauer spielte gerade seine erste Bundesliga-Saison. 53 Jahre später will der skandinavische Konzern seine ehemalige Deutschlands-Zentrale an der Assar-Gabrielsson-Straße – in Nachbarschaft zu Portas, EAB und Storopack – modernisieren und ausbauen. Dafür nimmt Volvo rund sieben Millionen Euro in die Hand und will die Arbeitsplätze innerhalb von zwei Jahren von derzeit 45 auf 180 aufstocken – aktuell arbeiten laut Volvo-Car-Deutschland-Geschäftsführer Thomas Bauch in einer Ausweichimmobilie an der Waldstraße bereits mehr als 45 Angestellte.

In den 60er-Jahren entstanden die Volvo-Hallen im Nordosten Dietzenbachs. Dort, an der Assar-Gabrielsson-Straße, soll im kommenden Jahr das „Volvo Car Group Competence Center“ (Bild unten) eröffnen. - Fotos:

Neben der historisch gewachsenen Verbindung mit Dietzenbach spiele vor allem der Glasfaseranschluss eine Rolle bei der Expansion am Standort: „Wir müssen in der Lage sein, gewaltige Datenmengen zu verarbeiten“, betont Volvo-Car-Deutschland-Geschäftsführer Thomas Bauch bei einem Treffen mit Bürgermeister Jürgen Rogg und Wirtschaftsförderer Michael Krtsch. Das ist nach dem im vergangenen Jahr abgeschlossenen Ausbau des Glasfasernetzes im Gewerbegebiet nun möglich. Bauch: „Mit dem Ausbau des Standortes Dietzenbach stellen wir uns für die Zukunft auf.“ Geplant ist neben der Modernisierung des bisherigen Training-Centers ein 3 200 Quadratmeter großer Neubau auf einem Teil des bisherigen Firmenparkplatzes. Insgesamt umfasst das Volvo-Areal im Nordosten der Kreisstadt 24.000 Quadratmeter. Im kommenden Sommer soll dann bereits das neue „Volvo Car Group Competence Center“ eröffnet werden, der Spatenstich ist für Oktober vorgesehen.

Der 2017 beschlossene Ausbau ist Teil des fortwährenden Wachstumskurses von Volvo in Deutschland und weltweit, heißt es vonseiten des Unternehmens. „Allein hierzulande ist der Absatz binnen vier Jahren um 50 Prozent gestiegen, bis Ende Juni 2018 wurden knapp 20.000 Fahrzeuge neu zugelassen.“

Im Competence-Center sollen nicht nur sämtliche technische Trainings für die deutsche Handelsorganisation, die derzeit 245 Verkaufsstandorte und 81 Servicewerkstätten umfasst, abgehalten werden, sondern auch die Unterstützung von 17 internationalen Standorten erfolgen. So etwa verschiedene sogenannte Mobilitäts-Serviceleistungen wie das „Care by Volvo“-Abonnement – vereinfacht gesagt eine monatliche Auto-Flatrate. Bis 2021 will Volvo laut Bauch fünf neue elektronische Pkw vorstellen. Auch die „Fehlerquelle Fahrer“ will der schwedische Konzern in den kommenden Jahren minimieren – Stichwort: autonomes Fahren.

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Für Bürgermeister Rogg und Wirtschaftsförderer Krtsch ist die Expansion von Volvo nach der der Brass-Gruppe ein weiterer Baustein des „Automobil-Standortes Dietzenbach“: „Die innovative und erfolgreiche Entwicklung von Volvo passt hervorragend zu unserem Image als dynamischster Wirtschaftsstandort in der südlichen Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main.“ Er kenne einige Mitarbeiter, die damals in der Deutschland-Zentrale von Volvo gearbeitet haben und er freue sich sehr, dass auch weitere Arbeitsplätze am Standort entstehen. Die Stadt werde ihr Bestes geben, dass der anvisierte Zeitplan eingehalten werden kann, versichert Rogg.

Daten und Fakten: Tradition seit 1927

1927 in Göteborg gegründet, eröffnete Volvo (lateinisch: „ich rolle“) seine Deutschland-Zentrale am 19. Mai 1965 in Dietzenbach. Dort waren zunächst Volvo Pkw und Volvo Lkw beheimatet. Nachdem die Pkw-Sparte 1994 in den Kölner Großraum zog und Volvo Trucks 2004 nach Ismaning bei München wechselte, wurde das 24 000 Quadratmeter große Gelände in der Assar-Gabrielsson-Straße 7-11 zum Schulungszentrum von Volvo Car Germany umfunktioniert. Im sogenannten Volvo Training Center Cars, das 4 100 Quadratmeter Gebäudefläche umfasst, wurden seitdem vorwiegend die deutschen Vertragspartner und ihre Mitarbeiter geschult. In der gesamten Volvo-Organisation in Deutschland sind mehr als 3500 Menschen beschäftigt, weltweit sind es rund 38 000. 2017 fiel bei Volvo Car Germany die Entscheidung, den Standort Dietzenbach zu modernisieren und zu erweitern. Seit Februar laufen im bestehenden Gebäude bereits die Renovierungsarbeiten. Bauherr für das neue Gebäude ist die „AGS Immobilien Leasing GmbH“, eine hundertprozentige Tochter von Volvo Car Germany.

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Von 1999 bis 2010 gehörte Volvo zur Ford Motor Company. Dann übernahm einer der größten chinesischen Automobilhersteller, die Zheijiang Geely Holding Group Company Limited, die Volvo Car Group. Im vergangenen Jahr steigerte die Volvo Car Group nach eigenen Angaben ihren Umsatz von 19,1 Milliarden Euro auf 21,37 Milliarden. 2017 wurden in Deutschland 40 857 Volvos neu zugelassen, was einem Marktanteil von 1,2 Prozent entspricht. Seit Gründung schreibt sich Volvo den bestmöglichen Insassenschutz auf die Fahne. So haben die Schweden unter anderem als erste die Verbundglas-Windschutzscheibe und den Drei-Punkte-Sicherheitsgurt verbaut. „Bis 2020 soll kein Mensch mehr in einem Volvo verletzt werden“, gibt Volvo-Car-Deutschland-Geschäftsführer Thomas Bauch als ambitioniertes Ziel vor. Bis 2025 soll das Portfolio laut Bauch zu 50 Prozent aus elektrobetriebenen Fahrzeugen bestehen.

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