Sternsinger in Dietzenbach unterwegs

Königlicher Besuch im Rathaus

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Erster Stadtrat Dieter Lang (rechts) überreicht Pfarrer Stefan Barton eine Spende für die diesjährige Sternsinger-Aktion. Die Kinder und Jugendlichen sind von Freitag bis Sonntag in rund 150 Dietzenbacher Haushalten unterwegs gewesen. Ebenfalls mit dabei: der Gemeindereferent Matthias Hassemer.

Dietzenbach - Es ist weltweit die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Auch in der Kreisstadt waren in den vergangenen Tagen wieder die Sternsinger unterwegs. Von Christian Wachter 

Um Geld zu sammeln für Gleichaltrige, die oft hart arbeiten müssen und nur zu gerne die Schulbank drücken würden. Kaum haben die Könige die Straße überquert, hupt auch schon ein Autofahrer, hält an und kurbelt das Fenster herunter. Nicht allerdings, um mit einer Rüge darauf aufmerksam zu machen, dass man sich auch in hoheitlichen Gewändern an die Straßenverkehrsordnung zu halten habe. Aber dafür hätte es ja auch keinen Anlass gegeben. Nein, der Mann streckt einen Geldschein aus dem Fenster, wartet, bis er einen neuen Besitzer gefunden hat, und fährt dann weiter. Dass die Sternsinger auch auf der Straße angesprochen werden, ist ganz nach dem Geschmack von St.-Martin-Gemeinde-Pfarrer Stefan Barton, der an diesem Tag eine der Sternsingergruppen begleitet. Schließlich gehe es darum, die Botschaft unter die Leute zu bringen, „dass Gott sich uns zuwendet, unser Bruder wird, der unsere menschliche Existenz teilt“. Natürlich, fügt er hinzu, solle am Ende aber auch etwas dabei herumkommen.

Bevor sie sich in verschiedenen Gruppen auf den Weg an die Türen der Kreisstadt machten, statten die Sternsinger dem Rathaus einen Besuch ab.

„Was glaubt ihr wohl, wie viele Menschen hier arbeiten“, fragt Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD). Die jungen Gäste schätzen: „Zwischen 1000 und 2000“ vermutet der eine, „500 bis 600“ ein anderer. Lang klärt auf. „Hier sind es 150 und insgesamt gibt es 500 städtische Mitarbeiter, wir sind froh, dass ihr uns alle segnet.“

Der Inhalt des Umschlags, den Lang Barton überreicht, nachdem die Besucher „Stern über Bethlehem“ und „Seht ihr unsern Stern dort stehen“ gesungen haben, kommt wie die alle anderen Spenden der diesjährigen Aktion zugute. „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“ lautet deren Leitwort. „Viele Kinder auf der Welt müssen für den Lebensunterhalt der Familie arbeiten und bleiben dabei auf der Strecke, weil sie nicht zur Schule gehen können“, erzählt Barton. „Sie von ihrer Arbeit zu befreien, dafür stehen die Kinder hier mit ihrer großen Botschaft.“

Bevor die Könige wieder aufbrechen, gibt es natürlich noch den Segen für die Rathaustür – 20*C+M+B*18, kurz für „Christus mansionem benedicat“, was Christus segne dieses Haus bedeutet. Auf die modernen Türen, auf denen der Spruch auf die lange bewährte Weise kaum bis zum nächsten Jahr halten würde, ist man bestens eingestellt. Statt Kreide kommt erst mal ein Aufkleber zum Einsatz.

Danach steuert Pfarrer Barton zusammen mit Sophie, Alexandra, Anton und Lukas eine der rund 150 Dietzenbacher Türen an, zu denen die Sternsinger seit Freitag unterwegs sind. Es ist das DRK-Seniorenzentrum am Hessentagspark. Dort haben sich die Bewohner schon im Aufenthaltsraum versammelt und sind durchaus angetan davon, dass Pfarrer Barton nach dem gemeinschaftlichem Gesang auch eine Strophe solo übernimmt. Es sei auch schon vorgekommen, dass er samt Stern alleine losgezogen ist, wenn Menschen vergessen hatten, die Sternsinger zu bestellen, und die wegen der Schule schon wieder anderweitig verpflichtet waren. „Da breche ich mir keinen Zacken aus der Krone“, sagt er, und schmunzelt gleich darauf über das unbeabsichtigte Wortspiel.

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Die Kinder und Jugendlichen können aber auch sonst auf Erfahrung bauen. Alexandra etwa ist schon zum siebten Mal dabei. „Ich mache das für die Kinder, außerdem ist das Motto wunderschön“, meint sie. Auch der achtjährige Anton findet es gut, dass Geld für Kinder gesammelt wird. „Und dann macht es ja auch noch Spaß, sich zu verkleiden“, fügt sein neunjähriger Sternsingerkollege Lukas hinzu. Das werde auch manchmal falsch interpretiert, ist von der Gruppe zu vernehmen. Manche dächten doch tatsächlich, sie seien im Auftrag der Fastnacht unterwegs.

Smartphones brauchen sie indes nicht, um die nächste Adresse zu finden. Ein Blick auf den Stadtplan reicht, um die Tür einer älteren Dame anzusteuern, die dann auch gerne etwas ins Kässchen legt. Schon häufig habe sie im Fernsehen mitbekommen, unter was für Umständen Kinder in anderen Teilen der Welt arbeiten müssen. „Manchmal“, sagt sie, „wissen wir gar nicht, wie gut es uns eigentlich geht“.

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