„Kisten Haas“

Große Kisten für schwere Maschinen

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Logistikchef Thomas Tuska und Projektleiter Marcus Wanka begutachten eine Kiste, in der eine 35 Tonnen schwere Wickelmaschine verstaut ist. Vor der 13 Meter breiten und 2,30 Meter hohen Holzkiste wirken die Beiden fast etwas verloren.

Dietzenbach - 150 Jahre ist es her, dass August Haas an der Taunusstraße in Offenbach das Unternehmen „Kisten Haas“ gegründet hat. Zusammen mit acht Mitarbeitern spezialisierte er sich 1865 auf den Bau von Kisten sowie Fässern für Montage- und Kleinteile. Von Ronny Paul 

Der Umzug nach Dietzenbach erfolgte 1973. Heute sind 55 Mitarbeiter bei Kisten Haas an der Robert-Bosch-Straße im Gewerbegebiet-Nord beschäftigt, und das Unternehmen agiert weltweit. „Bei vielen Aufträgen müssen wir ad hoc reagieren und können bei Bedarf unser Personal durch Subunternehmer verdoppeln“, erläutert Logistik-Leiter Thomas Tuska. Das Unternehmen leitet, mittlerweile in der vierten Generation, Tibor Szekelyi, der nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann zunächst zusammen mit Vater Laszlo Szekelyi die Geschäfte führte und seit 1988 die Firma alleine leitet.

„Sondermaschinenbauer sind unsere größten Kunden“, sagt Tuska. Die Installation sowie Deinstallation von Maschinenparks, deren Verpackung und Transport übernimmt das Unternehmen. „Wir verpacken alles, was von der Norm abweicht und sperrig, groß und schwer ist“, sagt Marcus Wanka, einer der Projektleiter bei Kisten Haas. Bis zu 45 Tonnen schwere Maschinen kann das Unternehmen am Standort handeln. Dafür sind Kräne und Gabelstapler vor Ort, die Schwerlasten dieser Größenordnung manövrieren können. „Bei Bedarf bieten wir einen Tür-zu-Tür-Service. So hat der Kunde von A bis Z den gleichen Ansprechpartner“, erläutert Tuska die Firmenphilosophie.

Holz als Basiswerkstoff

Holz ist dabei Basiswerkstoff bei Kisten Haas, jedoch arbeitet das Unternehmen auch mit anderen Verpackungsmaterialien und Konstruktionen, um die teils schweren und auch teuren Produkte der Kunden sicher und unversehrt an den jeweiligen Bestimmungsort zu transportieren. Bei Land-, Luft- und Seeverpackungen zählt das Unternehmen zu den Marktführern. „In unserer Branche gehören wir zu den Top-Drei-Unternehmen in Deutschland“, sagt Tuska. „60 Prozent fallen momentan auf das Liefergeschäft und 40 Prozent auf die Verpackungsbranche“, berichtet der Logistikleiter, weist aber auch gleichzeitig darauf hin, dass die Zahlen je nach Auftragslage sehr stark schwankten.

Logistikchef Thomas Tuska (links) und Projektleiter Marcus Wanka

Einen Auftrag von A bis Z schildert Wanka wie folgt: Ein Kunde ruft an, möchte eine große und schwere Maschine verpacken und in ein Empfängerland liefern. Ein Kisten-Haas-Mitarbeiter fährt zum Kunden, bespricht den Auftrag persönlich vor Ort und nimmt Aufmaß der Maschine. Dann fertigt das Unternehmen speziell für das Produkt eine Kiste mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen. „Das Gewicht einer Maschine ist oft nicht gleichmäßig verteilt. Da gilt es, Schwerpunkte zu beachten und diese mit entsprechenden Konstruktionen – beispielsweise mit Stahltraversen – zu sichern“, erklärt Wanka. Dem Kunden wird ein individuelles Angebot unterbreitet. Anschließend fahren Mitarbeiter mit einem speziellen Fuhrpark zum Kunden und verpacken die Maschine vor Ort. „Hier endet teilweise unser Auftrag schon“, so Tuska: „Optional kümmern wir uns aber auch um die Lieferung, per Schwertransport, Luft- oder Seefracht.“

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Dass das Unternehmen einmal so florieren und wie 2014 acht Millionen Euro Umsatz einfahren würde, daran hätten die Brüder Heinrich, Wilhelm und Philipp Haas – die zweite geschäftsführende Generation – wohl nicht im Traum gedacht, als das Firmengebäude 1943 während des Zweiten Weltkriegs noch am Standort Offenbach komplett ausgebombt wurde. Die Produktion wurde zunächst im Freien weitergeführt. Aber da kein Geschäftsführer Mitglied in der NSDAP gewesen war, erteilte die Militärregierung 1949 Kisten Haas als erster Offenbacher Firma eine Produktionsgenehmigung – und die Erfolgsgeschichte der anfangs kleinen Schreinerei ging weiter.

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