Kleiner, aber mit viel Charme

„Fest ohne Grenzen“: Kritische Töne gegen Stadt 

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Tänze bereicherten das Bühnenprogramm beim Fest ohne Grenzen im Hessentagspark.

Dietzenbach - Das „Fest ohne Grenzen“ gehört seit vier Jahrzehnten unwiderruflich in den Dietzenbacher Veranstaltungskalender. Dieses Jahr allerdings in etwas kleinerer Ausführung. Von Burghard Wittekopf 

„Dietzenbach ist multikulturell, international – Dietzenbach ist hip.“ Mit diesen Worten begrüßte Erster Stadtrat Dieter Lang die Gäste zum „Fest ohne Grenzen“ im Hessentagspark. Seit vier Jahrzehnten dient das Fest der Völkerverständigung. Menschen jeder Nation treffen sich dort, essen, singen und tanzen gemeinsam.

Dieses Jahr stand das Fest allerdings unter keinem guten Stern, denn der Termin war wohl unglücklich gewählt. Bereits im Vorfeld zeichnete sich eine geringe Beteiligung ab und die Zahl der Vereine, die sich angemeldet haben, lag hinter den üblichen Anmeldungen zurück. „Es gab keine wirkliche Alternative“, sagte Cengiz Hendek, Vorsitzender des Ausländerbeirats. „Ramadan ist erst kurz zu Ende, letzten Sonntag spielte die deutsche Nationalmannschaft, die Ferien haben begonnen und nach den Ferien kommen weitere Feste wie das Weinfest.“

Viele Gäste waren bereits in die Ferien abgereist, viele Vereine hatten nicht genug freiwillige Helfer gefunden. Auch die Bühne war deutlich kleiner als sonst. „Um 12 Uhr dachte ich, dass das Fest nichts wird, denn es waren nur wenige Gäste hier“, sagte Dietmar Kolmer, Vorsitzender des Freundeskreises Kostjukovitschi.

Deutliche Worte, an die Stadtverwaltung gerichtet, fand Ismet Küpelikilinc. „In Dietzenbach gehen alle Feste kaputt.“ Auch Helga Giardino, stellvertretende Vorsitzende des Ausländerbeirats, äußerte sich kritisch. „Die Stadt hat uns nicht geholfen. Der Ausländerbeirat hat das Fest sozusagen selbst organisiert.“

Der Erste Stadtrat, der gleichzeitig moderierte, nahm die Kritik zur Kenntnis: „Der Termin ist unglücklich, dass wussten wir. Aber es gab keine Alternativen.“ Dass die Stadt sich nicht beteilige, wollte er allerdings nicht so stehen lassen „Die Stadt Dietzenbach ist mit ihrem Veranstaltungs- und Sicherheitspersonal heute sehr gut vertreten.“ Er sagte weiter, dass die Stadtverwaltung die Bühne stelle und versprach: „Nächstes Jahr werden wir das Fest sicher in gewohnter Größe auf die Beine stellen.“ Hendek betonte: „Ja, es ist dieses Mal ein kleines Fest, aber ich finde, es hat trotzdem seinen Charme.“

Mit Beginn des Bühnenprogramms füllte sich der Festplatz zusehends. Mit der steigenden Zahl der Gäste hellte sich auch die Stimmung unter den Vereinen auf. Raja Noman vom Pakistanisch-Deutschen Kulturverein war mit dem Fest sehr zufrieden. „Am Anfang war nicht viel los, aber jetzt haben wir fast alles verkauft und wir haben uns gut unterhalten.“ Wolfgang Altenburg, Vorsitzender des Seniorenbeirats, zeigte sich begeistert: „Wir haben bereits unseren gesamten Kuchen verkauft und viele Gespräche geführt.“ Yasar Mermer, Vorsitzender des Alevitischen Kulturzentrums Rodgau, war weniger angetan: „Es ist ein tolles Fest, aber dieses Jahr war es sehr schwer hierher zu kommen.“ Viele Mitglieder seien bereits in den Ferien. Verkauft habe man gut, aber leider weniger als in den vergangenen Jahren. „Es sind halt weniger Gäste hier.“

Bilder: Kerb in Dietzenbach

Das Fest bot für jeden etwas. Vor allem kulinarische Köstlichkeiten wie pakistanische Pakora und Samosa, serbische Cevapcici, türkische Spezialitäten, Kuchen und vieles mehr. An den Ständen boten Vereine Informationen an und stellten ihre Arbeit vor. Kinderschminken und ein Henna-Stand rundeten das Programm ab.

Das Bühnenprogramm stand ganz im Sinne des „Miteinander Zusammenlebens“ und bot einen Mix aus Musik und Tanz der Kulturkreise. Den Anfang machte das Projekt Grenzenlos aus Dreieich. Es bietet Flüchtlingen die Möglichkeit, Instrumente zu erlernen, zusammen zu musizieren und die Musik aus den Herkunftsländern kennenzulernen. Orientalische Bauchtänze in bunten Gewändern und bulgarische Tänze in traditionellen Trachten animierten manchen Besucher mitzutanzen. Die Linedance-Gruppe der SG tanzte zu Country-Klängen. Aura, Grethel, Niklas und Martin vom Dietzenbach-Masaya-Projekt „Weltwärts“ zeigten traditionelle Marimba-Tänze. Die erst zwölfjährige Sängerin Chaymaa von der der Ernst-Reuter-Schule ging alleine auf die Bühne, sang und erntete viel Applaus. Den Abschluss machte die Gruppe Prosechós.

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