Leichte Zunahme von Straftaten

Aufklärungsquote auf Spitzenwert

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Die Grafik zeigt die Kriminalitätsentwicklung in Dietzenbach seit 2006 (3238 Fälle). HZ meint die Häufigkeitszahl: Die Anzahl der registrierten Fälle errechnet auf 100.000 Einwohner.

Dietzenbach - Seit 2006 (3238 Fälle) sind die Straftaten in der Kreisstadt stets zurückgegangen. Im Vergleich der Jahre 2014 (1969) und 2015 (2078) gab es allerdings einen leichten Anstieg. Von Ronny Paul 

Einen leichten Fallanstieg von 109 Straftaten gegenüber dem Jahr 2014 weist die Kriminalitätsstatistik für Dietzenbach 2015 aus. 2078 erfasste Fälle zählte die Polizei in der Kreisstadt insgesamt im vergangenen Jahr. Den leichten Anstieg erklärt Polizeichef Klaus Hofmann mit der Zunahme von Diebstählen (2014: 828; 2015: 929) und sogenannten Rohheitsdelikten (2014: 261; 2015: 321). Für ihn aber kein Grund zur Panik: „Wir sind weiterhin auf einem guten Weg und werden nicht nachlassen.“ Die Aufklärungsquote gibt ihm Recht: Gegenüber 2014 hat sie sich gesteigert. So hat die Polizei im vergangenen Jahr 64 Prozent der Fälle gelöst, 5,1 Prozent mehr als noch 2014 (58,9) und liegt damit über der gesamt hessischen Aufklärungsquote (58,2 Prozent). „Das ist ein Spitzenwert“, so Michael Berkefeld, Leiter der Dietzenbacher Ermittlungsgruppe.

So konnten die Polizeibeamten den wohl aufsehenerregendsten Fall, den Mord an einem 80-jährigen Afghanen in seiner Wohnung im Spessartviertel im vergangenen April, „gut aufklären“, sagt Berkefeld. Das sei dank der Anstrengungen aller und der guten technischen Mittel (erkennungsdienstliche Behandlung, Erfassung von personenbezogenen und biometrischen Daten) möglich gewesen. Alle drei Täter sind, wie berichtet, gefasst. Hofmann sagt: „Vor allem die spektakulären Fälle werden aufgeklärt.“

„Wir sind immer einen Schritt voraus“

So etwa im Dezember: Rund zwei Wochen, nachdem zwei 19-Jährige ein Pärchen auf der Friedensstraße brutal zusammengeschlagen hatten, klickten die Handschellen. Die beiden Täter sitzen in Untersuchungshaft. Berkefeld: „Wir sind immer einen Schritt voraus.“ Durch die gute Zusammenarbeit, etwa mit Stadt und Schulen, finde die Polizei anhand eines Namens meist weitere Personen einer Tätergruppe. „Überspitzt gesagt: Haben wir einen Namen, bekommen wir alle“, sagt Berkefeld. Hofmann lobt ebenfalls die gute Zusammenarbeit mit der Stadt: „Wir ziehen an einem Strang.“ Bürgermeister Jürgen Rogg ist „sehr zufrieden“: Die Zusammenarbeit sei gut und noch intensiver geworden. „Wir haben regelmäßige Termine, bei denen wir uns austauschen und abstimmen.“ Die Personalressourcen werden nachgebessert, kündigt Rogg an. Die Bewerbungsverfahren für zwei zusätzliche Stadtpolizisten liefen bereits. Mit einem Arbeitsbeginn der Verstärkung rechnet der Bürgermeister für Ende des dritten Quartals.

Ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber 2014 bei den Rohheitsdelikten, unter die etwa Raub und Körperverletzung fallen, könne man oberflächlich damit erklären, dass die Welt immer aggressiver werde, sagt Hofmann. Es sei eine höhere Aggression festzustellen, etwa bei Jugendlichen. Diese seien bei Kontrollen nicht so pflegeleicht. Bei den Rohheitsdelikten liegt die Aufklärungsquote bei 91,3 Prozent. Generell konzentriere sich vieles auf einen mehrfach auffällig gewordenen Täterkreis, der für einen Großteil der allgemeinen Kriminalität verantwortlich sei, sagt Hofmann. „Wir kennen die alle mit der Zeit und kontrollieren sie häufig.“ Kfz-Aufbrüche und Diebstähle beschäftigten die Polizei ebenso: Diese seien meist auf organisierte Banden aus Osteuropa zurückzuführen, sagt Hofmann: „Die wandern, suchen sich Gebiete aus, schlagen zu und verschwinden wieder.“ Die Banden hätten es nur auf hochwertige Fahrzeuge abgesehen und seien hochprofessionell organisiert, ergänzt Berkefeld. Und sagt: „Da sind wir dran.“

Bilder: Zehn kuriose Kriminalfälle 2015 in Hessen

Wohnungseinbrüche (72 Fälle in der Kreisstadt) seien deutschlandweit in aller Munde: „Wir tun alles dafür, die Zahlen niedrig zu halten. Im Vergleich zu 2014 seien die Einbrüche um 16,3 Prozent zurückgegangen. Es seien regionale und überregionale Täter dafür verantwortlich, die meist schnell umsetzbare Dinge wie Schmuck stehlen. „Eben das, was sich schnell zu Geld machen lässt.“ Da sei schwierig dranzukommen, sagt Hofmann. Doch die Polizei sei viel präventiv tätig, etwa mit dem Präventionsmobil, um Bürger für Einbruchsschutz zu sensibilisieren. Der beste Schutz gegen Einbrüche sei aber immer noch eine gute, aufmerksame Nachbarschaft, sagt Hofmann. Um ein bekanntes Sorgenkind indes muss sich die Polizei derzeit nicht kümmern: Der mittlerweile 14-Jährige, den die Beamten in der Vergangenheit bei mehr als 70 Straftaten in der Kreisstadt erwischt hatten – unter anderem Autodiebstahl – sitze derzeit in Baden-Württemberg ein, berichtet Berkefeld.

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