Im Land der Seen und Vulkane

+
Der 1610 Meter hohe Vulkan Concepción ragt auf Ometepe im Nicaraguasee, der weltweit größten vulkanischen Insel in einem Süßwassersee, empor.

Dietzenbach ‐ Die Weihnachtsfeiertage waren noch nicht gezählt, als wir in einer bunt gemischten Gruppe aus Nicas und Freiwilligen nach Ometepe aufbrachen, um dort die restlichen Tage des alten Jahres zu genießen. Die Erwartungen waren groß. Von Thomas Eichenberg und Leticia Wittrin

Ometepe soll die größte Insel der Welt sein, die in einem See liegt, dem Lago de Nicaragua. Sie erschließt zwei Vulkane, von denen einer Ziel unserer Reise werden sollte. Am frühen Morgen deckten wir uns also auf dem Markt in Masaya mit allem Nötigen ein. Obst, Gemüse, viel Reis und Nudeln und natürlich traditionell hergestellte Getränke durften genauso wenig fehlen wie die mitgebrachten Töpfe.

Frische Luft? Fehlanzeige.

Danach ging‘s los: Per „Raid“ nach San Jorge, einem kleinen Hafenstädtchen nahe Rivas, einer der größeren Orte des Landes, von wo aus man in kurzer Zeit mit der Fähre nach Ometepe gelangen kann. Glücklich, aber etwas seekrank erreichten wir die Insel. Nach einer kurzen Erfrischung stiegen wir in den Bus zu unserem Tagesziel Chaco Verde (übersetzt: Grüne Pfütze). Jetzt, und zwar allerspätestens jetzt, war es an der Zeit, das Wörtchen „voll“ aus unserem Wortschatz zu streichen. Die Busfahrt glich eher einem Personenfrachttransport. Platz? Keine Chance. Frische Luft? Fehlanzeige. Etwas zum Festhalten? So hoffnungslos wie unnötig, denn bei diesem dichten Ladungsstil konnte man ohnehin nicht umfallen.

Die „Pfütze“ ist eine kleine Lagune, etwa so groß wie der „Silbersee“ in Rödermark. Man stelle sich nun Bäume und Sträucher vor, die den Übergang von Wasser- zu Festland bilden. Er beherbergt nicht nur Schildkröten, sondern auch kleinere Krokodil-Arten.

Den Kongo-Affen bekam der Dietzenbacher Thomas Eichenberg bei Chaco Verde vor die Linse.

Bei einem kleinen Spaziergang um die „Pfütze“ machten wir die Bekanntschaft mit den in Nicaragua verbreiteten Kongo-Affen, die über uns in den Bäumen zu Abend aßen. Später, als wir zum Strand zurückkehrten, färbte die untergehende Sonne den 1.610 Meter hohen Vulkan Concepción, und uns erwartete eine schmackhafte Gemüsesuppe mit Fisch, der noch am Mittag vor unseren Augen gefangen worden war.

Erst einmal daran geschnuppert, wollten wir mehr. Die Abenteuerlust hatte uns gepackt. So führte uns die Insel weiter zum Wasserfall und dem Krater des Vulkans „Maderas“. Doch ohne Fleiß kein Preis: Wer nach Ometepe reist und etwas sehen will, sollte körperliche Anstrengung nicht scheuen. Denn sowohl die achtstündige Vulkantour als auch der kurze Aufmarsch zur „Cascada“ waren nicht ganz ohne. Wer davor zurückschreckt, dem entgehen nicht nur einzigartige Erlebnisse, sondern auch eine gute Portion Spaß. So standen wir bereits staunend vor dem Wasserfall, der so glänzend und frisch an den Felsen hinunter floss – nicht wissend, dass uns noch weitaus Größeres bevorstehen sollte.

Große Schlange kreuzt gemächlich den Weg

Am nächsten Morgen in aller Frühe marschierten wir also los. Was wie eine normale Wanderung begonnen hatte, wurde bald zur Nachhilfestunde in Sachen Wildnis. Der Weg wurde enger, steiler und nochmal steiler. Wurzeln wichen Steinen, und Erde wich Schlamm. Während auf Meereshöhe bereits die Sonne brannte, stiegen wir wie in eine andere Welt. Alles hüllte sich in Nebel. Wir tauchten ein in einen Ort, der so natürlich war, wie Natur eben sein kann. Die Bäume und Lianen waren von einer dicken Moosschicht überzogen. Das Dickicht schien fast, als würde es kein Durchkommen zulassen wollen. Der Marsch der Gruppe wurde kurzzeitig von einer großen Schlange unterbrochen, die gemächlich ihren Weg kreuzte. Einer nach dem anderen stapften wir beeindruckt weiter, bis wir die Fahne und den höchsten Punkt unserer Reise erreicht hatten. Nach einem kurzen Abstieg öffnete sich uns die Kaldera des Vulkans mit seiner Lagune, in der einige spontan die Erfrischung suchten.

Wir dagegen freuten uns auf die kühle Dusche am Abend, bei der wir uns von der dicken Schlammschicht befreiten. Es blieb der Stolz, den Auf- und Abstieg bewältigt sowie das Gefühl, gerade etwas Einmaliges erlebt zu haben.

Zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit Masaya soll es Ende Juni eine Bürgerreise in die nicaraguanische Partnerstadt geben. Erste Informationen dazu gibt es am Donnerstag, 28. Januar, um 20 Uhr in der Vhs (Wilhelm-Leuschner-Straße 33). Ein Lichtbildvortrag liefert zudem Einblicke in das Alltagsleben in Masaya.

Doch auch der größte Sportler sucht Erholung. Dazu bietet Ometepe eine Vielfalt an unterschiedlichen Stränden. Von schwarzem Sand aus Vulkangestein bis hin zu weißem Karibiktraum, ob touristisch oder eher ein bisschen verlassen, hier wird jeder fündig. Wieder zu Hause ging die Erlebnistour ohne Verschnaufpause weiter. Am nächsten Tag stand Silvester bevor. Party, Party, Feierei? Nein. Das war an Weihnachten. Anders als in Deutschland ist hier Silvester das Familienfest. Mit leckerem Essen, bei dem sich die meisten beschenken, und allem, was sonst bei uns eigentlich an Weihnachten dazu gehört. Die Zeit bis 24 Uhr gehört der Familie, danach kann man noch wo anders hingehen. So ist das. Andere Länder, andere Sitten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.