Aus für Kennzeichen der kulturellen Vielfalt

Dietzenbach - Er sollte von Anfang an mehr sein als ein blubbernder Wasserspeier. An den ursprünglich für das Rathaus-Center geplanten orientalischen Brunnen waren teils große Erwartungen geknüpft. Von Barbara Scholze

Der Quell im türkisch-arabischen Baustil sollte ein Ort der Begegnung sein und Identifikationssymbol für die nicht-deutschstämmigen Bürger der Stadt. „Wir sind tief enttäuscht“, kommentiert Aykan Aydin vom türkischen Moscheeverein nun die Situation, dass das Bauwerk auch mehr als ein Jahr nach Eröffnung des Centers noch nicht steht und neusten Entwicklungen nach gar nicht gebaut werden soll. Es gebe in der Stadt nicht viele Identifikationsmöglichkeiten für die Mitbürger, die aus der Türkei oder Marokko stammten, moniert Aydin. „Der Brunnen hätte uns gut getan und gezeigt, dass die Bevölkerung aneinander denkt“, sagt der Moscheevertreter.

Bereits im Jahr 2002 hatte das damalige Bunte Bündnis (SPD, Grüne, FDP und DL) per Parlamentsbeschluss festgeklopft, mit dem Brunnen im Center „ein positives Kennzeichen der kulturellen Vielfalt Dietzenbachs“ zu setzen. Indes ließ Bauherr und Investor Albert Ten Brinke sämtliche Fristen verstreichen, bis jetzt ein Eilantrag des bürgerlichen Lagers dem Brunnen endgültig den Garaus zu machen scheint. CDU und FWG wollen Ten Brinke gegen eine Zahlung von 50 000 Euro die Pflicht zum Brunnenbau erlassen, im Bauausschuss stimmten die Mitglieder bis auf die SPD für diese Idee. Wenig Zustimmung fand dagegen ein Kompromissvorschlag von Artus Rosenbusch (FDP), der sich einen Ersatz-Brunnen beim Bauvorhaben für Tegut und Lidl am Masayaplatz vorstellen könnte. „Wir haben eine hohe Migrationsrate und sollten Schulterschluss demonstrieren“, sagte er. Für Bürgermeister Stephan Gieseler ist das keine Alternative. „Dort sind andere Publikumsbewegungen“, wandte er ein und empfahl, die 50 000 Euro anzunehmen, zumal es zwischenzeitlich so mit Ten Brinke besprochen sei. Das Geld annehmen möchte auch Günther Weller (FWG), der die Pflicht zum Brunnenbau darüber hinaus als erledigt ansieht: „Der Brunnen auf dem Europaplatz vor dem Center wird als internationaler Treffpunkt von vielen Menschen genutzt und ist der wirkliche orientalische Brunnen.“

Wenig erfreut über den Geldsegen durch die Ablösesumme zeigte sich dagegen Ulrike Alex (SPD). „Die Summe ist viel zu gering, für 50 000 Euro kann man wohl kaum einen Brunnen bauen“, vermutete sie. Überhaupt fehle es in der Stadt allerorten an Wasser. „Wir haben kaum Brunnen und wenn, dann sind sie still gelegt wie der Stadtbrunnen“, sagte Alex.

Auch Nassif Khalil (DL) kann sich mit dem Gedanken „Geld statt Brunnen“ nicht recht anfreunden. „Wir sollten nicht Geld nehmen, ohne darüber nachzudenken, was uns entgeht“, mahnt er. Dem Center hätte das Bauwerk gut getan. „Es ist ein Haus ohne Seele geworden“, griff er einen Gedanken des Ausländerbeiratsvorsitzenden Nikola Pengacevic auf.

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