Warten auf Fernwärme

Kritik an Auftragsvergabe-Kriterien der Energieversorgung

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Natalia Hanikel wartet vor ihrem Haus am Gustav-Heinemann-Ring auf das Fortschreiten der Bauarbeiten seitens der EVO.

Dietzenbach - Bei all dem Gegenwind, der momentan in Richtung geändertem Preissystem der Fernwärme-Versorgung weht, gib es eine Familie in der Kreisstadt, die sich nichts sehnlicher wünscht als einen Anschluss an das Netz.

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„Wir sind auf den Anschluss angewiesen, wir müssen Ende März hier einziehen, unsere Wohnung ist schon verkauft“, erzählt Natalia Hanikel, die gemeinsam mit ihrem Ehemann und den drei Kindern ein Haus am Gustav-Heinemann-Ring baut. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte die fünfköpfige Familie den Antrag auf „Herstellung von Versorgungsanschlüssen“ an die Energie Versorgung Offenbach (EVO) eingereicht. Zu ersten Verzögerungen kam es dann aufgrund eines Differenzbetrages, der aus gemachten Zahlungen der Familie an eine zweite Firma und dem noch fälligen, höheren Betrag an die EVO rührte. Diese erste Hürde kostete den Baufortschritt Wochen: „Wir haben immer wieder nachgefragt, auf Antworten gewartet“, sagt die 40-Jährige.

Nachdem die Übernahme der Kosten letztendlich geklärt war und ein Auftrag an die EVO abgesetzt, ließ ein Installationstermin weiter auf sich warten: „Wir haben nie einen schriftlich fixierten Termin bekommen, wurden immer nur vertröstet.“ Bei einem Vorort-Termin Ende November – mit dabei ein Mitarbeiter der EVO sowie Mitarbeiter der ausführenden Firma und Waldemar Hanikel – sei der Familie ein Termin in 2015 verneint worden. Man könne ab Januar mit einem Termin rechnen, wenn denn das Wetter mitspiele, so das Fazit.

„Das Problem ist, man kommt an der EVO nicht vorbei, man kann sich alles aussuchen, Architekten, Baufirmen und so weiter, nur den Energieversorger nicht“, ärgert sich Natalia Hanikel. Ein weiteres Telefonat mit dem Offenbacher Energieversorger brachte das Fass für die Hanikels zum Überlaufen: „Es gäbe Familien, die bald einziehen müssten und deswegen Vorrang haben, wurde uns gesagt. Aber was ist mit uns?“, fragt sich die Hauseigentümerin. Auch ihr Ehemann ist verärgert: „Ich frage mich langsam, nach welchen Kriterien die Häuser angeschlossen werden.“ Er habe das Gefühl, dass zum Beispiel Großkunden bevorzugt werden: „Es sind Häuser in unserer Gegend schon angeschlossen, die in der gleichen Bauphase sind wie wir.“

Nach einem Vertrösten auf dieses Jahr, drohte die Familie der EVO, die Presse einzuschalten und eine amtliche Prüfung der Auftragsvergabe zu initiieren. Bereits einen halben Tag später habe sie dann eine Antwortmail erhalten: Es sei veranlasst worden, dass die ausführende Firma eine Woche später in den geplanten Urlaub ginge und somit noch Mitte Dezember mit den Arbeiten begonnen werden könne. „Als ich dann den Firmenmitarbeiter im Bagger sitzen sah, habe ich ihn gefragt, ob sich die Installationsarbeiten für die Anschlüsse und andere Arbeiten im Haus gegenseitig behindern würden“, erzählt Natalia Hanikel. „Ja“, sei die Antwort gewesen und so hätten sie sich für die Estricharbeiten entschieden, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

In der vergangenen Woche starteten nun erste Arbeiten auf dem Grundstück in Baugebiet 70: „Allerdings nur an drei von fünf Tagen“, bemängelt die 40-Jährige. Nun sei wieder Pause, da die Temperaturen zu kalt seien. Ihr Fazit: „Wir hätten uns einfach mehr Transparenz von der EVO gewünscht. Wir wussten nie, was und am wichtigsten wann etwas passiert.“ EVO-Pressesprecher Harald Hofmann versteht den Ärger der Familie, weist aber auch darauf hin, dass sich der Energieversorger nichts vorzuwerfen habe: „Wir räumen unübliche Verzögerungen in diesem Fall ein, allerdings gab es drei Gründe, die dazu führten.“ Diese seien ein Mal die ungeklärte Kostenübernahme gewesen, welche viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Auch die Terminkollision sei ein Verzögerungspunkt gewesen. „Der letzte Punkt ist das kalte Wetter jetzt, da müssen wir einfach abwarten“, sagt Hofmann. „Sobald es das Wetter aber wieder zulässt, geht es weiter auf der Baustelle der Familie“, verspricht der EVO-Sprecher.

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