Zwei Tage geklettert, gerettet und gelöscht

Jugendfeuerwehr probt an mehreren Orten den Ernstfall

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Auch ein Auto zu löschen stand auf dem Programm.

Dietzenbach - Mehrere Übungseinsätze im Stadtgebiet haben Angehörige der Jugendfeuerwehr an zwei Tagen auf Trab gehalten. Damit hat der Nachwuchs einen Einblick in den Alltag der Freiwilligen Feuerwehr bekommen. Wir haben die Brandlöscher bei ihren Einsätzen begleitet. Von Sascha Dreger

In voller Montur kommt Janina in die Fahrzeughalle gerannt, öffnet die Tür eines Tanklöschfahrzeugs, legt ihren Helm und die Handschuhe auf den Beifahrersitz und wartet auf den Rest der Fahrzeugbesatzung. Im Sekundentakt öffnet sich die Tür zu den Spindräumen und weitere Kameraden eilen zum Einsatz. Es muss schnell gehen, die Zentrale meldet einen Brand mit Verletzten. Janina ist als Fahrzeugführerin eingeteilt. „Sind alle drin?“, fragt die 15-Jährige. „Ja“, schallt es mehrstimmig aus der Mannschaftskabine. Türen zu. Jugendleiter Max Bayerlein, der als Maschinist am Steuer sitzt, fährt los.

Während der Fahrt gibt Janina die Aufforderung an den Angriffstrupp, sich mit Atemschutz auszurüsten. Für die 16-jährige Johanna und ihre Kameraden bedeutet das, viele Handgriffe auf einmal zu machen. Sauerstoffflaschen anlegen und entriegeln, dann Atemschutzmasken überziehen, beides verbinden und Helm aufsetzen. Gar nicht so einfach bei voller Fahrt, in jeder Kurve wirken die Fliehkräfte.

Der elfjährige Ayman vom Wassertrupp stellt das Funkgerät auf den richtigen Kanal ein. Kurz vor dem Einsatzort sind alle fertig ausgerüstet. „Mir ist jetzt schon voll warm“, sagt Johanna unter der Maske. Mit „Absetzen“ gibt Janina der Besatzung die Anweisung auszusteigen und sich hinter dem Fahrzeug für weitere Anweisungen zu versammeln. Während der Angriffstrupp einen Jungen aus dem Qualm und eine verletzte Frau aus der Gefahrenzone in Sicherheit bringt, wird die Wasserversorgung hergestellt.

Um die Opfer kümmern sich derweil die Helfer vom DRK-Ortsverband, die zur Unterstützung der jugendlichen Brandschützer bei den Übungen mitarbeiten. Das Feuer – ein außer Kontrolle geratener Grill – ist schnell gelöscht. Janina ist zufrieden mit dem Einsatz. Auch Jugendfeuerwehrwart Fabian Flößer lobt: „Das sah schon mal alles ganz gut aus.“

Zurück in der Wache müssen die Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht werden. Kurz darauf ein erneuter Alarm: Tierrettung. Von einem Baum. Ein Fall für die Drehleiter. Der 14-jährige Robin und die zehnjährige Despina steigen in den Korb am Ende der Leiter und fahren hoch. Mittlerweile ist es dunkel – nicht ganz einfach, das Tier zu entdecken. In rund 15 Metern Höhe finden sie schließlich den gesuchten Teddybär und bringen ihn sicher zu Boden. Die Höhe sei für beide kein Problem. „Das macht sogar richtig Spaß da oben“, ergänzt Robin.

Auf einem Gelände im Gewerbegebiet brennt Gerümpel, das es zu löschen gilt.

„Das war eine kurze Nacht, ich konnte einfach nicht einschlafen“, sagt Ayman als er um sieben Uhr am nächsten Morgen schon wieder zum Einsatz rausfährt. Ein Brand auf einem Gelände im Gewerbegebiet ist gemeldet. Schon während der Fahrt ist eine schwarze Rauchsäule zu sehen, die Anspannung im Fahrzeug steigt spürbar. Jeder rüstet sich aus, der Blick ist fokussiert, die Handgriffe sitzen. Das Feuer wird schließlich von zwei Seiten bekämpft, zur Unterstützung ist ein weiteres Löschfahrzeug dabei. „Hier spürt man die Hitze richtig“, sagt Ayman.

Ein Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen ruft die Retter wenig später auf den Plan. Einsatzleiter Oliver Schuster informiert die Besatzung des Hilfeleistungslöschfahrzeuges über die Sachlage. Der eingeklemmte Patient muss schnellstens aus dem Fahrzeug befreit werden. Der 14-jährige Dogukan und die 13-jährige Anastasia beginnen mit dem hydraulischen Rettungsspreizer die Türen zu entfernen. Anfangs finden die beiden keinen richtigen Angriffspunkt mit dem großen Werkzeug. „Ihr dürft nicht zimperlich sein, die Türen müssen ab“, erklärt Schuster. Dann ein beherzter Stoß in den Türspalt, der Spreizer sitzt, die Tür hat verloren. „Das Ding ist voll schwer“, sagt Anastasia. „Ich habe mir das einfacher vorgestellt, aber es hat ja trotzdem ganz gut geklappt“, sagt sie. „Und das war eine super Teamarbeit“, findet Dogukan.

Auch für die Löschfahrzeuge folgt der nächste Einsatz: ein Fahrzeugbrand. Die Wasserversorgung ist schnell und routiniert aufgebaut, die Schläuche gelegt, dann heißt es: Wasser marsch. Janina dreht die Ventile am Verteiler auf. Von mehreren Seiten wird gleichzeitig gelöscht. „Im Motorraum brennt noch was“, ruft es. Mit Schaum wird aber auch dieser Brand schnell erstickt. Es geht zurück zur Wache, Fahrzeuge wieder bereit machen.

Mitglieder der Jugendfeuerwehr eilen in die Waldorfschule, um Menschenleben zu retten.

Man weiß ja nie, wann der nächste Alarm kommt. Und tatsächlich: Nach kurzer Verschnaufpause wird es für alle noch Mal ernst. Großalarm – Feuer in einer Schule, Menschenleben sind in Gefahr. Mehrere Kinder konnten sich vor dem Feuer und dem Rauch retten. Sind aber im Gebäude eingeschlossen, verletzt oder sogar bewusstlos und müssen teils mit der Trage in Sicherheit gebracht werden. Während die Brandlöscher im verrauchten Gebäude nach weiteren vermissten Personen suchen, sind Hilferufe vom Dach zu hören. Robin und Despina meistern auch diesen Einsatz und bringen zwei Menschen sicher auf den Boden zurück. Ein letztes Mal aufwärts, kontrollieren, dass niemand mehr auf dem Dach ist. „Das hat richtig viel Spaß gemacht“, sagt Robin: „Die Drehleiter bei der Personenrettung selbst steuern zu dürfen, war das Größte.“

Dann enden 24 aufregende Stunden mit realitätsnahen Übungen, bei denen der Feuerwehrnachwuchs alle Menschen gerettet und alle Brände gelöscht hat. „So was stärkt auf jeden Fall das Wir-Gefühl“, sagt Flößer: „Und wir hatten alle jede Menge Spaß dabei.“

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