Kritik und offene Fragen

Diskussionen über geplante Baugebiete im Ausschuss

Zur Diskussion um die Hainäcker hatten sich in der Ausschusssitzung nicht nur zahlreiche Anwohner eingefunden. 
+
Zur Diskussion um die Hainäcker hatten sich in der Ausschusssitzung nicht nur zahlreiche Anwohner eingefunden. 

Derzeit hat die Stadt wenig Glück mit ihren geplanten Baugebieten. Während bei den „Hainäckern“, dem Areal zwischen Grenzstraße und Kreisquerverbindung, die Stadtverordneten immer noch mit den Plänen der zur Werkmann-Gruppe gehörenden MB Massiv-Bau GmbH hadern, hat sich an der Nordweststraße, wo mehrere Einfamilienhäuser entstehen sollen, ein Grundwasserproblem aufgetan.

Dietzenbach – Mit der Begründung, es gebe zu beiden Punkten noch Informationsbedarf, gaben die Mitglieder im Bauausschuss keine Abstimmungsempfehlung.

Zur Diskussion um die Hainäcker hatten sich in der Ausschusssitzung nicht nur zahlreiche Anwohner eingefunden. Auch MB-Massiv-Bau-Chef Uwe Werkmann äußerte sich zu dem Vorhaben, vor allem bezüglich der Baudichte. Errichten wollte er ursprünglich ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen, vier Mehrfamilienhäuser mit je fünf Wohnungen, sechs Atriumhäuser, zwölf Reihenhäuser und acht Doppelhäuser. In der Sitzung teilte er mit, nach Gesprächen mit den Fraktionen habe das Unternehmen den Bauentwurf geändert und eines der Atriumhäuser herausgenommen. „Dadurch werden Sichtachsen für die hinterliegenden Gebäude geschaffen.“ Nun könnte allerdings genau diese Maßnahme das Verfahren erheblich verzögern: Wies doch unter anderem Bürgermeister Jürgen Rogg darauf hin, dass der umgestaltete Plan erneut eingereicht und den Weg durch Verwaltung und Magistrat nehmen müsse, bevor er irgendwann nach der Sommerpause als neue Vorlage wieder im Parlament landen könne. Dass die Zeitschiene eng wird, teilte auch Ursula Becking-Noller, Abteilungsleiterin Stadtplanung, mit. Derzeit läuft das Projekt noch auf Grundlage des Paragrafen „13b Baugesetzbuch“ als sogenanntes beschleunigtes Verfahren, mit geringerer Beteiligung der Öffentlichkeit und einem kürzeren Blick auf die Umweltkonsequenzen. Die rechtliche Vorgabe dazu ändere sich aber zum Jahreswechsel, sodass eventuell weitere Unterlagen eingereicht werden müssten. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen fällen die Fraktionen in ihren Sitzungen zu Wochenbeginn.

Im Grunde habe sich an dem Werkmannschen Plan nichts geändert, befanden die Anwohner in der Bauausschusssitzung. Auch ohne das eine Gebäude falle der Blick von den Bestandsgebäuden auf eine hohe und geschlossene Wand. „Wir bewegen uns bei der Bebauungsdichte innerhalb der Vorgaben des Regierungspräsidiums“, betonte dagegen Werkmann. Eher sogar noch unter der Höchstgrenze, zudem seien mehr Stellplätze als vorgegeben eingeplant. Hinsichtlich der Bedenken zu einer eventuellen Überlastung der Kanäle und des bereits in der Vergangenheit gebeutelten Gehrengrabens sagte der Bauträger: „Wir puffern das Regenwasser, um es dann kontrolliert an den Graben abzugeben.“ Auch die Kritik zum Verkehrsaufkommen und zu möglichen Umweltschäden sei nicht nachvollziehbar.

Bereits vor der Sitzung hatte die SPD eine Anfrage an den Magistrat gestellt und um Informationen zum Verkauf von zwei städtischen Grundstücken an die MB Massiv-Bau GmbH gebeten. In der Antwort heißt es, beide Flächen seien auf einen Magistratsbeschluss hin vergeben worden. Für ein Grundstück mit 459 Quadratmetern seien 91 800 Euro geflossen, die Parzelle mit 198 Quadratmetern habe 39 600 Euro erbracht. Das ergebe einen Quadratmeterpreis von 200 Euro. Eine Anfrage von Jürgen Balzar (fraktionslos), wie dieser Preis zustande kommt und wie er sich zu den Kosten für andere Grundstücke der Wohnbebauung verhält, ist bisher unbeantwortet.

An der Nordweststraße sollen auf Bauplätzen in der Größe von 400 bis 700 Quadratmetern mehrere Einfamilienhäuser entstehen. Indes werden die Häuslebauer auf Keller verzichten müssen, denn bei Untersuchungen hat sich gezeigt, dass in dem Areal Grundwasser auf die im Erdreich liegenden Hausteile drückt. Häuser in der Nachbarschaft, die ohne Schutz vor Wasser gebaut wurden, weisen im Keller bereits Feuchtigkeitsschäden auf. „Das könnte sich durch eine neue Bebauung verschlimmern“, heißt es. In Bezug auf die Vergabe der Grundstücke schlägt die Verwaltung vor, das ursprünglich angedachte „Einheimischen-Modell“ rechtssicher auszuweiten und Fragen zu Dachbegrünung und Lebensalter hinzuzunehmen. (Von Barbara Scholze)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare