Dietzenbach verweist auf hohe Kosten

Kritik an Stadt: Bewerbung nur per Post möglich

Unterlagen werden in einen Briefkasten eingeworfen. Im Hintergrund sind die Logos verschiedener Versandunternehmen.
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Nur per Post: Die Stadt Dietzenbach im Kreis Offenbach berücksichtigt ausschließlich Bewerbungen für Ausschreibungen, die als Papier-Dokumente eingesendet werden. (Symbolbild)

In den meisten Städten kann auf Ausschreibungen sowohl digital als auch mit der Post geantwortet werden. Dietzenbach im Kreis Offenbach macht es Bewerbern nicht so leicht.

Dietzenbach – Daniel Lewental ist verwundert. Im Auftrag seines Arbeitgebers Docunova hat er eine Bewerbung für eine Ausschreibung der Stadt Dietzenbach abgeschickt. Gesucht war ein Unternehmen, dessen Schwerpunkt auf Druck- und Kopiersystemen liegt. Lewental schickte die gefragten Unterlagen per Mail ab. Kurze Zeit später erhielt er die Rückmeldung, dass bei dem Vergabeverfahren nur die Einsendung per Post akzeptiert wird. Ein Kriterium, das, wie der Vertriebsbeauftragte für Großkunden im Raum Frankfurt eingesteht, zwar in der Ausschreibung stand. „Ich wäre allerdings nie auf die Idee gekommen, dass eine digitale Bewerbung in der heutigen Zeit nicht akzeptiert wird“, erläutert er sein Vorgehen.

Er verschicke bereits seit eineinhalb Jahren Bewerbungen für Ausschreibungen von Kommunen sowie hessischen Ministerien und bisher sei das immer über das Internet möglich gewesen. „Es gibt eine elektronische Plattform, auf die die Ausschreibung, wie auch die dort geforderten Unterlagen hochgeladen werden können“, schildert Lewental. Es habe ihn von vorneherein gewundert, warum die Stadt Dietzenbach sich nicht dafür entschieden habe. Schließlich, so mutmaßt er, sei so ein Vergleich der Bewerber einfacher möglich. „Bei ausgedruckten Dokumenten müssen die entscheidenden Zahlen explizit herausgesucht werden“, fährt Lewental fort.

Kritik an Vergabeverfahren in Dietzenbach: Post-Weg sorgt für Emissionen

Die Art des Bewerbungsverfahrens ist jedoch nicht der einzige Aspekt, der ihn irritiert. „Ich finde es merkwürdig, dass auf der einen Seite Umweltschutz zu den Bewertungskriterien der infrage kommenden Unternehmen zählt, und auf der anderen Seite gefordert wird, dass man sich per Post bewirbt“, gibt der Vertriebler zu bedenken. Denn neben dem Papierverbrauch schlage sich der postalische Weg auch im Hinblick auf die Emissionen negativ nieder. Und immerhin sei das Kriterium Umweltschutz zusammen mit den Aspekten Datenschutz und Gesundheit beziehungsweise Mitarbeiterschutz zu 30 Prozent in die Bewerbung eingeflossen. „So mussten wir etwa auch angeben, wie hoch unser Stromverbrauch ist“, erzählt Lewental.

Dietzenbach (Kreis Offenbach) verteidigt Bewerbungsverfahren per Post

Die Stadt teilt indessen mit: „Vergabeverfahren richten sich nach strengen rechtlichen Vorschriften, die sehr genau zu beachten sind.“ So würde die Kreisstadt schriftlich eingereichte Angebote im Ausschreibungsverfahren immer zulassen. Eine Ablehnung von ordnungsgemäß eingereichten Unterlagen gebe es nicht. Eine Abgabe per E-Mail sei vergaberechtlich hingegen nicht zulässig.

Gegen ein Vergabeverfahren über die elektronische Plattform habe man sich entschieden, da dieses mit sehr hohen Kosten verbunden sei. „Außerdem ist eine solche Vorgehensweise nur bei einer europaweiten Ausschreibung verpflichtend“, heißt es vonseiten der Stadt weiter. (Anna Scholze)

Auch die Post selbst sorgte schon mit Zustellungsproblemen in Dietzenbach für Ärger.

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