Für Junggesellen extra schon geschält

Dietzenbach ‐ Wer den Lindenhof im Hexenberger Feld betritt, dem kann es passieren, dass ihm als erstes eine Katze über den Weg läuft, die ihn willkommen heißt. An Pferdeställen vorbei geht es dann in Richtung Wohnhaus der Familie Kunz, die bereits in der vierten Generation im Spargelgeschäft tätig ist, und sich diesem auch mit großer Leidenschaft verschrieben hat. Von Carolin Henneberg und Khang Nguyen

In den 1930er Jahren fing mit Georg Michael Knecht, damals besser bekannt als „Spargel Schorschje“, alles an. Auch dessen Sohn Friedrich Knecht (rechtes Bild) half kräftig bei der Ernte mit. Bis vor acht Jahren bauten Georg Kunz (Bild links), sein Sohn Karl-Heinz und dessen Frau Ute zusammen mit sieben Hilfskräften ihren Spargel noch selbst an; inzwischen beziehen sie das Stangengemüse aus der Region.

„Heutzutage bräuchten wir aufgrund der immensen Nachfrage Bewässerungsanlagen, Folien und eine Generation, die wirklich Spargel züchten möchte – doch die fehlt“, bedauert Ute Kunz. Ihr Mann fügt hinzu: „Nun beziehen wir unseren Spargel vom Bauern Merlau aus Arheilgen.“ Um den Kunden die bisherige Auswahl und Qualität weiter anbieten zu können, sei Merlau genau der Richtige, da er dieselben Sorten anbaut wie Kunz es früher tat. So muss sich die Kundschaft nicht mit einer neuen Spargelsorte anfreunden. Im Gegensatz zu kleineren Ständen an der Straße bietet der Hof 14 unterschiedliche Sortierungen des Gemüses an. Egal ob groß oder klein, dick oder dünn, Stange oder Kopf – der Hof lässt das Herz jedes Spargelfans höher schlagen.

Selbst Junggesellen kommen im Lindenhof auf ihre Kosten, denn hier gibt es den bereits geschälten „Junggesellen-Spargel“. Aber auch alle anderen Kunden haben seit kurzem die Möglichkeit, sich den Spargel von der Maschine schälen zu lassen und dadurch um die etwas müßige Arbeit herum zu kommen.

Die verschiedenen Sortierungen, die im Angebot sind, haben auch verschiedene Preise, somit ist für jeden etwas dabei. Wer nochmal extra was für das Sparschwein tun möchte, sollte sich montags oder dienstags auf dem Hof blicken lassen, denn dann ist das weiße Gold nochmal 50 Cent günstiger. Dies ist noch auf frühere Zeiten zurückzuführen, als die Dietzenbacher ihr Gemüse traditionell an Freitagen für das Wochenende einkauften und der Verkauf zum Wochenbeginn dadurch etwas schleppend verlief.

Und wer schon einmal da ist, sollte auf keinen Fall das große Angebot im Hofladen außer Acht lassen. Hier gibt es alles, was ein Spargelfan für ein gutes Essen benötigt: passende Weine, Saucen oder auch ein bisschen Spargelwasser als Verdauungsschnaps. Familie Kunz achtet besonders darauf, nur Waren aus der Region beziehungsweise aus Deutschland anzubieten, die auf den Spargelgeschmack abgestimmt sind. Das Ambiente des hofeigenen Ladens ist urig und verweist mit Bildern und Dekorationen auf die langjährige Spargel-Tradition.

Wer über das Familienunternehmen Kunz spricht, darf natürlich auch das Spargelfest nicht vergessen, das seit drei Jahren gefeiert wird. Etwa dreieinhalb tausend Besucher kamen im ersten Jahr, „dieses Jahr sollen es noch mehr werden“, sagt Ute Kunz, die sich schon aufs Wochenende freut. Was das Fest besonders auszeichne, seien neben den vielen Speisen das gemütliche, vertraute Flair, welches sonst nur auf dem Weinfest herrscht, findet sie. Besonders die „echten, alten Dietzenbacher“ schätzten das Fest und ließen sich auch von weniger gutem Wetter nicht abschrecken. Denn sollte sich die Sonne wirklich nicht heraustrauen, so können sie immer noch unter einem großen Zelt Schutz suchen. Hilfe bekommt Familie Kunz von den Wirtsleuten der ehemaligen Licher Pils-Stube, die sich um die Bewirtung kümmern. Neu in diesem Jahr ist ein Gourmet-Zelt, in dem „auf Teufel-komm-raus“ geschlemmt werden könne, so Kunz. Und sowohl am Samstag als auch am Sonntag gibt‘s Musik von Norbert „Bolle“ Keim. Zur Unterhaltung für die kleinen Gäste gibt‘s einen Streichelzoo, der mit Bergziegen, Pferden und dem Kater Carlos für Freude sorgen wird. Die Pforten des Hofes (Oberröder Weg 1) sind an diesem Wochenende, 8. und 9. Mai, jeweils von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Wer sich dann ein paar Stangen des Gemüses mit nach Hause nimmt, kann sich bei Ute Kunz auch gleich nach einem guten Rezept erkundigen – ein Allround-Service, den die Familie seit Jahrzehnten anbietet.

Dazu: Rund um die Stange

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