Notizbuch der Woche

Kommentar: Viele, viele bunte Tonnen

Dietzenbach - Wahrscheinlich nahm das Unheil seinen Lauf, als irgendein kluger Kopf anno 1990 entschied, einen grünen Punkt auf Verpackungen zu kleben, um diese dann von den Kunden in einen gelben Sack werfen zu lassen. Von Christoph Zöllner

Diese grün-gelbe Koalition wird in Dietzenbach noch komplizierter, weil es hier auf Wunsch der Kommune grüne Tonnen gibt. In die übrigens kein gelber Sack gestopft werden darf, wie die Abfallberater betonen. Denn wer eine grüne Tonne hat, sollte alle seine Leichtverpackungen (LVP) mit dem grünen Punkt auch direkt darin versenken. Gelbe Säcke sind nur als zusätzliche Behälter gedacht. Sei’s drum. Jedenfalls stiften die Tonnenfarben reichlich Verwirrung, da diese interkommunal nicht aufeinander abgestimmt sind. In den meisten Städten sind die Tonnen für die LVP gelb, weshalb das Duale System Deutschland auf seinem Faltblatt „So trennen Sie richtig“ (siehe www. op-online. de) nicht nur von gelben Säcken, sondern auch von gelben Tonnen spricht.

Falls die Verunsicherung noch nicht komplett sein sollte: Eckhard Marschall von der Seniorenhilfe wies gestern zurecht darauf hin, dass der grüne Punkt auf den Verpackungen nicht immer grün aufgedruckt ist, sondern oft schwarz oder weiß. Einigen wir uns auf ein Symbol mit einem hellen und einem dunklen Pfeil, die miteinander Karussell fahren (Foto). 99 Prozent der Dinge, die in die grüne Tonne oder den gelben Sack gehören, tragen diesen Punkt. Fehlt er, sollte der Verbraucher stutzen und über einen Wurf in die Restmülltonne nachdenken.

Duales System in düsteren Farben

So trennen Sie richtig! Das Foto in Originalgröße.

Es gibt viele Kritiker, die das Duale System in den düstersten Farben malen und am liebsten gleich mit entsorgen würden. Sie halten es für ökologisch wenig sinnvoll, zu teuer und undurchsichtig. Und unlogisch, möchte der Kolumnist hinzufügen und damit Farbe bekennen: Denn es geht nicht nach dem Material, sondern nur darum, ob die Firmen – letztlich die Verbraucher – für die Entsorgung einer Verpackung bezahlt haben. Styropor als Verpackung von Elektronikartikeln gehört in die grüne Tonne oder den gelben Sack, Styropor als Dämmmaterial nicht. Glas (Konserven oder Flaschen) gehört nach der Trenntabelle nicht hinein, was aber im Widerspruch zu jenen Glasbehältern steht, die einen grünen Punkt auf dem Etikett tragen.

In Offenbach ist die Papiertonne grün, weshalb gestern früh ein besorgter Lederstädter in der Dietzenbach-Redaktion fragte, warum plötzlich kein Papier mehr in die grüne Tonne geschmissen werden darf. Nun, andere Städte, andere Sitten. In Offenbach ist das Gefäß für LVP halt gelb, für Papier grün. Es geht freilich noch bunter: Kollege G. aus dem Odenwald berichtet von blauen Behältern für Papier und grünen Biotonnen. Der Kolumnist kennt zwar die blaue Papiertonne, in der Wetterau gibt es aber braune Biotonnen.

Papier bringt Geld

Kollegin H. hätte auch gerne eine blaue Tonne, führt dafür aber keinesfalls ästhetische Gründe ins Feld. Sie fände es schlichtweg praktischer, das Papier zu Hause einwerfen und sich den Weg zu den Containern sparen zu können. Tatsächlich denken die Stadtwerke darüber nach, ob sich bei der Papierabfuhr in absehbarer Zeit etwas ändern sollte, denn: „Jedes Kilo Papier, das uns verloren geht, tut uns in der Seele weh“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Christian Locke. Papier bringt der städtischen Tochter Geld und entlastet so den Müllgebührenhaushalt. So einfach ist das.

Dietzenbacher befreien Natur von Unrat (2012)

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Während noch nicht klar ist, ob die blaue Tonne jemals in der Kreisstadt Einzug halten wird, müssen sich die Dietzenbacher schon auf eine andere Farbe gefasst machen: braun. Denn im nächsten Jahr, wahrscheinlich ab April, kommt die Biotonne. Und deren Deckel wird braun sein, wie Locke gestern verriet. Die Entscheidung hierfür ist nicht auf Dietzenbacher Mist gewachsen. Das zentrale Bundesgesetz des deutschen Abfallrechts, das Kreislaufwirtschaftsgesetz, schreibt vor, dass die Biotonne ab 2015 flächendeckend eingeführt wird. Denn Wiederverwertung geht vor Entsorgung, lautet die goldene Regel.

Einfach einen Hut falten...

Eine Regel, die freilich nicht immer befolgt wird, weil zu viele und zu groß dimensionierte Müllverbrennungsanlagen ausgelastet sein wollen. Schade, dass sich die zentrale Sortierung, die Dietzenbach und Offenbach zeitweise erprobt haben, nicht durchsetzen konnte. Denn das nachträgliche Herausfiltern wiederverwertbarer Stoffe aus dem Restmüll würde den Ärger bei der Sortierung ersparen und falsch befüllte Behälter vermeiden. Es bedürfte auch keiner braunen oder grünen Biotonnen, nur eines Restmüllbehälters.

Übrigens: Sollte sie das Farben-Roulette in diesem Artikel so verwirrt haben, dass Sie es am liebsten zerknüllen und wegwerfen würden, lassen Sie sich durch den aufgedruckten grünen Punkt nicht irritieren. Einfach die Zeitung nach Gebrauch zum Altpapier geben – mangels blauer Tonne in die Container stopfen beziehungsweise auf die Straßensammlung warten – oder daraus einen schönen Hut falten...

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