30 JAHRE „FRAUEN HELFEN FRAUEN“ Vorstandsmitglieder sprechen über neue Hürden

Kaum Wohnungen für Gewaltopfer

Auf die Situation von Gewaltopfern aufmerksam machen: Karin Hübner und Kirsten Michler beantworten vor dem Kreishaus gemeinsam mit ihren Kolleginen Fragen.
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Auf die Situation von Gewaltopfern aufmerksam machen: Karin Hübner und Kirsten Michler beantworten vor dem Kreishaus gemeinsam mit ihren Kolleginen Fragen.

Dietzenbach – Gestalkt, geschlagen oder vergewaltigt: Frauen, die Unterstützung durch den Verein „Frauen helfen Frauen Kreis Offenbach“ erhalten, haben häufig tief sitzende Traumata. In den Beratungsstellen des Vereins werden ihnen Wege aufgezeigt, um das Erlebte zu verarbeiten. Die jeweiligen Anlaufstellen haben ihren Sitz im Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach, im Haupthaus in Rodgau-Jügesheim und im Mehrgenerationenhaus Zenja in Langen.

Zudem ist der Verein Träger eines Frauenhauses.

Der Schritt hin zu den Helferinnen, das bestätigen die beiden Vorstandsmitglieder Karin Hübner und Kirsten Michler, kostet die Betroffenen viel Überwindung. Damit ihnen die Entscheidung, sich an eine Frauenberatungsstelle zu wenden, leichter falle, sei es wichtig, das Angebot von „Frauen helfen Frauen“ immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. So etwa auch durch die aktuelle Ausstellung auf der Grünfläche vor dem Kreishaus. Dort hängt derzeit anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Beratungsstelle und des 30-jährigen Bestehens des Vereins eine 200 Meter lange Wimpelkette in drei verschiedenen Farben. „Die dunkelblauen Wimpel stehen für die 4775 Frauen, die seit der Gründung im Jahr 1996 die Frauenberatungsstelle genutzt haben“, erklärt Michler. Das Frauenhaus haben 1806 Frauen seit seiner Öffnung im Jahr 1992 aufgesucht. Zudem waren dort zusammen mit ihren Müttern 1678 Kinder untergebracht. Sie werden derzeit vor dem Kreishaus durch die dunkel- beziehungsweise die hellorangenen Wimpel repräsentiert.

Seit der Verein aktiv ist, habe sich die Situation nicht verändert. „Die Gewalt ist in all den Jahren auf dem gleichen Level geblieben“, sagt Hübner. Und die Dunkelziffer der Taten gegen Frauen sei nach wie vor hoch. Einen negativen Ausreißer bei den Zahlen stelle aktuell die Zeit der Pandemie dar, teilt die Vorstandsvertreterin mit. Darüber hinaus sei bereits in den Jahren vor der Krise der Wohnungsmarkt zu einer Herausforderung geworden. „Wir finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum für unsere Klientinnen“, sagt die Sozialpädagogin. Das Problem habe sich in diesem Jahr noch weiter zugespitzt. Denn: „Momentan bekommen wir überhaupt keine Wohnungsangebote für die Frauen.“ Welche schwerwiegenden Folgen das hat, verdeutlicht Kirsten Michler: „Durch die fehlenden Wohnungen kommt es zu einem Rückstau in den Frauenhäusern.“ Und das sei tatsächlich dramatisch.

So liegt die Hoffnung von Hübner und Michler auf der Istanbuler Konvention. „Sie ist eine gute Chance, dass sich etwas ändert“, sagt Michler. Das Übereinkommen, das neben Deutschland zwölf weitere Mitglieder des Europarates unterzeichnet haben, fordert unter anderem, dass sich die Hilfsangebote verbessern. So sollen etwa in Frauenhäusern mehr Plätze geschaffen werden. „Auch wir würden unsere Kapazitäten gerne erweitern“, sagt Hübner. Derzeit sei der Verein dabei, das Vorhaben voranzutreiben. Der politische Wille für den Ausbau sei auch vorhanden. Aber solch ein Projekt brauche natürlich seine Zeit.

Neben dem Ausbau des Frauenhauses bedeute die Umsetzung der Istanbuler Konvention im Kreis Offenbach jedoch auch, dass in den kommenden Jahren Plätze für Frauen mit Behinderungen sowie Mütter mit älteren Söhnen geschaffen werden müssten. „Diese werden aktuell nicht aufgenommen“, teilt Karin Hübner mit.

Von Anna Scholze

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