Laura Trifkovic

Taekwondo-Hessenmeisterin aus Dietzenbach träumt von Olympia

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Gemeinsam mit Mohamed Madmar feilt Laura Trifkovic an ihrer Tritttechnik. Obwohl sie erst 16 Jahre alt ist, trainiert sie bereits mit den Erwachsenen.

Dietzenbach - Laura Trifkovic ist amtierende Hessen- und deutsche Vizejuniorenmeisterin im Taekwondo. Im Alter von nur 16 Jahren erfüllt sie sich jetzt ihren Traum von der Nationalmannschaft. Doch das Juwel des Dietzenbacher Budosportclubs strebt nach mehr. Von Patrick Eickhoff 

Ein Blick, ein Schrei, ein Tritt. Treffer. Zehn Sekunden Pause. Konzentration. Wieder weicht Laura Trifkovic einem Tritt aus, eine Sekunde später schnellt ihr Fuß an den blauen Helm ihres Gegenübers. Was für viele schmerzhaft klingt, ist für die 16-Jährige Alltag. Sie ist deutsche Junioren-Vizemeisterin im Taekwondo. Dreimal die Woche steht sie in der Halle der Dietrich-Bonhoeffer--Schule und arbeitet gemeinsam mit Trainer Mohamed Madmar an ihrer Technik. „Am liebsten würde ich aber jeden Tag trainieren“, sagt sie. Laura ist das Aushängeschild des noch jungen Budosportclubs Dietzenbach. Die amtierende Hessenmeisterin der A-Junioren hat einen Traum: die Olympischen Spiele.

Taekwondo ist ein koreanischer Kampfsport. Die drei Silben des Namens stehen für Fußtechnik (Tae), Handtechnik (Kwon) und den geistigen Weg (Do). Besonders Schnelligkeit sowie ausgefeilte Fuß- und Kicktechniken spielen eine entscheidende Rolle. „Wer den Sport einmal gemacht hat, der kommt davon nicht mehr los“, sagt sie.

Geboren in Offenbach verbringt sie einen Großteil ihrer Kindheit in der Heimat ihrer Eltern Serbien. Dort fängt sie bereits im frühen Kindesalter an, Taekwondo zu lernen. Dabei hilft vor allem ihr Vater, der ebenfalls auf eine erfolgreiche Karriere als Kampfsportler zurückblickt. Im Alter von zwölf Jahren kehrt sie nach Deutschland zurück. Dort lernt Laura in einem gesonderten Kurs an der Heinrich-Mann-Schule mit anderen internationalen Kindern Deutsch. „Das Gute war, dass es niemand gab mit dem ich mich in meiner Landessprache unterhalten konnte, somit musste ich erst recht die Sprache lernen, um mich verständigen zu können.“

Neben dem Willen, sich zu verständigen, macht sie sich auf die Suche nach einem Taekwondo-Verein. „Plötzlich stand sie da und keiner wusste so genau, wer sie ist“, erinnert sich Christopher Eck, der mittlerweile so etwas wie der Manager der 16-Jährigen ist. „Ich kümmere mich um ihre Termine, Fahrten und Sponsoren“, sagt er. Denn allen im Verein fällt schnell auf, welch Naturtalent sich an diesem Abend vorstellt.

2016 gewinnt sie ihren ersten Hessenmeistertitel. Ein Jahr später verteidigt sie diesen. Außerdem belegt Laura bei den Berlin Open und den NRW Masters jeweils den zweiten Platz. Weitere Turniersiege in Hessen folgen. In Dietzenbach und Umgebung ist die 16-Jährige längst zu stark für die Konkurrenz. Ende Januar dieses Jahres folgt dann ihr größter Erfolg. Der zweite Platz bei den deutschen Junioren-Meisterschaften und die Einladung für den Sichtungslehrgang der Nationalmannschaft.

Besonders motiviert die Schülerin die Niederlage ein Jahr zuvor bei den Deutschen Meisterschaften. „Da habe ich mit so großem Abstand verloren – das war wirklich bitter.“ Einen Gedanken ans Aufhören verschwendet das Talent dabei nicht. „Ich habe mehrere Sportarten probiert von MMA bis Volleyball – Taekwondo macht mir am meisten Spaß“, sagt sie. Ein untypisches Hobby für eine 16-Jährige. „Meine Freundinnen wissen, dass ich im Fitnessstudio bin, wenn sie feiern gehen – aber das mache ich ja freiwillig.“

Die richtige Kampfsportart finden

Diese Disziplin und der Wille, zu den Besten zu gehören, zeichnen Laura aus. „Ihre größte Schwäche ist vielleicht noch die mangelnde Erfahrung, aber das holen wir ja jetzt nach“, sagt Eck. Sammeln wird sie diese erstmals im Ausland. In den kommenden Monaten stehen Turniere in Belgien und Österreich auf dem Plan. „Ich bin gespannt, wie das alles so ablaufen wird.“

Doch die Kämpfe im Ausland und in anderen Bundesländern bringen noch etwas anderes mit sich: Kosten. „Wir können uns als Verein nicht erlauben, alle Mitgliedsbeiträge in eine Kämpferin zu investieren“, erklärt Manager Eck, den momentan ein Kreuzbandriss am Taekwondo hindert. Bedeutet: Die junge Nachwuchskämpferin ist auf Sponsoren angewiesen. Denn wegen der Fahrtkosten, Hotelzimmern und Antrittsgeldern kommt einiges zusammen. „Insgesamt legt man trotz Unterstützung der Deutschen Sporthilfe drauf“, sagt Eck.

Und auch für die Zukunft hat sie schon Pläne – bald hospitiert sie an der Sporthochschule in Köln. „Natürlich möchte ich später auch beruflich sportlich aktiv sein“, sagt Laura. Eine Trainerkarriere ist für sie ebenfalls denkbar. „Anderen helfen und zeigen, wie viel Spaß Taekwondo macht – das könnte ich mir auch gut vorstellen.“

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