25 Jahre Mauerfall

Revolution für Augen und Ohren

+
Besondere historische Vorkenntnisse brauchen die Zuschauer nicht, wenn Matthias Zeylmans van Emmichoven seine musikalische Reportage „Revolution live“ aufführt: „Die Geschichte wirkt von selbst und wirft höchstens Fragen auf, mit denen man sich noch lange beschäftigen kann.“

Dietzenbach - Es war eine der wenigen friedlichen Revolutionen der Menschheit: Als vor 25 Jahren mehr als 70.000 DDR-Bürger in Leipzig Demokratie und Freiheit forderten, demonstrierten sie trotz eines massiven Polizeiaufgebotes friedlich und schufen so die Voraussetzung für den Fall der Mauer am 9. November. Von Barbara Scholze 

Inspiriert hat dieses beeindruckende Stück Zeitgeschichte den Künstler Matthias Zeylmans van Emmichoven zu einem spektakulären Projekt. Unter dem Titel „Revolution live“ schlägt er in einer Zeitreise durch 200 Jahre Revolutionsgeschichte den Bogen zurück bis zum großen französischen Aufstand im Jahr 1789. „In diesem Zeitraum gab es eine wechselvolle Geschichte der Umstürze“, sagt Zeylmans. .

In Wort und Musik hat der Historiker und Musiker, der an der Rudolf-Steiner-Schule unterrichtet, ein Bühnenstück geschaffen, das den Zuschauer unmittelbar in die jeweiligen Epochen mitnimmt. Visualisiert hat die spannende Tour durch die Vergangenheit Zeylmans Frau Andra. Die Malerin unterrichtet ebenfalls an der Waldorfschule und hat in expressiv gemalten, stark farbigen Portraits die Protagonisten der Geschichte skizziert.

Zehn Stationen Revolution

Pfarrer Christoph Wonneberger

Er habe schon lange den Wunsch gehabt, ein solches Projekt auszuarbeiten, erzählt Zeylmans, es sei nur eine Frage der Zeit gewesen. Zehn Stationen Revolution hat er geschaffen, darunter finden sich Aufrührer wie Mirabeau im französischen Kampf, Lenin mit seiner Oktoberrevolte, aber auch Gandhi, wie er sich gegen die britische Kolonialherrschaft wendet und Rudi Dutschke, Symbolfigur des deutschen Studentenaufstandes. Der letzten Revolution, die schlussendlich zur Wiedervereinigung des deutschen Volkes führte, hat Matthias Zeylmans besondere Aufmerksamkeit gewidmet. „Anfangs hatte ich keine Person vor Augen. Während meiner Recherchen bin ich dann aber auf Christoph Wonneberger gestoßen“, erzählt er. Der lutherische Pfarrer koordinierte die montäglichen Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche, aus denen sich die Montagsdemonstrationen und schließlich der Umsturz im Herbst 1989 entwickelten. Wonneberger habe ihn nicht nur als historische Person gleich überzeugt, so Zeylmans. „Wir kannten uns nicht, aber als ich ihn anrief war er sehr offen für das Projekt und hat gleich eine Beteiligung zugesagt.“

Entwickelt hat der Künstler seine Zeitreise mithilfe von Biografien. „Als Historiker kannte ich vieles, manche Geschichten, vor allem aus dem Umfeld der Revolutionäre, musste ich mir aber neu erschließen.“ In die so entstanden Reportagen zieht Zeylmans den Zuhörer mitten hinein, in einer bildhaften Sprache hat er lebensechte Situationen geschaffen. „Es soll wie ein Sprung sein in den jeweiligen Moment.“ Da sitzt etwa Lenin am Tisch und denkt deprimiert über seine Lage nach. Oder Che Guevara und Fidel Castro schippern los, um Kuba zu befreien. Angereichert hat der Autor die Texte zum Teil mit Originalzitaten, auch in der jeweiligen Landessprache. Ebenso authentisch sind seine selbst komponierten Lieder, die meist musikalische Stilmittel der betreffenden Landeskultur enthalten. Zeylmans singt, spielt Gitarre und untermalt damit die Dramatik der Biografien. Im Anschluss an die Zeitreise schließt Christoph Wonneberger dann den Kreis mit einem Bericht der DDR-Revolution. Dabei erzählt er von der damaligen Oppositionsbewegung und steht dem Publikum anschließend für ein Gespräch zur Verfügung.

Das Auto der Einheit: Trabant

Das Auto der Einheit: 50 Jahre Trabant 601

Es gehe in dem Projekt nicht darum, Helden darzustellen, betont Zeylmans, „vielmehr wird ein differenziertes Bild der Persönlichkeiten gezeichnet“. Aus der historischen Distanz sehe er nun Krisen und Schattenseiten des Geschehens. Die Protagonisten hätten ihn intensiv begleitet, das Projekt im vergangenen Jahr sein Leben bestimmt. Und das seiner Familie: „Die Zusammenarbeit mit meiner Frau habe ich als sehr inspirierend erlebt, wobei jeder den Bereich des anderen respektierte.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare