Kunsttage ARTig

Jede Menge künstlerische Köpfe

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Dietzenbach -  „Kunstköpfe“ sind sie alle. Und wo sonst sollte Kunst zuerst entstehen, wenn nicht im Zentrum unserer Seele? Auch in diesem Jahr haben die Kreativen der Dietzenbacher Kunsttage „ARTig“ reichlich Ideen gehabt und damit wiederum ihre Besucher inspiriert. Von Sascha Reichelt

Bereits zur Eröffnung am Freitagabend herrschte reges Getümmel. Bürgermeister Jürgen Rogg eröffnete die Ausstellung mit einer kurzen Rede und traf gewissermaßen den Nagel auf den Kopf: „Menschen entdecken durch Kunst neue Sichtweisen und entwickeln neue Ideen!“ Neue Sichtweisen erhielten auch die Künstler, und zwar durch das gemeinsame Themenprojekt: Sie alle stellten kunstvoll inszenierte Köpfe als Plastik her. Ob knallbunt, leuchtend, drehend oder gar ein bloßes Toupet, ganz ohne etwas darunter: „Es ist interessant, was dabei herauskommt, wenn Leute ihren üblichen Pfad verlassen“, stellt Jens-Olaf Prießnitz fest. Dieser hatte die Idee geliefert, welche ihm „schon seit langer Zeit im Kopf umherschwirrte“, wie er sagt.

Bei einem gemütlichen Glas Sekt und leisen Pianoklängen konnte es dann auf Erkundungstour gehen. Wie immer hatten alle 27 Künstler ihren individuellen Bezug zur Kreisstadt. Neben vielen namhaften lokalen Größen wie Uschi Heusel oder Karl Heinz Wagner waren aber auch einige neue Gesichter vertreten. So etwa Francisca Rubio Serrano. Fotografiert hat die gebürtige Spanierin „irgendwie schon immer“, wie sie sagt. Bei der ARTig zeigte sie kunstvoll inszenierte Porträts, die ganz ohne Nachbearbeitung auskamen: „Viele Leute behaupten, sie seien unfotogen. Doch das stimmt gar nicht. Ich versuche immer, das Verborgene aus einem Menschen rauszuholen. Und manche sind erstaunt, sich in einem Blickwinkel zu sehen, den sie bisher nicht kannten. Denn jeder hat eine schöne Seite!“, betonte die Fotografin.

Als besonderer Gast konnte dieses Mal Joachim Harbut gewonnen werden. Der gelernte Schmied überzeugte mit seiner eindrucksvollen Metall-Kunst. Um seine Materialien zu finden, geht der Offenbacher ganz gerne auch mal auf den Schrottplatz. Stahlschrott und sonstige Eisenteile verschweißt er dann zu einzigartigen Gebilden, welche die klassische Formgebundenheit mit Experimentellem verbinden.

Bilder der Kunsttage

Kunsttage ARTig mit reichlich Ideen

Einmal mehr mit von der Partie war Sonja Janson. Die Dietzenbacherin überrascht stets mit völlig neuen Ideen. Neben ihrer Kopf-Skulptur, dem „Birn“-Out, geformt wie das Obst, zeigte sie zwei weitere Köpfe, welche die beiden Gehirnhälften des Menschen symbolisieren: Der schlicht gehaltene „Logicus“ und der bunte „Creativus“: „Wir brauchen als Mensch nun mal beides!“, stellte sie fest. Und doch waren beide binnen kürzester Zeit verkauft. Einen weiteren Erfolg erzielte die Künstlerin mit ihrem Bild einer Wolke in Herzform, welches demnächst in einer limitierten Auflage auf Dosen einer weltbekannten, deutschen Creme zu sehen sein wird, wie sie verriet.

Neu unter den Ausstellern war Cyrelle Heinz. Die Französin studierte drei Jahre Kunst in ihrer Heimat und zeigte Bildnisse korpulenter Frauen, mit denen sie sich klischeehaften Schönheitsidealen widersetzt. Wolfgang Mündl leistete neben seinem Beitrag zum Gemeinschaftswerk gar weitere Kopfarbeit: Aus einer seiner Leinwände ragt ein aus alten Getränkedosen geformter Schädel. Über viele Jahre hinweg hat er dieses Kunstwerk geschaffen: „Da sind sogar noch welche vor Zeiten des Dosenpfandes dabei!“, erzählte er.

Noch bis in die späten Abendstunden konnten sich die Gäste bei der anschließenden Party im Dialog mit den Kreativen austauschen.

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