Pädong-Figuren, Klagemauer und Deiwelche brauchen eine Sanierung

Kunstwerke in Dietzenbach verfallen

Über die Figur „Sparschwein“ hat sich ein grauer Schleier gelegt.
+
Über die Figur „Sparschwein“ hat sich ein grauer Schleier gelegt.

Es ist Freitag, 18. Mai 2001. Der damalige Ministerpräsident Roland Koch kommt zur Eröffnung des Hessentags. Die Sonne strahlt und mit ihr die für diesen besonderen Anlass in Dietzenbach aufgestellten Kunstwerke. Doch das ist lange her. Um genau zu sein, liegt es 20 Jahre zurück. Heute haben die Skulpturen und Figuren ihr Strahlen verloren.

Dietzenbach - So auch der „Molch“ in der Frankfurter Straße und das „Sparschwein“, dass auf der Grünfläche zwischen Altstadt und Bildungshaus steht. Gestaltet wurden die Figuren von dem Mühlheimer Diplom-Designer Michael Tresser und der von ihm gegründeten Pädong-Künstlergruppe. Erregten sie noch vor einigen Jahren durch ihre bunte und fröhliche Art die Aufmerksamkeit der Altstadt-Besucher, sind ihre Farben einem müden Grau gewichen, das wohl weit weniger wahrgenommen wird.

Ein ähnliches Schicksal hat auch das Gebälk des Deiwelchens vor Museum und Stadtbücherei (Darmstädter Straße) ereilt. Hier blättert die Farbe ab und das in Boden eingelassene Holz beginnt zu faulen. Dabei hat der Dietzenbacher Lions Club, der die Skulptur der Stadt im Jahr 2000 schenkte, das Kunstwerk bereits vor elf Jahren saniert, obwohl die Pflege des vom Frankfurter Künstler Joachim Kreutz gestalteten Werkes eigentlich Aufgabe der Stadt sei, wie das Club-Mitglied Harald Fuchs damals betonte. Ob sie das Holz des Deiwelchens ein weiteres Mal erneuern werden, will Lions-Sprecher André Oltersdorff mit dem Vorstand besprechen. „Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Motivation der Mitglieder hier gering ist“, sagt er.

Einige von ihnen seien sauer darüber, dass die Stadt das Geschenk des Clubs nicht pflege. Schließlich hätte ein Teil der Männer eigenes Geld investiert, um das Projekt zu realisieren. „Da sich die Stadt nicht um das Deiweilche kümmert, sind wir am überlegen, ob wir ihr künftig noch einmal etwas schenken sollen“, bringt Oltersdorff den Ärger der Lions zum Ausdruck. Die Stadt indessen teilt auf Nachfrage mit, dass sie vor ein paar Jahren Verbesserungsarbeiten am Fundament vorgenommen habe.

Verärgert zeigt sich so mancher Dietzenbacher auch über den Zustand der im Volksmund sogenannten „Klagemauer“ an der Lindenstraße. Während diese bereits 2015 schon einmal gereinigt wurde, müsste nun erneut der dicht gewebte Moos-Vorhang gelüftet werden. Denn dieser verhüllt immer mehr die Zeichnungen auf der Mauer. „Ich werde immer wieder darauf angesprochen, dass hier doch endlich was gemacht werden müsste“, sagt Uschi Heusel. Die Cartoonistin hatte 2006 auf Initiative von Katja Keim gemeinsam mit 40 weiteren Dietzenbachern und dem Designer Thomas Strittmatter den Pinsel auf der Westseite der Wand geschwungen. Zwei Jahre zuvor hatten die Pfadfinder die vier Elemente auf der gegenüberliegenden Seite verewigt. Eine weitere Säuberung der „Klagemauer“ hält Uschi Heusel jedoch für sinnlos. „Wenn man die Wand wieder reinigt, verblassen die Zeichnungen immer mehr“, sagt sie. Diese nachzumalen sei dabei mindestens so viel Aufwand wie sie neu zu bemalen. „Ich finde, es ist an der Zeit, dass die Mauer komplett gereinigt und so Platz für neue Kunstwerke geschaffen wird“, sagt die Künstlerin.

Von Seiten der Stadt liegen weder hierfür noch für die Pädong-Figuren und das Deiwelche weitere Sanierungspläne vor, wie es auf Nachfrage heißt. Immerhin überlegt sich Lions Club trotz aller Verärgerung, ob er die Kosten einer weiteren Sanierung des Deiwelchens übernehmen will. Den Skulpturen „Molch“ und „Sparschwein“ könnte indessen der Verein „Für Dietzenbach“ zur Hilfe eilen: „Wir sind am überlegen, ob wir mit dem Erlös des Adventskalenders eine Sanierung bezahlen“, heißt es aus dem Vorstand. (Anna Scholze)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare