Schule und Corona

Ärger über geplanten Wechselunterricht: Lehrer fühlen sich im Stich gelassen

Lehrerin im Klassenraum
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Die GEW kritisiert, dass der Wechselunterricht nicht für Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen gilt (Symbolbild).

Der Kreisverband Offenbach-Land der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat massive Kritik daran geübt, dass im Kreis Offenbach nur Schüler ab der Jahrgangsstufe 11 vom Wechselunterricht betroffen sind.

Dietzenbach – Wie berichtet hatte der Kreis Offenbach angeordnet, dass ab nächster Woche in der Sekundarstufe  II und an den Beruflichen Schulen teilweise auf Heimunterricht umgestellt wird. Für die GEW geht die Maßnahme nicht weit genug: „Der Main-Kinzig-Kreis hat dies bereits am 6. November auch für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 an weiterführenden Schulen beschlossen,“ so Thilo Hartmann von der GEW Offenbach-Land. „Zumindest diese Fürsorge erwarten wir auch von den politisch Verantwortlichen für die Schulen des Kreises Offenbach, gerade im Hinblick auf die hier viel höheren Inzidenzwerte.“

Es sei unverständlich, warum die Maßnahme nur die älteren Schüler berücksichtige, „obwohl die großen Klassen vor allem in der Mittelstufe bestehen“. Wenn es so wie jetzt weitergehe, „drohen flächendeckend erneut Schulschließungen“, befürchtet der GEW-Chef und warnt: „Vor allem die benachteiligten Schülerinnen und Schüler, die ohnehin noch immer unter den Folgen des Frühjahrs-Lockdown leiden, drohen dann endgültig abgehängt zu werden.“

Corona in der Schule: Vorwürfe gegen den Kreis Offenbach

Im Kreis Darmstadt-Dieburg gilt der Wechselunterricht für die Oberstufen-Schüler schon seit längerer Zeit. Hartmann hält dem Kreis Offenbach nun vor, erst sehr spät auf die anhaltend schlechte Infektionslage und die Überlastung des Gesundheitsamtes reagiert zu haben. „Die Nachverfolgung von Verdachtsfällen an den Schulen ist so nur schwer möglich.“

Die nun getroffene Maßnahme sei in ihren Auswirkungen für Lehrkräfte nicht durchdacht: „Teilt man in zwei Gruppen, ohne die Inhalte zu reduzieren, folgt daraus in der Praxis eine massive Mehrbelastung der Kollegen.“ Viele Lehrer seien verzweifelt und am Rande ihrer Belastungsgrenze, beschreibt Hartmann die Situation.

Die Entscheidung des Kreises sorge an allen anderen Schulformen für große Wut. „Solange die momentane Lage so ist, halten wir die hessenweite Ausrufung des Wechselmodells für alle Jahrgänge für unerlässlich“, fordert Hartmann. Dies entspreche auch den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes.

Kreis Offenbach: Ältere Schüler können gut mit Wechselmodell während Corona umgehen

„Für die Grundschulen und die Sekundarstufe I wurde noch von der Einführung des Wechselmodells abgesehen, da diese (...) Schüler allgemein eine engere Lernbegleitung durch die Lehrkräfte benötigen, die im Distanzunterricht nicht auf gleiche Weise gewährleistet werden kann“, entgegnet eine Kreissprecherin auf die Kritik der GEW. „Das Wechselmodell in der Sekundarstufe II und an den Beruflichen Schulen wurde beschlossen, da – auch nach Rückmeldungen aus den Schulen – davon ausgegangen werden kann, dass die älteren Schülerinnen und Schüler mit der selbstständigen Arbeit in der Regel gut umgehen können“, heißt es.

Die praktischen Erfahrungen während des Lockdowns im Frühjahr hätten gezeigt, „dass zum Beispiel die Schülerschaft der Oberstufen in einem hälftigen Distanzunterricht gut auf das Landesabitur vorbereitet werden konnte“. Rückmeldungen von Lehrkräften, Eltern und der Schülerschaft aller Jahrgangsstufen zeigten ein geteiltes Echo, so die Kreissprecherin: „Während viele fordern, den Präsenzunterricht beizubehalten, wollen andere lieber vollständig auf Distanzunterricht umsteigen.“ (Von Niels Britsch)

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