Imbiss im Waldschwimmbad

Kleine und große VIP-Gäste

+
Ishak (links) und Rayme Yumuk begrüßen in ihrem „Imbissparadies“ nicht nur Schwimmbadbesucher. Manche Gäste aus dem Umkreis wollen gar nicht ins Wasser, sondern kommen nur wegen des Essens: internationale Speisen und deutsche Kost.

Dietzenbach - Gemeinsam mit ihrem Mann und der Tochter besitzt Rayme Yumuk das „Imbissparadies“ im Waldschwimmbad. Ihre Kochkunst hat sie in Luxushotels gelernt. Mittlerweile betreibt die Gastronomin vier Schulkantinen und eine Reinigungsfirma. Von Tamara Schempp 

Ein durchnässtes und hungriges Kind, das rote Paprika in einer Essig-Kräuter-Ölivenöl-Marinade bestellt. Es gibt kaum etwas, das Elpida Dimitriadou mehr freut, wenn sie hinter der Theke des „Imbissparadies“ im Waldschwimmbad steht. „Sonst essen die Kinder immer nur Pommes, Pommes, Pommes“, berichtet die gebürtige Griechin lachend. Dimitriadou unterstützt die beiden Imbiss-Besitzer Rayme und Ishak Yumuk regelmäßig bei der Zubereitung der Speisen und im Verkauf. Pikanter Schafskäse, Tsatsiki und gefüllte Weinblätter, allesamt Nationalspeisen aus Dimitriadous Heimat, stehen neben türkischer Pizza und Börek auf der Speisekarte am Fenster. „Hier leben Griechen und Türken friedlich zusammen“, sagt Rayme Yumuk lachend. Ihre Aushilfe kenne sie schon seit 20 Jahren, erzählt die selbstständige Gastronomin. „Das ist enger als eigene Verwandtschaft.“

Wer den Imbiss neben dem Kinderplanschbecken besucht, merkt schnell: Familienzusammenhalt ist Teil des Geschäftsmodells. Auch Dimitriadous Mann sowie Yumuks Tochter Betül und der Schwiegersohn helfen, wo sie nur können. Die 25-jährige Betül nimmt ihrer Mutter neben dem Modemanagement-Studium unliebsame Arbeiten ab, zum Beispiel die Gewinnermittlung. „Buchhaltung habe ich schon immer gehasst“, gibt die Unternehmerin zu.

Um die Mittagszeit – vor und nach ihren Besuchen im Imbiss – fährt Yumuk zum täglichen Rundgang in eine der vier Schulkantinen im Kreis, die sie als private Betreiberin übernommen hat: die der Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach, der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich, der Dreieichschule in Langen und der Bachschule in Offenbach. Zusätzlich besitzt die Unternehmerin seit Mai eine Reinigungsfirma in Langen. „Manchmal verliere ich da selbst den Überblick“, sagt Yumuk lachend.

Ihre Ausbildung zur Köchin hat die „um die 40-Jährige“ in den Luxus-Hotels Hilton in Frankfurt und Sheraton in Offenbach absolviert. Dort überzeugte sie durch Kreativität beim Kochen für VIP-Gäste, erzählt sie. Die Köchin verrät ein paar Vorlieben ihrer Gourmets: Scheiche aus Saudi-Arabien essen gerne Fleisch mit Bulgur-Reis oder Falafel. Die Sheraton-Hotelgruppe wolle sie wieder für eine Stelle in der Küche gewinnen, so auch für das Konferenz-Hotel am Flughafen, sagt Yumuk. Wenn sie ihr Geschäft nicht hätte, würde sie das Angebot annehmen. „Aber wenn du 21 Jahre selbstständig warst und wieder als Angestellte arbeiten sollst – das ist irgendwie schwierig.“

Mit der Arbeit im Waldschwimmbad ist sie rundum zufrieden, versichert sie. Für dessen Leiterin Susanne Hohmann hat Yumuk viel Lob parat: „Ich bin froh, dass das Schwimmbad eine so verantwortungsvolle Dame führt.“ Auch Bürgermeister Jürgen Rogg vergewissere sich regelmäßig, ob es den Besuchern aus dem ganzen Umkreis an nichts fehlt.

Open-Air-Kino am Schwimmbad

Manche Gäste besuchten das Schwimmbad nur, um bei ihr zu essen, erzählt die Imbiss-Besitzerin. Es seien „gehobenere Leute“, viele aus Neu-Isenburg, Offenbach oder Rüsselsheim. Auch hätten sich Imbiss--Betreiber aus anderen Städten bereits einige ihrer Rezepte geben lassen, sagt Yumuk. „Türkische Pizza, Couscous und unser Salat sind der Renner.“

Bei den After-Work-Partys, mittwochs und freitags, schenkt sie an der Beach-Bar Getränke aus. Am häufigsten bestellt: alkoholfreier Piña Colada und Mai Tai. „Manche sagen uns: Wir konnten dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren. Aber hier gibt es dasselbe Feeling“, erzählt ihr Mann Ishak. Der gelernte Bäcker kümmert sich um den Ein- und Verkauf. Ab kommendem Sommer verkauft das Ehepaar selbst gemachten Ayran. Dafür lassen die Yumuks derzeit eine Maschine produzieren.

Die Arbeit im Schwimmbad ist ein Saisongeschäft. Ab September kehrt Rayme Yumuk zurück in die Schulkantinen. Dort kocht sie am liebsten ihr Leibgericht: Spaghetti. Bolognese, Carbonara, Aglio E Olio. 300 Portionen auf einmal. „Die koche ich mit einer Extraportion Liebe!“, versichert Yumuk. Es müssen eben nicht immer große VIP-Gäste sein.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare