Kreativer Kulturschock

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Immer wieder neu erfindet sich die Varietégruppe des Kinder- und Jugendzirkus’ Chicana. Auch im aktuellen Programm beweisen die Nachwuchsakrobaten, dass sie ihre Talente beständig weiter entwickeln.

Dietzenbach - Einen „Kulturschock“ hat das 30-köpfige Ensemble der Varieté-Gruppe „Menschen anders“ im Zirkus Chicana seinen Besuchern prophezeit. Wer sich die mehr als zweistündige Vorstellung angesehen hat, wird indes dem Wort, das zugleich Name der Show ist, eine neue Interpretation geben. Von Barbara Scholze

Kultur gibt es zuhauf bei der kre ativen Gruppe aus Nachwuchsakrobaten von „Chicana“ und Zirkusprofis aus ganz Deutschland. Und einen Schock nach dem anderen erleiden die Zuschauer auch. Nämlich dann, wenn junge Künstlerinnen in einem Moment noch in der Kuppel am Tuch hängen und im nächsten Augenblick kurz vor dem Boden so bremsen, dass ein kollektives Aufatmen durch das Zelt geht.

Der „Kulturschock“ trifft die Besucher in einem skurrilen Museum, in dem unter anderem der „Homo Dietzenbachiensis“ ausgestellt ist. So erklärt es der grimmige Museumsdirektor, der beständig mit seinem hyperaktiven Hausmeister hadert. Dass die Zuschauer sich gleich zu Beginn des Spektakels emotional auf das Geschehen einlassen können, ist der peppigen Anfangsnummer geschuldet: Als Hommage an Michael Jackson zeigen die jungen Zirkuskünstler einen Moonwalk-Tanz zum Lied „Thriller“ und beweisen, dass sie des Werkes würdig sind.

Danach gehört das Museum der Putztruppe. Zwei davon wagen sich mutig ans Doppeltrapez mit einer Vorführung, die zappelnd beginnt und in Harmonie und Gleichklang endet.

Wer diese Lust auf den „Kulturschock“ teilen möchte, kann sich am heutigen Samstag um 20 Uhr die Vorstellung im Sternenzelt (Hessentagspark) anschauen. Erwachsene zahlen zwölf Euro, Schüler und Studenten sechs Euro – inklusive Begrüßungsgetränk.

Zirkusprojekte sind soziale Kunstwerke“, betont Diana Williams, Gründerin, Leiterin und Fixpunkt des Kinder- und Jugendzirkus’ Chicana. Vor rund 14 Jahren hat sie sich den Traum erfüllt und die junge Gruppe gegründet. Manche der Jugendlichen, die nun atemberaubende Darbietungen in Akrobatik, Jonglage, Clownerie oder Tanz geben, sind von klein auf dabei und längst den Kinder-Zirkusschuhen entwachsen. „Für sie ist das Zusammenspiel mit Zirkus-Pädagogen und Profi-Akrobaten noch einmal eine ganz andere Herausforderung“, sagt Williams.

In der Show wechseln sich klassische und moderne Nummern ab. So etwa bewundert das Publikum ein Brautpaar in einem graziösen Balance-Tanz, einen Jongleur, dessen Ball ein Eigenleben zu haben scheint und eine Partner-Akrobatik zwischen Liebe und Hass. Den komischen Part garantiert eine immer wiederkehrende Gruppe skurriler Museumsbesucher.

Am Ende gibt‘s dann noch einmal großes Kino: Jack und Rose, das Liebespaar der Titanic, gemeinsam in einer Tuchchoreografie zu den Klängen des Titelsongs „My Heart will go on“. Da legt sich ein beeindruckendes Schweigen über das Zelt und weckt Emotionen, die Lust machen auf noch mehr Zirkus Chicana.

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