Kampf gegen die „Daddel-Buden“

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Spielautomaten und Zocker sollen von der Altstadt ins Gewerbegebiet Dietzenbach.

Dietzenbach ‐ Die Stadt macht Dampf im Kampf gegen Spielstätten und Wettbüros in der Altstadt. Zum einen soll in diesem Jahr die erste genehmigte Spielhalle im Gewerbegebiet öffnen. Von Christoph Zöllner

Zum anderen will Bürgermeister Jürgen Rogg die Ansiedlung solcher Vergnügungsstätten mit einem Bebauungsplan regeln.„Die Ansiedlung soll an solche Standorte gelenkt werden, an denen sie von ihren Auswirkungen her verträglich sind“, heißt es in der Magistratsvorlage für die Stadtverordneten. „Gespielt wird immer“, sagte Markus Hockling, Fachbereichsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung, bei einer Pressekonferenz im Exil-Rathaus.

„Aber die Bevölkerung sollte davon nicht gestört werden.“ Anwohner klagen vor allem über Lärm, nachts rauben ihnen laut lachende und mit dem Handy telefonierende Zocker den Schlaf. Denn die Ziele der Glücksritter sind bis zu 23 Stunden täglich geöffnet.

Bei den meisten Spiel- und Wettbüros handelt es sich um zweckentfremdete „erlaubnisfreie Gaststätten“. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Gaststätte darf in einer „erlaubnisfreien“ kein Alkohol ausgeschenkt werden. Doch außer Kaffee- oder Cola-Automaten erinnert oft nur wenig an einen Gastronomiebetrieb, Speisen sind auch selten im Angebot, berichtete Hockling. Stattdessen stehen sechs bis zehn statt der drei erlaubten Spielautomaten in den Räumen. Und mit diesen Geräten wird das große Geld verdient. Rund 2000 Euro werfe ein Automat im Monat ab, schätzen die Experten. Inzwischen ist jede dritte von 90 Gaststätten in Dietzenbach „erlaubnisfrei“; eine einfache Gewerbeanmeldung für 22 Euro genügt.

Kreisweit die meisten Probleme mit Zockerbuden

Bei drei konzertierten Aktionen im November und Dezember haben die Ordnungspolizisten mit ihren Kollegen von der Polizeistation, der Feuerwehr und der Bauaufsicht des Kreises 14 solcher Einrichtungen kontrolliert. Von 82 aufgestellten Spielautomaten seien 43 versiegelt worden, da sie manipuliert waren. Und nur sieben waren angemeldet, also steuerlich erfasst. „Wir haben die Automatenlandschaft gehörig durcheinander gewirbelt“, freute sich der Fachbereichsleiter.

Freilich handelt es sich dabei um einen Kampf gegen Windmühlen, denn Dietzenbach hat kreisweit die meisten Probleme mit den Zockerstuben. „Wir haben es hier so geballt wie in Frankfurt und Offenbach“, so Hockling. Nur selten können die Ordnungshüter eine Schließung erwirken wie in dem Fall, als die Notausgänge zugemauert waren. Der Betreiber habe damit verhindern wollen, dass Besucher die Zeche prellen, erzählte Hockling. Es wurden auch schon Gaststätten geschlossen, da bei der Kontrolle kein Verantwortlicher vor Ort und der Brandschutz nicht gewährleistet gewesen sei. Hinzu kommen Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz und verdeckte Prostitution. Zurzeit laufen 14 Verfahren der Bauaufsicht gegen Eigentümer, Betreiber und Mieter.

Die nächsten Kontrollen stehen bereits fest

Auch die Automatenaufsteller sind im Visier. Laut Hockling gibt es drei große Aufsteller in Dietzenbach. Meist kümmerten sich Familienmitglieder um die Spielstätten, die mitunter eine Art Vorschuss für die Mieten erhielten und am Gewinn beteiligt seien. „Oft stimmen die Namen nicht mit den tatsächlichen Betreibern überein“, sagte Hockling, dessen Kampf nach den Kontrollen weitergeht. Werde ein Aufsteller angezeigt, melde sich sofort ein Rechtsanwalt. Nachkontrollen hätten ergeben, dass Siegel gebrochen wurden, was eine Strafanzeige bei der Polizei zur Folge hatte.

Der typische Spielhöllenbesucher ist Hockling zufolge männlich, 16 bis 45 Jahre alt und habe einen Migrationshintergrund. „Die wenigsten von ihnen arbeiten“, berichtete Hockling. Manchmal ereile der Hilferuf einer Ehefrau das Ordnungsamt. Ihr Mann sei spielsüchtig und verzocke alles…

Der Kampf gegen die lukrativen „Daddel-Buden“, wie sie der hiesige Polizei-Chef Klaus-Peter Daube nannte, wird weiter verstärkt. „Die Termine für die nächsten Kontrollen stehen bereits fest“, sagte Daube. Indes unterstrich Hockling, wie wichtig seriös betriebene Spielhallen im Gewerbegebiet wären: „Nur so kriegen wir die Spieler aus der Altstadt raus.“ Ängste von Bürgern, die Kreisstadt könnte zum Las Vegas des Rhein-Main-Gebiets avancieren, seien folglich unbegründet: „Wir wollen nur reglementieren.“

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