Lage in Partnerstadt angespannt

Täglich neue Schreckensnachrichten

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Bei einem Protest gegen die Regierung in Dietzenbachs Partnerstadt Masaya steht eine Gruppe Demonstranten hinter einer Barrikade. Die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Sicherheitskräften und Regierungsanhängern in Nicaragua dauern seit April an und forderten bereits Hunderte Opfer und Verletzte. -

Dietzenbach -  Seit zwei Monaten bestimmen Proteste und Gewalt den Alltag in Nicaragua. Auch in Dietzenbachs Partnerstadt Masaya ist die Lage angespannt. Der hiesige Verein für Internationale Beziehungen will auf die Krise aufmerksam machen und Hilfe leisten. Von Lena Jochum 

„Masaya ist in einer sehr schlimmen Situation“, sagt Franziska May mit ernster Miene. Bis vor einigen Wochen war sie selbst noch in Dietzenbachs nicaraguanischer Partnerstadt, hat dort gelebt und gearbeitet. 2016 war die 22-Jährige über den Verein für Internationale Beziehungen (VIB) mit dem Weltwärts-Freiwilligendienst erstmals in Masaya. Nach wie vor steht sie in engem Kontakt zu ihrer Gastfamilie und zahlreichen Freunden. Von denen erhält sie täglich neue Schreckensnachrichten.

Seit rund zwei Monaten kommt Nicaragua nicht zur Ruhe. Gewaltsame Auseinandersetzungen von Demonstranten, die gegen den autoritären Präsidenten Daniel Ortega auf die Straße gehen, mit dessen Unterstützern und der Polizei eskalieren immer weiter. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, kamen bislang 215 Menschen ums Leben, 1 400 wurden verletzt. Eine geplante Sozialreform hatte die Proteste ursprünglich ausgelöst. Zwar zog Ortega die wieder zurück, die Bevölkerung fordert aber mittlerweile auch Pressefreiheit und spricht sich für einen Rücktritt des Machthabers und seiner Frau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, aus.

Wie sehr Nicaraguas Zivilbevölkerung unter der andauernden Krise leidet, weiß auch Hansel Saborw González. Er stammt aus Masaya, kam ebenfalls über den Freiwilligendienst Weltwärts nach Dietzenbach. Mittlerweile studiert er in Frankfurt, aber seine Familie in Nicaragua erlebt die Unruhen Tag für Tag. „Es ist furchtbar, dass die Regierung auf die eigentlich friedlichen Proteste der Bevölkerung so aggressiv reagiert“, sagt der 24-Jährige traurig. Neben Verletzten und Toten gebe es viele Vermisste. Franziska May kann das bestätigen. Sie weiß von einem Bekannten, der öffentlich Kritik an Präsident und Regierung äußerte und aufgrund dessen von der Polizei verschleppt wurde. „Einige der Vermissten tauchen schlimm misshandelt wieder auf“, fügt Hansel hinzu.

Mindestens 25 Tote bei Protesten in Nicaragua

Mittlerweile ist die Lage in Nicaragua so ernst, dass der VIB und Weltwärts vorerst keine Freiwilligen entsenden können. Das bedeutet auch, dass die pädagogischen Einrichtungen, in denen die jungen Leute bisher eingesetzt waren, voraussichtlich keine finanziellen Zuwendungen mehr erhalten. Der VIB und die ehemaligen Freiwilligen hoffen deshalb, mit Spendengeld Abhilfe schaffen zu können. Außerdem, so der Plan, sollen Hilfsorganisationen wie das lokale Rote Kreuz unterstützt werden. Brigitte Fischer vom VIB: „Es gibt so viel Leid. Medizinische Hilfe ist dringend notwendig.“ Darüber hinaus sei es auch wichtig, generell über die prekäre Lage der Partnerstadt aufzuklären und über weitere Hilfe zu beratschlagen.

Spenden an: Verein für Internationale Beziehungen e.V., Sparkasse Langen-Seligenstadt, IBAN: DE94 5065 2124 0049 1178 72, Stichwort: „Hilfe für Masaya“.

Aus diesem Grund lädt der VIB für Dienstag, 26. Juni, um 19.30 Uhr zu einer Infoveranstaltung ins Gemeindehaus der katholischen Gemeinde St. Martin (Offenbacher Straße 5) ein. Dort berichten jüngst zurückgekehrte Freiwillige über die Krise in Nicaragua und ihre persönlichen Erlebnisse. Auch Franziska May und Hansel Saborw González nutzen diesen Abend, um sich für Freunde und Familie in Masaya stark zu machen und die Dietzenbacher zum Spenden für die Partnerstadt aufzurufen. „So können wir zwar nur einen kleinen Beitrag leisten, aber auch der ist wichtig“, betont Brigitte Fischer. Durch das Netzwerk des Vereins sei sicher, dass das Geld dort ankommt, wo es benötigt wird.

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