6677 braune Deckel in der Kreisstadt

Biotonne: Städtische Betriebe ziehen positives Fazit

+
Organische Abfälle in Tüten gepackt und Deckel drauf: Die Biotonne hat sich bewährt.

Dietzenbach - Mit Argwohn hat so mancher auf die Einführung der Biotonne in Dietzenbach reagiert. Ein Jahr später haben die Kreisstädter sich scheinbar daran gewöhnt. Von Barbara Scholze

Es war einer Aufreger des vergangenen Jahres: Die Einführung der Biotonne zum 1. März beschäftigte die Dietzenbacher bei Thekengesprächen, während der Einkaufsrunde und vor allem in den sozialen Netzwerken. „Streitereien mit viel Wonne, gab’s auch um die Biotonne“, reimte ein aufmerksamer Bürger in seinem Jahresrückblick. Regelrecht misstrauisch waren viele gegenüber dem neuen Behältnis. Mit rein organischen Abfällen sollte es gefüllt werden und die Restmülltonne damit entlasten. Und das bei nur vierzehntägiger Abfuhr.

Nun, ein Jahr später, ist es ruhig geworden um das Sammelgefäß für Bioabfall. Mehr noch: Die Mitarbeiter der Städtischen Betriebe ziehen ein positives Fazit. „Wir freuen uns, dass die Biotonne mittlerweile hohe Akzeptanz gefunden hat“, sagt Prokuristin Nadja Lubrich. Insgesamt 6 677 Tonnen sind im gesamten Stadtgebiet in Betrieb. Lediglich 30 Liegenschaften verzichten auf das Gefäß und kompostieren selbst, 25 Hausbesitzer teilen sich einen Behälter mit den Nachbarn. Die erhoffte Sammelquote ist inzwischen längst erreicht. „Die Trennung von organischem Abfall und Restmüll hat dazu geführt, dass wir fast 40 Prozent weniger Restmüll haben“, freut sich Markus Krallinger, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft. So sei es auch gedacht gewesen, habe doch bereits ein Versuch vor einigen Jahren gezeigt, dass weit über 35 Prozent des Mülls der Wiederverwertung zugeführt werden kann.

Denn darum geht es bei der vom Bundesgesetzgeber verpflichtend eingeführten Biotonne. Organischer Abfall soll nicht mehr in der Verbrennungsanlage des Müllkraftwerkes landen, sondern vielmehr als ökologischer Kompost Gutes tun. Umgewandelt wird der Müll zum natürlichen Düngemittel in der Anlage der Rhein-Main-Biokompost Gesellschaft in Frankfurt. „Seit Einführung der Biotonne haben wir etwa 2 000 Tonnen Bioabfall gesammelt und kompostiert“, erzählt Krallinger. Alle Bürger hätten so dazu beigetragen, dass organische Abfälle eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Verwertung haben. Auch Grünschnitt aus den Gärten sei mittlerweile vermehrt in der Tonne mit dem braunen Deckel zu finden. „Das haben wir so gewollt, das ist auch ein Service für Kunden mit kleineren Gärten, die nicht mehr nach jedem Mähvorgang zur Sammelstelle fahren müssen“, sagt Lubrich. Kam es in den ersten Wochen nach der Einführung noch vereinzelt zu Fehlbefüllungen, bei Kontrollen fanden sich unter anderem immer wieder Plastiktüten mit Restmüll, so ist diese Quote inzwischen verschwindend gering. „Unsere Mitarbeiter monieren vielleicht 15 bis 30 Tonnen pro Abfuhr, das ist kaum der Rede wert“, sagt Krallinger.

Bilder: Elektro-Müllwagen schont Umwelt und Ohren

Mehr Diskussionen lösten die üblichen Probleme aus wie Geruch und Madenbefall im Sommer und festgefrorene Inhalte bei Frosttemperaturen. „Aber das ist überall so.“ Gerade für die kommenden Sommermonate mache es Sinn, auf die Tipps der Abfallberatung zu hören: die Küchenabfälle gut einpacken, in Zeitungen und entsprechende Papiertüten, die Tonne sauber halten und ab und zu den Rand mit Essig einreiben.

„Im Moment ist einigermaßen Ruhe, aber die Abfallwirtschaft bewegt sich natürlich ständig“, sagt Nadja Lubrich. So müssen die Dietzenbacher sich derzeit nicht auf neue Tonnen einstellen, können aber von zusätzlichen Angeboten hinsichtlich der Mülltrennung profitieren. Auf dem Wertstoffhof entsorgen lassen sich etwa auch alte Elektrogeräte. Wichtig sei dabei, dass Gerät und Batterien oder Akkus getrennt abgegeben werden. Ans Herz legt das Team der Abfallwirtschaft den Bürgern auch die Sammlung von Altpapier. „Das ist ein bedeutender Wertstoff“, mahnt Lubrich.

Kommentare