Kleine Hilfen bewirken viel

Kirsten Wolf und ihr Team entwickeln Dietzenbachs Konzept der Seniorenarbeit weiter

Seit mehr als einem Jahr ist Kirsten Wolf bei der Seniorenarbeit der Stadt.
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Seit mehr als einem Jahr ist Kirsten Wolf bei der Seniorenarbeit der Stadt.

„Die Änderung macht die ganze Sache für alle Beteiligten tatsächlich viel einfacher.“ Kirsten Wolf von der Abteilung Seniorenarbeit der Stadt freut sich über eine Mitteilung aus dem Hessischen Sozialministerium. Danach wird die Verordnung zur Pflegeunterstützung coronabedingt bis zum Jahresende angepasst und Nachbarschaftshilfe belohnt.

Dietzenbach – So können die 125 Euro pro Monat, mit denen die Pflegekassen bereits seit längerem Betreuungsleistungen unterstützen, nun auch für ehrenamtliche Dienstleistungen im Rahmen der Alltagsarbeit eingesetzt werden. Wenn ein Nachbar oder Bekannter für hilfsbedürftige Senioren einkaufen geht, Wäsche aus der Reinigung holt oder etwas in der Apotheke besorgt, kann er seine Leistung geltend machen. Vorläufig zumindest bis Ende Dezember.

Abrechnen können nach wie vor professionelle Dienstleister. Der Papierkrieg ist bewusst klein gehalten, es genügt, wenn die unterstützte Person die Rechnungen sammelt und bei der Pflegekasse vorlegt. Wolf weist aber darauf hin: „Die Helfer dürfen nicht mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert sein oder in einem gemeinsamen Haushalt leben.“

Indes denkt die tatkräftige Seniorenberaterin mit ihrem Team schon weit über dieses Angebot hinaus. Sie betont: „Die Anzahl der hilfs- und pflegebedürftigen Menschen nimmt auch in Dietzenbach ständig zu, wir werden uns als Stadt anders aufstellen müssen.“ Also niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsleistungen ausbauen, Lebensqualität bieten, den Menschen eine lange Zeit im eigenen Zuhause ermöglichen und Ältere am sozialen Leben teilnehmen lassen.

Entsprechend hat die Seniorenarbeit ein Konzept mit vier Schwerpunkten entwickelt. Dabei steht ein sogenannter Helferkreis im Mittelpunkt, der ältere Bürger, die nicht mobil sind oder einen höheren Betreuungsbedarf haben, in ihrem Zuhause besuchen und sie im Alltag unterstützen. „Das kann ein Gespräch sein, ein Spaziergang, die Begleitung zum Arzt, ein Einkauf, aber auch die Erledigung von Korrespondenz“, sagt Wolf. Seien es doch die kleinen Hilfen, die es ermöglichen, im Zuhause zu bleiben. „In der Praxis ist es schon viel, wenn nur jemand da ist, der mit einkaufen geht.“

Weitere Bausteine des Programms sind eine Sportgruppe namens „moment!“ für Bewegungseingeschränkte und ein regelmäßiger Treffpunkt für pflegende Angehörige, um sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Außerdem ist eine Betreuungsgruppe geplant, in der Senioren mit einem Pflegegrad oder erhöhtem Betreuungsbedarf für ein paar Stunden zusammenkommen und so die Angehörigen entlastet werden.

Eine gute Mischung der Beteiligten, also die enge Zusammenarbeit von professionellen Helfern und Ehrenamtlichen soll die Qualität des gesamten Konzeptes garantieren. „Einbezogen sind bisher unter anderem Fachkräfte aus Hauswirtschaft, Alten- und Krankenpflege“, sagt Wolf, die über einen Bachelor in Pflege- und Casemanagement verfügt. Ebenso gemeldet haben sich bereits 16 ehrenamtliche Helfer, die ab September in einem Qualifizierungskurs geschult werden. „Teilnehmen können Frauen und Männer aller Kultur- und Altersgruppen“, betont Wolf. Insgesamt umfasst die Helfer-Ausbildung 40 Stunden mit einem Basiswissen zu Themen wie Krankheit oder Behinderung, Notfallmaßnahmen, Kommunikation, Hygiene und Methoden der Betreuung und Begleitung. Darüber hinaus ist eine tragfähige und moderne Organisation im Aufbau, mit digitalen Programmen und eventuell einer App.

Eine Entschädigung der Unterstützer wird auf Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale abgerechnet. „Dabei wird sicher keiner reich“, stellt Wolf fest. „Aber wir schaffen eine Leistung, die aus der Stadt kommt und in der Stadt bleibt, das ist großartig.“ (Von Barbara Scholze)

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