Kriminalitätsstatistik 2016:

Weniger Straftaten, aber mehr Einbrüche und Kfz-Aufbrüche

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Diese Grafik zeigt die erfassten Fälle und die HZ, die sogenannte Häufigkeitszahl, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Das ermöglicht einen Vergleich zwischen den Kommunen.

Dietzenbach - Weniger Straftaten tauchen in der Kriminalitätsstatistik der Kreisstadt fürs vergangene Jahr auf. Leicht gesunken ist aber auch die Aufklärungsquote. Das ist einer Unschärfe in der Fallerfassung geschuldet. Von Ronny Paul 

Polizeichef Klaus Hofmann wähnt Dietzenbach mit Blick auf die Kriminalstatistik 2016 „auf einem guten Weg“. Man sei „nah am historischen Tief“ aus dem Jahr 2013 (1952 erfasste Fälle). Noch vor zehn Jahren hat die Polizei in der Kreisstadt 2509 Straftaten registriert. Im Jahr 2016 sind es 2007. Die Anzahl der erfassten Straftaten sei „erfreulicherweise runtergegangen“, bilanziert Hofmann, 71 weniger als noch 2015 (2078). Damit steht Dietzenbach bei den erfassten Straftaten im Kreis Offenbach auf Platz zwei der Negativ-Tabelle hinter „Spitzenreiter“ Neu-Isenburg (2515 erfasste Fälle). Erster Kriminalhauptkommissar Michael Berkefeld, der die Dietzenbacher Ermittlungsgruppe leitet, stellt bezogen auf diese Entwicklung fest: „Dietzenbach ist nicht mehr das, was es mal war.“

2 007 Straftaten bedeuten auf 100.000 Einwohner hochgerechnet – der besseren Vergleichbarkeit wegen – eine Häufigkeitszahl von 6 010. 2015 waren es noch 6 273. Die Zahl macht deutlich: Die Straftaten pegeln sich auf dem Niveau der Jahre 2013 (6 010) und 2014 (6 012) ein. Allerdings ist die Aufklärungsquote im Vergleich zu 2015 leicht gesunken. 1 180 Fälle (58,8 Prozent) konnte die Polizei lösen. Ein Jahr zuvor waren es noch 64 Prozent. Dafür zieht Dietzenbachs Polizeichef statistische Unschärfe als Erklärung heran: Viele aufgeklärte Straftaten landen in der Statistik der darauffolgenden Jahre, weil Ermittlungen Zeit benötigen.

Polizeichef Klaus Hofmann (links) und Michael Berkefeld, Leiter der Ermittlungsgruppe, stellen die Kriminalitätsstatistik vor.

Etwa bei Autoaufbrüchen (173 erfasste Fälle): Dort ist die Quote von 87,8 Prozent (2015) auf 19,1 Prozent gesunken. Die Polizei hat allerdings jüngst erst eine Serie von Autoaufbrüchen aufgeklärt, die sich bereits Jahr 2016 ereignet hat. Ein 28-jähriger Dietzenbacher, dem die Ermittler eine ganze Zeit lang auf den Fersen waren, ihm aber nichts nachweisen konnten, wurde Ende Januar auf frischer Tat mit Diebesgut ertappt. Dem Endzwanziger lastet die Polizei eine größere Zahl von Autoaufbrüchen an. Heißt: Die Straftaten fallen in die Statistik für 2016, die Aufklärung schlägt sich indes erst in diesem Jahr nieder. Generell sei es schwer, an Autobanden ranzukommen, sagt Hofmann, „die riechen die Polizei förmlich“. Ihr personelles Reservoir sei schier unerschöpflich: „Wenn einer in den Knast wandert, rückt der nächste nach.“ Das hindere die Polizei jedoch nicht daran, weiter dranzubleiben und zu taktischen Maßnahmen wie Observation zu greifen, sagt Hofmann.

29 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung finden sich in der Statistik wieder. Sieben mehr als 2015. Das seien meist Fälle von sexueller Nötigung in Ehen, bei denen die Frau gegen ihren Mann Anzeige erstattet, erläutert Hofmann. Der hat auch registriert, dass sich mittlerweile mehr Frauen trauen, zur Polizei zu gehen und Anzeige gegen den Partner zu erstatten. 20 Fälle seien Beziehungstaten, und auch Exhibitionismus fällt darunter. Berkefeld sagt, das „klassische Sexualdelikt“, bei dem etwa ein Mann einer Frau im Dunkeln hinter einem Baum im Park auflauere und sich dann an ihr vergehe, gebe es so gut wie nicht. „Dafür muss man sonntags Tatort schauen“, sagt er.

Die gängigsten Tricks der Diebe

Eine Steigerung ist bei den Wohnungsaufbrüchen zu verzeichnen. 2015 waren es noch 72 Fälle, 2016 schon 95. „Da haben wir noch Luft nach oben“, sagt Hofmann. Er weist darauf hin, dass nun die „einbruchsschwache Zeit“ Gelegenheit biete, sich beraten zu lassen, wie Häuser oder Wohnungen besser gegen Einbrecher zu schützen sind. Positiv bewertet Hofmann, dass das Hinweisaufkommen höher geworden ist: „Menschen verlieren die Scheu, die 110 anzurufen und Verdächtiges zu melden. Berkefeld stimmt zu und sagt, die Bürger seien sensibler geworden. Sie melden verdächtige Personen, wenn sie merken, „da ist was faul“. Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte hat zugenommen (2015: 310, 2016: 382). Dabei handelt es sich meist um Internetkriminalität. Berkefeld: „Das Delikt der Zukunft.“ Doch schon jetzt nehmen solche Fälle viel Zeit in Anspruch. Häufig werden externe Computerspezialisten für die Ermittlungen hinzugezogen, so Berkefeld.

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