Interview: Tom Belz berichtet von Besteigung des Kilimandscharo und zeigt Multimediashow im Dietzenbacher Capitol

„Kurz vor dem Gipfel haben wir viel gelacht“

Bestieg den Kilimandscharo: Tom Belz.
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Bestieg den Kilimandscharo: Tom Belz.

Dietzenbach – Der aus Seligenstadt stammende Tom Belz präsentiert am Samstag, 7. August, eine Multimediashow über seine Besteigung des Kilimandscharo im Open-Air-Kino am Waldschwimmbad. Wir trafen den Erzieher, Buchautor und Extremsportler vorab zu einem Interview.

Was bringt einen Menschen dazu, auf einen 6000 Meter hohen Berg zu steigen und das nur mit einem Bein?

Es hat viele Gründe, warum ich das gemacht habe. Zum einen haben mich die genervt, die immer bezweifelt haben, dass ich sowas schaffe. Wenn man den ganzen Tag gefragt wird, ob man sich das zutraut, dann macht man es halt. Dann wollte ich mir natürlich selbst beweisen, dass ich auch solche Strapazen meistern kann und letztlich wollte ich, dass meine Eltern stolz auf mich sind, dass ich trotz meiner „Behinderung“, die ich nicht so empfinde, so etwas durchziehe.

„Die letzten Meter sind eine Qual“

Hatten Sie Sauerstoff dabei, denn die Luft ist sehr dünn ab 5000 Metern?

Die Luft da oben ist tatsächlich sehr dünn. Man muss dreimal so viel atmen, um den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Aber ich bin gut trainiert und brauchte keinen Sauerstoff. Kritisch war eigentlich nur das Geröll. Das hat die Stöpsel unten an den Krücken sehr beansprucht. Für die Tour habe ich insgesamt 24 mal die Stöpsel wechseln müssen.

Wie quälend waren die letzten Meter vor dem Gipfel?

Das war richtig anstrengend. Man startet am Fuß des Berges, und es ist heiß und trocken. Irgendwann wird es dann kalt, sehr kalt. Die letzten Meter sind eine Qual. Vielleicht ist es ganz gut, dass das Gehirn eine Sauerstoffunterversorgung hat, denn das macht dich irgendwie „immun“. Außerdem war ich ja nicht alleine, sondern mein Freund und behandelnder Arzt Klaus Siegler war dabei. Aber der fehlende Sauerstoff sorgt schon für eine lustige und befreite Atmosphäre. Kurz vor dem Gipfel, als es richtig anstrengend wurde, haben wir beide viel gelacht.

Sie sind ja auf Krücken unterwegs und haben keine Prothese. Hat Sie das beim Aufstieg nicht behindert?

Na ja, nicht wirklich. Ich lebe seit meinem achten Lebensjahr mit einem Bein. Mit zwölf Jahren habe ich dann Prothesen ausprobiert, aber das hat sich komisch angefühlt. Ich fühle mich wohler ohne. Irgendwie gehört das fehlende Bein zu meiner Person.

Wer Fragen hat, darf die gerne stellen

Was war das schönste Erlebnis auf dieser Bergtour?

Das schönste Erlebnis war eigentlich auch mein schrecklichstes. Als ich auf dem Gipfel stand, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich habe mich richtig gut gefühlt. Dann habe ich nach unten geschaut und gedacht: „Mist, denselben Weg, den ich hier hochgekommen bin, den muss ich ja wohl wieder runter gehen.“

Fragen Sie Menschen um Rat, wie sie so eine Bergbesteigung auch durchführen können?

Mich haben viele Anfragen erreicht. Einige wollten sogar meine genaue Strecke wissen, die ich gegangen bin, andere fragten nach der Ausrüstung. Aber ich habe auch Anfragen von Behinderten erhalten, die das auch mal probieren wollten.

Was erwartet die Zuschauer in Ihrem Programm?

Ich werde mich und meine Person erst einmal vorstellen. Danach folgt ein Film in Form einer sehr spannenden und kurzweiligen Multimediashow. Das wird ungefähr 45 Minuten dauern. Danach ist alles offen. Jeder, der möchte, kann mich sehr gerne ansprechen und Lob, oder auch Kritik äußern. Wer Fragen hat, darf die gerne stellen. Ich freue mich darauf.

Eines Ihrer Bücher heißt „Kleiner Löwe, großer Mut“. Sind Sie der kleine Löwe und hat das etwas mit Ihrer Haarpracht zu tun?

Das liegt nahe und stimmt natürlich. Es ist ein Kinderbuch und mit meinen Partnern führen wir Lesungen mit diesem Buch durch. Das kommt bei Kinder enorm gut an.

Es gibt Stimmen die sagen, dass Sie das nur machen, um aus Ihrer Behinderung Kapital zu schlagen.

Es viele Meinungen, die ich natürlich respektiere. Ich bin auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen unterwegs und habe etwa 30 000 Menschen, die mir folgen. Das freut mich natürlich, aber Geld kann man damit nicht verdienen. Wenn ich Produkte zeige, dann sind es solche, die ich im täglichen Leben tatsächlich verwende. Ich fühle mich auch nicht als Influencer, denn im realen Leben bin ich Sprecher, Sportler, Schlagzeuger, Erzieher, Buchautor, Partner und letztlich immer noch der Sohn meiner Eltern. Wenn ich mich beschreiben soll, dann bin ich jemand, dem es einfach Spaß macht, seine Langeweile zu vertreiben. Ich habe meinen Beruf als Gruppenleiter in der Tagesförderstätte in den Werkstätten Hainbachtal, den ich sehr liebe.

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Ein nächstes Abenteuer ist in dieser Form noch nicht geplant. Auch wenn es vielleicht so aussieht aber für mich muss es nicht immer weiter, höher oder größer werden. Dieses Jahr plane ich eine kleine Tour und einzelne Events, denn mir fehlt der direkte Kontakt zu den Menschen.

Das Gespräch führte Burghard Wittekopf.

Infos: dietzenbachercapitol.reservix.de/events

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