„Kino D“ im Bürgerhaus

Anspruchsvolle Streifen beliebt

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Kinomacher, die wissen, was ihre Zuschauer wollen: Darina Blahova und Christoph Zens-Petzinger tüfteln das Programm aus.

Dietzenbach -  Wer ins Kino geht, erlebt dort eine andere Welt. Der Siegeszug der Lichtspielhäuser reicht in eine Zeit zurück, als es noch kein Fernsehen, geschweige denn Internet gab. Von Katharina Hempel 

In einer kleinen Serie beleuchten wir die Geschichte des Kinos in Dietzenbach und dessen Perspektiven. Im dritten Teil geht es um die Gegenwart des „Kino D“. Der laute Filmprojektor rumpelt nicht mehr in seiner Holzkiste im Plenarsaal. Anfang der 1980er Jahre wird der Kinobetrieb im Rathaus wegen technischer Pannen und anderer Unregelmäßigkeiten eingestellt. Das „Kino D“ aber bleibt erhalten: Es zieht ins Bürgerhaus. Seitdem hat es dort und im Kulturkalender seine feste Bleibe gefunden. Die Stadtmarketing-Agentur betreibt es.

Zur Premiere im Januar 1989 amüsiert sich das Publikum über „Asterix bei den Briten“ und erfährt mit dem „Schrei nach Freiheit“ mehr über die Folgen der Apartheid-Politik. Der Film basiert auf einem Sachbuch. Heute laufen Literaturverfilmungen am besten. Das haben Christoph Zens-Petinger, Chef der Stadtmarketing-Agentur, und seine Mitarbeiterin Darina Blahova festgestellt. Anspruchsvolle Filme, die gut gemacht sind, sind bei den Dietzenbachern beliebt. Auch Biografien wie die von Edith Piaf oder Coco Chanel. Bei der Filmauswahl legen die Kinomacher Wert auf Qualität, Statistik, und dass der Film ein Publikum hat. „Aber allzu speziell darf es nicht sein“, schränkt Blahova ein, „wir sind kein Programmkino.“

Kino nach Wunsch

Auch Kino nach Wunsch gibt es: Geburtstagskinder haben die Möglichkeit, das Kino zu mieten, sich einen Film samt Bewirtung auszusuchen. „Dieses Angebot läuft sehr gut“, berichtet Blahova. „Wir kooperieren jetzt zum Beispiel mit Verdi, zeigen einen Film zum Thema Globalisierung. Verdi-Mitglieder bekommen vergünstigten Eintritt“, zählt Zens-Petzinger ein weiteres Beispiel auf. Seine Kollegin fügt hinzu: „Wir können uns viele Sachen ausdenken, an Ideen mangelt es uns auch nicht. Aber unser Angebot muss auch vom Publikum angenommen werden. Der Impuls muss von außen kommen.“

Das „Kino D“-Durchschnittspublikum ist 40 Jahre und älter. „Unsere Hauptzuschauer sind häufig nicht mehr so mobil oder haben keine Lust, bis nach Offenbach oder Frankfurt ins Kino zu fahren, und sie müssen einen Film nicht zwangsläufig am Erscheinungstag gesehen haben“, erzählt die Programmmacherin. Sie fügt hinzu: „Ins Open-Air-Kino gehen auch jüngere Leute.“ Das Freiluftkino erblickt zu Beginn der 1990er Jahre das Licht des Sternenhimmels. „Damals projizierten wir die Filme noch auf eine Wand am Toom-Markt, wo heute das Fachmarktzentrum steht. Aber in den Anfangsjahren fand das nicht jeden Sommer statt“, sagt Zens-Petzinger.

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

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Mittlerweile zieht das „Kino unter Sternen“ jeden Sommer seinen Fankreis auf die Wiese im Waldschwimmbad. Die Atmosphäre lockt sogar Besucher aus Hanau an. Selbst vor Regen schrecken hartgesottene Kinogänger nicht zurück. „Sogar dann schauen sich regelmäßig 40 bis 50 Zuschauer die Filme an. Die bringen dann mehr Decken mit, vielleicht auch Glühwein. Das ist fast schon eine eingeschworene Gemeinschaft. Man kennt sich“, erzählt Zens-Petzinger. „Danach springen die Leute auch nicht sofort auf und rennen raus, sondern bleiben noch sitzen, schwatzen.“ Im Sommer wird das Freiluftkino wieder seine Pforten öffnen. Trotz Digitalisierungstrend. „2014 gibt es noch genügend Analog-Kopien, da wird sich nichts ändern“, verspricht Blahova. Und danach? Ob das Thema Kino in Dietzenbach eine weitere Fortsetzung erleben wird, wird sich bald zeigen.

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