WAHLPROGRAMME IM VERGLEICH

Parteien über die zukünftige Gestaltung des Wohnraumes: Von bezahlbar bis hochpreisig

Kommunalwahl in Hessen, Wahllokal
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Am 14. März 2021 wird in Dietzenbach gewählt

Am 14. März entscheiden die Dietzenbacher unter anderem, wer sie künftig im Stadtparlament vertritt. Aus diesem Grund vergleichen wir in den nächsten Wochen die Wahlprogramme der Parteien in fünf unterschiedlichen Punkten miteinander.

Dietzenbach – Auch weil Dietzenbach im Durchschnitt die jüngste Bevölkerung in Hessen hat, widmen wir uns heute den Plänen der Ortsverbände zur Gestaltung des Dietzenbacher Wohnraumes.

CDU Dietzenbach

Die CDU ist überzeugt, dass beim Thema Wohnen „Qualität vor Quantität“ gehen sollte. Oder genauer: Geht es nach der CDU, gibt es in Dietzenbach künftiger weniger Geschossbau und mehr Einzelhausbebauung. Auch eine zusätzliche Verdichtung in bereits hochverdichteten Wohngebieten sowie weiteren sozialen Wohnungsbau will die Partei verhindern. Insbesondere durch die Verhinderung von Letzterem erhofft sie sich, die Sozialstruktur Dietzenbachs langfristig zu verbessern.

Die angestrebte Einzelhausbebauung will die CDU etwa durch eine Erschließung von möglichen Entwicklungsflächen umsetzen. Zu den hierfür infrage kommenden Grundstücken zählt für sie das Friedhofserweiterungsgelände und das Gelände zwischen Feldstraße und Brunnenstraße.

SPD Dietzenbach

In die entgegengesetzte Richtung gehen indes die Pläne der SPD. Denn sie strebt, wie es in ihrem Wahlprogramm heißt, „die Weiterentwicklung der städtischen Wohnungsgesellschaft“ an und will somit „bezahlbaren Wohnraum“ entstehen lassen. Darüber hinaus will sie in den kommenden Jahren jenen Investoren den Vorrang geben, die Miet- und Eigentumswohnungen „für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen planen“. Ein weiterer Schritt zur Umsetzung ihres Vorhaben ist für die Sozialdemokraten die Prüfung von vorhandenen Flächen, auf denen bezahlbarer Wohnraum entstehen kann.

Freie Wähler Dietzenbach (FW-UDS)

Ein Blick in das Wahlprogramm der FW-UDS zeigt, dass auch sie, ähnlich wie die Christdemokraten, auf den noch verbleibenden Bauflächen „höherwertigen Wohnungsbau“ realisieren will. Für die Umsetzung von „umfangreichen Wohnungsbau-Projekten“ beziehungsweise von sozialem Wohnungsbau sieht die FW-UDS aufgrund des fehlenden Platzes indes nur begrenzte Möglichkeiten.

Geht es hingegen um die Gebiete Hexenberg und Westend, in denen vorwiegend ältere Menschen leben, sieht die Partei einen Wandel anstehen. „Ältere Bürger werden vermehrt ihr Haus als Belastung empfinden und es wird zu einem Zuzug junger Familien kommen“, heißt es im Wahlprogramm. Dabei sollen sowohl für die angesprochenen Wohngebiete wie auch insgesamt insbesondere der „gut verdienende Mittelstand“ die „Zielgruppe der Neubürger“ sein.

Linke Dietzenbach

Der Fokus der Linken, so hat es den Anschein, liegt auf anderen Themengebieten. Denn im Hinblick auf die Entwicklung des Wohnraums hält sie sich recht kurz. „Der soziale Wohnungsbau in unserer Stadt ist dramatisch eingebrochen“, sagt Barbara Cardenas, die auf Listenplatz fünf ist. Deshalb will der Ortsverband wie auch die Sozialdemokraten ein „bezahlbares Wohnungsangebot“ schaffen.

AfD Dietzenbach

Die AfD will indes im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten weiterhin Bauland ausweisen, um den Dietzenbachern den Bau eines Eigenheims zu ermöglichen und um zu verhindern, dass diese aus der Stadt wegziehen müssen. Den Grund für den Mangel an Bauflächen sieht die Partei im Städtebauförderungsgesetz, welches rund 45 Jahre Geltungsdauer gehabt habe. Dies habe dazu geführt, dass es in weiten Teilen Dietzenbachs zu einer Fehlplanung kam.

FDP Dietzenbach

Auch die FDP gehört zu den Parteien, die Wohnraum als ein Mittel ansehen, mit dem sich die Sozialstruktur der Stadt verändert lässt. So wollen die Freidemokraten ebenfalls aufgrund des „hohen Anteils an unterstützungsbedürftigen Haushalten“ den „Zuzug einkommensstarker Haushalte“ begünstigen. Darüber hinaus wollen sie sich für eine „maßvolle Nachverdichtung“ einsetzen. Denn günstiger Wohnraum werde nicht durch Verbote oder unwirksame Verordnungen wie etwa die Mietpreisbremse geschaffen, sondern nur durch zusätzliche Wohnfläche.

Gleichzeitig will die Partei vernachlässigte Stadtgebiete, wie etwa Teile des Spessartviertels, unter Einbeziehung der Eigentümer aufwerten und gemeinsam mit Nachbargemeinden Konzepte entwickeln, die unter anderem Wohnraum schaffen sollen.

Die Dietzenbacher Liste (DL) spricht sich insbesondere gegen eine weitere Verdichtung des Spessartviertels aus. Und fordert, ähnlich wie auch andere Parteien, dass die „Machenschaften einiger Vermieter kontrolliert und bloß gestellt werden.“ Dazu benötigten die dortigen Anwohner „eine handfeste Unterstützung durch die Stadt.“ Darüber hinaus ist die DL davon überzeugt, dass eine Wohnbörse es ermöglicht, dass älter Menschen kleinere Wohnungen für sich finden und somit Wohnraum für Familien frei wird.

Grüne Dietzenbach

Die Grünen fordern indes, Grundstücksversiegelung nur noch dann zu genehmigen, wenn dafür naturschutzrechtlicher Ausgleich erfolgt. Darüber hinaus wollen sie sich etwa für begrünte Dächer und Fassadenbegrünung einsetzen. Bei Neubauten soll es genügend Stellplätze für Fahrräder und Ladestationen für E-Autos geben sowie die Barrierefreiheit stets berücksichtigt werden. Zusätzlich will der Ortsverband bis zu 25 Prozent der bestehenden Parkplätze in Rad-Stellplätze umwandeln. Zudem sollen illegale Baumaßnahmen konsequent verfolgt und Zweckentfremdung von Wohnungen, etwa durch Online-Portale wie AirBnB, verhindert werden.

Anmerkung der Redaktion: Die Wahlprogramme berücksichtigen im Hinblick auf das Thema „Wohnen“ teilweise noch viele weitere Aspekte. Informationen hierzu sind auf den Internetseiten der Parteien oder auf Anfrage bei den Parteivorständen per Mail zu erhalten. (Von Anna Scholze)

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