Glückwunsch bronzener Ludwig

Ein Jahr Steinberg-Kreisel: Protest ist längst verstummt

+
Künstlerin Uschi Heusel nimmt neben ihrer bronzenen Ludwig-Skulptur am Steinberg-Kreisel Platz. 

Dietzenbach - Die Skulptur von Uschi Heusels Comic-Ratte Ludwig in der Mitte des sogenannten Lego-Kreisels hatte für viel Aufsehen gesorgt. Ein Jahr nach Einweihung jedoch ist die Aufregung längst verflogen. Von Ronny Paul 

Vor einem Jahr weihten unter anderem Bürgermeister Jürgen Rogg und der Magier Harry Keaton das Bauwerk ein.

Künstlerin Uschi Heusel klettert ein Jahr nach der feierlichen Einweihung des Steinberg-Kreisels erstmals wieder auf die Steine, auf denen Ratte Ludwig sitzt. Das letzte Mal stand sie direkt neben ihrer bekannten Comicfigur aus Bronze, als der Magier und Illusionist Harry Keaton die Skulptur vor rund 800 Menschen enthüllt hat. „Jedes Mal, wenn ich am Kreisel vorbeifahre, kommen die Erinnerungen an die schöne Einweihung hoch“, sagt Heusel. Kein Wunder, denn neben Keaton waren auch „Asterix’ Hessisch-Lehrer“ Jürgen Leber, der Mundartdichter Rainer Weisbecker, das Duo Olm und Molm, „The Roarin’ Rockin’ Roundabouts“, der Leiter des Frankfurter Carikatura-Museums, Achim Frenz, der Hamelner Rattenfänger Michael Boyer und Schauspieler Reiner Wagner gekommen, um mitzuhelfen und zu feiern. Der große Zuspruch macht Heusel heute noch stolz, sie ist für die Hilfe aller dankbar, sagt sie. Unterstützt haben sie auch Thomas Gaubatz, die Fahrschule Lentjel, Steinmetz Christoph Raschke und Mitarbeiter der Städtischen Betriebe.

Heusel setzt sich neben den bronzenen Ludwig, legt ihren Arm auf seine Schulter und lächelt. „Ich finde, er ist schön standhaft geblieben“, sagt sie. Zwar werde die Metalllegierung mit der Zeit dunkler, „aber das ist Patina“. Sie sei froh, „dass ich das damals gemacht und durchgezogen habe“, sagt Heusel.

Alles zum Kreisel lesen Sie auf der Themenseite.

Der Bau des Steinberg-Kreisels war eine Zeit lang – zumindest bei rund 700 Bürgern – umstritten. Es gründete sich eine Bürgerinitiative (BI) „Bürger gegen den Ratten-Kreisel“. Die Argumente gegen die Kreiselgestaltung waren vielfältig: Die Comic-Figur an einem solch zentralen Punkt würde dazu führen, dass Dietzenbach zukünftig als „Rattenstadt“ wahrgenommen werde, argumentierte die BI unter anderem. Überhaupt hätte die BI lieber einen Wettbewerb ausgeschrieben gesehen, bei dem sich alle Bürger hätten beteiligen können. Darüber hinaus seien Sicherheitsfragen zu kurz gekommen, die Skulptur stelle eine Ablenkung für Autofahrer dar und Kinder könnten sie als Klettergelegenheit nutzen, lauteten weitere Befürchtungen.

Bewahrheitet hat sich von all dem wohl nichts. Dietzenbachs Polizeichef Klaus Hofmann kann sich auf Anfrage nicht an einen Fall erinnern, an dem die Skulptur ausschlaggebend für einen Unfall am Kreisel, der die Offenbacher Straße, den Theodor-Heuss- und den Gustav-Heinemann-Ring verbindet, gewesen ist.

XXL-Galerie: Ratte Ludwig ziert den Lego-Kreisel

Oana Georg, Chefin von Soel Cosmetic am Thomas-Mann-Ring, war auch in der BI aktiv und sagt: Ihre Kunden würden nicht schlecht über den Kreisel sprechen. Überhaupt habe sie den Kreisel annehmen und damit leben müssen. Hans-Willi Willems, damaliger Sprecher der BI, möchte sich zu dem Thema gar nicht mehr äußern.

Heusel selbst bekommt ausschließlich positive Resonanz und freut sich jedes Mal „riesig“, wenn die Menschen sagen: „Wir lieben den Ludwig.“ Rückblickend hatte der ganze Ärger und Medienaufruhr um die Kreiselgestaltung sogar etwas Positives: „Im Endeffekt hat der Ärger mir geholfen und Ludwig populärer gemacht.“

So ist Heusel demnächst mit ihrer Comic-Ratte Ludwig wieder außerhalb der Kreisstadt unterwegs: Am 6. Oktober startet eine Ausstellung am Amtsgericht in Groß-Gerau und am 28. November beginnt eine Schau von Heusels Werken im niedersächsischen Hameln. Und die Bürgerreise mit einer Ausstellung ihrer Werke in Dietzenbachs chinesischer Freundschaftsstadt Kunming steht noch auch an – voraussichtlich im Frühjahr.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare