Ein kleines bisschen Sicherheit…

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Auch das Alte Rathaus steht auf einer Prüfliste, die die Stadtverordneten im Rahmen der Haushaltskonsolidierung in Auftrag gegeben hatten. Sollte die städtische Immobilie verkauft werden, müssten sich die darin untergebrachten Vereine vermutlich anderweitig umsehen.

Dietzenbach ‐ Ein großer Bastel- und ein Spielraum für die Kinder, ein Büro und eine Küche, etwa zum Plätzchenbacken oder für vereinsinterne Feiern – das ist das Reich des Vereins für Sport und Gesundheit (VSG) an der Babenhäuser Straße, und zwar seit nunmehr 25 Jahren. Von Nina Beck

Rund 300 Mitglieder zählt der VSG laut Vorsitzender Helga Stappelton, davon allein 85 Kinder und Jugendliche und „sehr viele Migranten“. Von der Prüfliste der Verwaltung, die diese nach dem Gesichtspunkt erstellt hat, welche städtischen Liegenschaften die größten Verluste einfahren, die höchsten laufenden Betriebs- und Personalkosten oder auch den höchsten Investitionsstau aufweisen, hat Stappelton gehört. Wie berichtet, steht unter anderem auch das Wohnhaus an der Babenhäuser Straße darauf. Mit dem Verein selbst habe aber bislang niemand gesprochen, sagt Stappelton. Über Miete könne man jederzeit reden, doch „es wäre schlimm, wenn sie uns das wegnehmen würden“.

Ebenfalls im Unklaren über ihre Zukunft sind, wie berichtet, die jungen Erwachsenen des Clubs 33. „Wir haben gehört, dass das Alte Rathaus verkauft werden soll“, hatte Ramazan Virit unlängst gesagt, und Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) auf Anfrage bestätigt, dass es Interessenten für das Alte Rathaus gebe. Neben dem Club 33 nutzen derzeit unter anderen auch der Handharmonika-Club Ahoi, der Verein für internationale Beziehungen, der Mieterverein Dreieich, die Vhs, die Musikschule, die Pro Arbeit und auch die Seniorenhilfe (SHD) dessen Räume. Letztere seit gut acht Jahren mit dem Internet-Café und einem gemütlich eingerichteten Bistro im Erdgeschoss. Laut SHD-Vorstandsmitglied Theo Weber, der gemeinsam mit Eugen Eppinger das Internet-Café betreibt, gibt es Pläne, wonach dieses Angebot künftig ins Bildungshaus integriert werden könnte. Abschließend sei aber noch nichts geklärt.

Dass alle städtischen Gebäude, darunter das Wirtshaus „Zur Linde“, das Göpfert-Haus, aber auch die Sportstätten aufgrund der Finanzmisere auf dem Prüfstand stehen, „wissen die Vereine“, sagt die städtische Vereinsbeauftragte Karin Winkler-Deneberger. In punkto Sportvereine habe sich bereits eine AG gegründet, gab es erste Gespräche von Vereinsvertretern und Mitarbeitern der Stadt, die aber noch weitergeführt werden müssen. Wie bereits berichtet, gibt es Überlegungen, wonach die Vereine künftig gemeinsam etwa das Waldstadion betreiben könnten.

Freizeit- oder auch kulturelle Vereine, die Räume in städtischen Gebäuden mieten, müssten gegebenenfalls „damit leben“ und sich „frühzeitig anderweitig umgucken“, sollte tatsächlich ein Gebäude verkauft werden, so Winkler-Deneberger. „So, wie etwa damals, als das Gebäude an der Friedensstraße abgerissen wurde.“ Von Bürgermeister Jürgen Rogg war gestern keine Stellungnahme erhältlich.

Seinem Vorgänger Stephan Gieseler habe immer vorgeschwebt, dass Vereine, etwa die Seniorenhilfe, das Reinhard-Göpfert-Haus führen könnten, sagt SHD-Vorsitzender Jürgen Heyer. Der Vorstand habe sich aber damals mehrheitlich für Räume in der Seniorenwohnanlage Marktstraße ausgesprochen. Ungeachtet dessen kann er sich nicht vorstellen, wohin all die Vereine und die Seniorenarbeit mit ihren Angeboten ausweichen sollten, sollte das Göpfert-Haus möglicherweise verkauft werden. „Ich sehe keine Notwendigkeit, das hat auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung“, sagte er gestern auf Anfrage.

Bekanntlich hat die SPD zur nächsten Parlamentssitzung einen Antrag eingebracht, wonach Mieten und Pachten bis einschließlich dem Haushaltsjahr 2015 nur mit ausdrücklicher Zustimmung des jeweiligen Vereins angehoben werden dürfen, um ihnen damit ein Stück Planungssicherheit zu bieten.

„Das ist Populismus“, wetterte dagegen CDU-Fraktions-Vorsitzender Thomas Wegener in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Die SPD wolle sich „Liebkind machen“. Im Ausschuss stimmten nur die Sozialdemokraten für den Antrag, UDS und Grüne enthielten sich. Bernd Heilmann (UDS) kündigte einen Änderungsantrag an, wonach sich die Vereinskommission mit dem Thema befassen solle.

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