Pandemie-Bekämpfung im Kreis Offenbach

Frust und Strafzettel wegen stundenlanger Wartezeit im Impfzentrum

Corona im Kreis Offenbach
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Die Zustände in der Impfstation des Kreises Offenbach sorgen für Ärger. (Symbolfoto)

Viele Imfpwillige beschweren sich über die Zustände in der Impfstation in Dietzenbach. Der Kreis Offenbach als Betreiber hat Änderungen angekündigt und kritisiert das Land Hessen und die Kassenärztliche Vereinigung (KV).

Dietzenbach – Lange Wartezeiten – von bis zur vier Stunden ist die Rede –, kaum Sitzgelegenheiten und zu wenig Platz, um ausreichend Abstand halten zu können: In den vergangenen zwei Wochen haben unsere Redaktion viele Beschwerden über die Impfstation im Rathaus-Center erreicht. Die Vorwürfe sind vielfältig: Wie berichtet, mussten Impfwillige beispielsweise mehrere Stunden warten, was vor allem für Ältere aufgrund mangelnder Sitzgelegenheiten zu einer Tortur wurde.

Zu allem Ärger über die Zustände im Impfzentrum kommt noch ein anderer: Eine Frau aus Rodgau berichtet, dass sie wegen der langen Wartezeit die erlaubte Parkdauer überschritt und einen Strafzettel kassierte. „Das ist eine Frechheit“, empört sie sich. „Wäre ich rausgegangen und hätte meine Parkscheibe verlängert, hätte ich mich wieder hinten anstellen können.“

Corona-Impfstation in Dietzenbach: „Unerwartet extrem hohe Nachfrage“

Ein Mann berichtet, dass er mit seinem 13-jährigen Sohn um 18.30 Uhr von einem Ordner mit der Begründung wieder weggeschickt wurde, es seien nur zwei Ärzte da und die Beratung zu zeitintensiv. Man solle am nächsten Tag wieder kommen, sei ihnen beschieden worden. Dabei habe das Impfzentrum bis 21 Uhr geöffnet und es standen seiner Schätzung zufolge nur 15 Menschen an. „Impfwillige dürfen nicht abgewiesen werden, wenn noch Impfstoff da ist. Was ist das für ein Signal? Es war sehr frustrierend, ohne die Impfung wieder heimzufahren.“

„Dass Personen aufgrund zu langer Aufklärungsgespräche fortgeschickt und auf andere Tage vertröstet worden sein sollen, können wir nicht bestätigen“, heißt es vom Kreis Offenbach, der die Impfstation von der Firma Ecolog betreiben lässt. Grund für die Situation sei die „unerwartet extrem hohe Nachfrage“, die aufgrund der bisherigen Erfahrungen – „auch zum Schluss im großen Impfzentrum in Heusenstamm“ – so nicht vorherzusehen gewesen sei, führt eine Kreissprecherin aus. „Das kleine Impfzentrum stößt mit seinen drei nutzbaren Impfkabinen und dem vorhandenen Flächenangebot für Wartebereiche an seine Kapazitätsgrenzen.“ Pro Stunde könnten dort maximal 25 Personen geimpft werden. „Der Andrang ist oft jedoch bedeutend größer.“

Corona im Kreis Offenbach: Kreisverwaltung schiebt Sozialministerium und KV schwarzen Peter zu

Die Impfstation im Rathaus-Center sei als Ergänzung zum Angebot der Ärzteschaft gedacht, aber kein Ersatz für das große Impfzentrum in Heusenstamm. „Das Hessische Sozialministerium und allen voran die Kassenärztliche Vereinigung waren bislang der Ansicht, dass Impfzentren nicht mehr notwendig seien, da die Haus- und Facharztpraxen die Impfungen überwiegend übernehmen sollen“, so die Kritik von der Kreisverwaltung. „Vermehrt erreichen uns Hinweise von den Bürgerinnen und Bürgern, dass ihre Hausärzte die Impfungen gar nicht anbieten würden oder erst Termine im Februar/März 2022 frei hätten.

Dieser Umstand trägt seinen Teil dazu bei, dass der Andrang in unserem Impfzentrum so hoch ist.“ Der Kreis Offenbach habe gegenüber dem Land mehrfach deutlich gemacht, dass die Impfstrukturen in Hessen weiter ausgebaut werden müssten. „Bis dahin arbeiten wir mit Hochdruck an der Optimierung unseres Angebotes.“

Corona-Impfstation in Dietzenbach: Öffnungszeiten erweitert

Um künftig lange Wartezeiten zu vermeiden, habe man nun die Öffnungszeiten erweitert. Diese sind von montags bis samstags jeweils von 10 bis 21 Uhr. Außerdem werden ab Freitag, 19. November, nur noch Personen geimpft, die vorab einen Termin vereinbart haben. Auf der Homepage des Kreises können ab Mittwoch, 17. November, 9 Uhr, Termine online gebucht werden. Für Impfwillige, die keine Möglichkeit haben, online einen Termin zu vereinbaren, steht unter der Telefonnummer 0211/41873137 jeweils von 9 bis 11 Uhr eine Telefonhotline zur Verfügung. Der Kreis weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass über diese Hotline keine Fragen rund ums Impfen beantwortet werden.

Alle Personen ab zwölf Jahren können im kleinen Impfzentrum in Dietzenbach die Corona-Schutzimpfung erhalten. Mitzubringen sind ein Ausweisdokument, die Krankenversicherungskarte und der Impfpass. Kinder und Jugendliche benötigen zusätzlich die Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten oder die Zustimmung der Eltern auf dem Anamnese- und Einwilligungsbogen. (Niels Britsch)

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