Ein Jugendcafé für „Steinertown“

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Ohne Plan geht hier nichts: Der „Ausschuss für Inneres“ kümmert sich unter anderem um Gewerbeansiedlung und will den Wochenmarkt an den Europaplatz verlegen. Das Planspiel „An den Schalthebeln der Macht“ läuft bereits im elften Jahr.

Dietzenbach ‐ Die Bürgermeisterin von „Steinertown“ kann sich glücklich schätzen. Die Wirtschaftsförderung hatte die Frau an der Spitze von Beginn an zur Chefinnen sache erklärt – und die Gewerbeakquise auf Messen zeitigte bereits erste Erfolge. Von Nina Beck

So liegt dem Ausschuss für Inneres nun eine gute Handvoll Anfragen vor, die es zu bewerten gilt. „Die Firma Transplutonium nehmen wir schon mal nicht“, stellt Lena klar. „Den Immobilienmakler, die Firma mit den Lehmheizungen und das mit den Smartphones, das können wir machen.“

Es ist Halbzeit im kommunalpolitischen Planspiel „An den Schalthebeln der Macht“; drei weitere Wochen – im Spiel sind es Jahre – liegen noch vor den Elftklässlern der Rudolf-Steiner-Schule („Steinertown“) und jenen des Politik- und Wirtschaft-Kurses der Heinrich-Mann-Schule („Richma(n)n-City“). Die Waldorfschüler Lena und Lukas, Joshua, Jonas, Fabio und Daniel jedenfalls haben, neben der Ansiedlung von neuem Gewerbe in ihrer Planspielstadt, schon einiges auf die Beine gestellt. Zum Beispiel den Mittwochs-Wochenmarkt in der Stadtmitte von seinem Standort vor dem Kreishaus an den Europaplatz verlegt – mit einem Dutzend Händlern nun größer, schöner und attraktiver als der bisherige, wie in den „Steiner-News“ nachzulesen ist.

Auch kritische Töne bleiben nicht aus

Dazu hat der Ausschuss für Inneres Gespräche geführt mit der Deutschen Marktgilde, sich um Fragen wie Marktleiter und Betreiber, Strom- und Wasserversorgung, Standmieten sowie Schlussreinigung gekümmert. Doch auch kritische Töne bleiben nicht aus. Schließlich sei der Europaplatz auch ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt, dort fänden auch Feste statt, und durch das entstehende Einkaufs-Center am Masayaplatz werde doch der Wochenmarkt an seinem jetzigen Standort sicher eine Aufwertung erfahren, heißt es in einem „Leserbrief“.

Es geht hier eben doch stellenweise zu wie im richtigen Leben, auch wenn es „nur“ ein Spiel ist. Eine gute Idee, lernen die Schüler, mag zwar am Anfang eines lokalpolitischen Prozesses stehen, doch bis zur tatsächlichen Umsetzung ist es oft ein weiter Weg. Wenn es denn überhaupt machbar ist. Um das festzustellen, bedarf es nicht selten der Hilfe von Experten. Und so steht den „Stadtverordneten“ von Steinertown in der dritten Runde denn auch ein solcher zur Verfügung. Michael Würz, Technischer Leiter der Städtischen Betriebe, ist neben Spielleiter Mick Liebig vom Jugendzentrum hinzugekommen, um insbesondere dem Umwelt-, aber auch dem Stadtentwicklungsausschuss mit Auskünften zur Seite zu stehen.

Treffpunkt soll im Juni 2013 eröffnet werden

Ersterer etwa plant im Spieljahr 2013 die Anschaffung umweltfreundlicher Hybridbusse, die bis Ende 2016 alle Stadtbusse ersetzt haben sollen. „Was halten Sie denn davon?“, fragt Jennifer den Experten. „Das ist ein durchaus interessantes Thema“, sagt Würz. Schließlich sind, wie berichtet, seit kurzem schon die ersten Hybridbusse in der Region unterwegs. Der Stadtbus ist jedoch an ein Unternehmen fremdvergeben. Dagegen sei die Idee etwa für die städtischen Restmüllfahrzeuge durchaus interessant.

Interessant, um nicht zu sagen: dringend erwünscht erscheint den Jugendlichen alle Jahre wieder auch ein Jugendcafé. Der Ausschuss „Jugend und Soziales“ von Steinertown hat folglich beschlossen, ein solches zu bauen – und zwar auf dem brachliegenden Grundstück zwischen Vélizy-, Offenbacher- und Talstraße. Im Juni 2013 wird er eröffnet, „ein Treffpunkt, wo alle hinkönnen“, sagt Natalie. „Die Jugendlichen arbeiten da selbst, werden von der Stadt dafür bezahlt, es gibt verschiedene Abendveranstaltungen und am Wochenende Frühstück.“

Natürlich haben die einzelnen Schülergruppen noch etliche Ideen mehr – doch bis 2016 ist ja auch noch etwas Zeit. Einen festen Termin für die Abschlussveranstaltung im Bürgerhaus – um mal wieder ins Hier und Jetzt zurückzukommen – gibt es bislang noch nicht, sagt Liebig. Voraussichtlich wird dieser aber im Mai liegen, wenn sich das „echte“ Parlament nach der Kommunalwahl konstituiert hat… und zuhören kann.

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