Krebsraten bei Kindern steigen

Freundeskreis-Vorsitzender Kolmer bilanziert Kostjukovitschi-Reise

Dietzenbach - Die erweiterte Vorstandsreise in Dietzenbachs Partnerstadt Kostjukovitschi liegt nunmehr vier Wochen zurück. Der Freundeskreis-Vorsitzende Dietmar Kolmer zieht Bilanz und wirbt für die Städtepartnerschaft. Von Matthias Towae 

Vor dem Rathaus von Kostjukovitschi steht ein Kriegs- und Gefallenendenkmal.

Dietmar Kolmer ist ein überzeugter und überzeugender Netzwerker. Und obwohl technikaffin und dadurch auch im Internet auf einigen Kanälen präsent, bevorzugt er doch das direkte Gespräch, persönliche Treffen von Angesicht zu Angesicht. Das mache zwar häufiges Reisen erforderlich, erleichtere letztlich jedoch die Zusammenarbeit und helfe dabei, Verfahren zu beschleunigen, weiß der Vorsitzende des Vereins Freundeskreis Kostjukovitschi aus Erfahrung zu berichten. Davon profitierten wiederum alle Beteiligten. Er stehe unter anderem in ständigem Kontakt zur deutschen Botschaft in Minsk sowie der weißrussischen Botschaft in Berlin – für den Verein und nicht zuletzt die Menschen im östlichen Gebiet Weißrusslands nahe der russischen Grenze.

Seit vergangenem Jahr treiben ihn die geänderten Visa-Bestimmungen von europäischer Seite um, aber auch an. Diese bedeuteten Mehraufwand auf weißrussischer Seite für Kinder und Begleiter. Zuversicht und Hoffnung überwiegen jedoch mittlerweile, da es viele positive Signale gibt, berichtet Kolmer.

Die Bewohner jenes Landstrichs leiden, wie berichtet, unter dem radioaktiven Niederschlag des sich am 26. April zum 30. Mal jährenden Reaktorunglücks im rund 360 Kilometer entfernten ukrainischen Tschernobyl. Weite Teile Weißrusslands sind verstrahlt und folglich unbewohnbar. „Wir müssen alles dransetzen, dass so etwas nicht mehr passiert“, bekräftigt der Nachfolger der im vergangenen Jahr zur Ehrenvorsitzenden ernannten Vereinsmitbegründerin Dörte Siedentopf.

Freundeskreis-Vorsitzender Dietmar Kolmer.

Gedenken reiche da nicht aus, die Folgen zeichneten sich ab. Kolmer: „Die Krebsraten steigen auch bei jüngeren Kindern in Kostjukovitschi.“ Im Kontakt mit Botschaftsrat Aleksei Zhbanov kam heraus, dass Krankenhäuser und deren onkologische Abteilungen (Tumorabteilungen) großer Unterstützung bedürfen, da sie vor wachsenden Herausforderungen stehen. An den Folgen der atomaren Katastrophe sind mehr als 100.000 Weißrussen gestorben, sagt Kolmer. Opferzahlen danach lägen indes nicht vor. 350 000 Menschen seien überdies umgesiedelt worden, allein aus dem Rajon (Regierungsbezirk) Kostjukovitschi 8 000. Seit 1991 haben rund 1 100 Kinder einen Sommererholungsurlaub in Dietzenbach ermöglicht bekommen; in Summe seit dem Unglück deutschlandweit mehr als 250.000, informiert Kolmer. Gab es zu Zeiten der Tschernobylbewegung noch rund 100 humanitäre Zusammenschlüsse, sind es aktuell laut Kolmer noch etwa 60.

Mit der ersten Arbeitsreise, wie er die jährlichen Vorstandsreisen nennt, unter seiner Feder zeigt sich Kolmer zufrieden: „Diese war professionell von weißrussischer Seite durchgetaktet“, lobt er. Die intensiven Vorbereitungen mit den Verantwortlichen in Kostjukovitschi seien somit zielführend gewesen.

Allein die Zeit vor Ort sei diesmal zu knapp bemessen gewesen. „Eine Woche müsste man schon bleiben, um die Bedarfe der einzelnen Einrichtungen besser feststellen zu können“, ist Kolmer überzeugt. Nicht zuletzt diene jeder Besuch auch der Völkerverständigung, wirbt er für Geist und Verdienste der Städtepartnerschaft.    Reisekosten und dergleichen tragen die Mitglieder in Gänze selbst, jeder gespendete Euro werde zielgerichtet dem humanitären Zweck zugeführt.

Vom 18. Mai bis 25. Mai findet die Rückverschwisterungsfeier statt, zu der eine elfköpfige Delegation aus Kostjukovitschi in der Kreisstadt erwartet wird. Derzeit noch gesucht: Gasteltern für den Aufenthalt weißrussischer Kinder im Sommer in Dietzenbach.

Info: www.freundeskreis-kostjukovitschi.de, 06074/814530. Bankverbindung für Spenden: Volksbank Dreieich, BIC: GENODE51DRE, IBAN: DE985059 2200 0000 5899 50.

Rubriklistenbild: © Towae

Kommentare