Lebendiger Prozess zu Integrationsfragen

Dietzenbach -Keine Frage, viel Gutes in Sachen Integration geschieht auf privater, ehrenamtlicher Ebene, in Sport- und Kulturvereinen, bei Kita- und Schulsozialarbeit.

Etliche Projekte sind erfolgreich auf den Weg gebracht, andere etwas ins Stocken geraten – das Thema beschäftigt viele. Es läuft nicht mit der Integration. Das behauptet eine zu Beginn der Woche veröffentlichte Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Vor allem die türkischen Mitbürger seien am schlechtesten integriert, sagt die Zuwandereruntersuchung.

Das Rhein-Main-Gebiet kommt dabei gut weg, Hessen schneidet im Ländervergleich am besten ab. In Dietzenbach ist die Diskussion um Integration fester Bestandteil des Alltags. Beispielhaft für unzählige haupt- und ehrenamtliche Leistungen stellen wir aktuelle, allgemeine Maßnahmen und Projekte vor.

Hier ein kurzer Überblick über derzeitige öffentliche Entwicklungen:

Externe Hilfe beim Integrationsprozess: Nachdem Stadtverordnetenvorsteherin Kornelia Butterweck (CDU) mit einem Antrag gescheitert ist, das Leverkusener Imap-Institut hinzuzuziehen, um den Integrationsprozess zu forcieren, sollte der Magistrat bis Herbst mehrere Institute finden, die Grundlagen für einen Integrationsprozess erarbeiten. Wie Walter Fontaine, Leiter Fachbereich Soziale Dienste, jetzt in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses mitteilte, sei es schwierig, geeignete Institutionen zu finden. In der engeren Wahl seien die Universitäten Bamberg und Stuttgart, es werde allerdings noch etwa zwei Monate dauern, bis Kandidaten feststehen.

Integrationsbüro: Im Haushalt 2009/2010 ist eine Stelle für den Bereich Integration vorgesehen, die zurzeit noch nicht konkret beschrieben ist. Laut Fontaine soll dies jedoch bis zur Parlamentssitzung im März geschehen.

Arbeitskreis Integration: Der interfraktionelle „Arbeitskreis Integration“ lässt derzeit seine Arbeit ruhen. Fünf Jahre hatte die Gruppe gearbeitet, bevor sie aus Enttäuschung im Oktober aufgab. Nachdem das Imap-Institut im Integrationsprozess nicht zu Rate gezogen wurde, sagte Butterweck als Vorsitzende des Arbeitskreises: „Wir haben eine Grenze erreicht.“ Nun erwarten die Mitglieder bis April ein „schlüssiges Integrationskonzept“, bevor sie die Arbeit eventuell wieder aufnehmen.

Integrationskonzept: Laut Bürgermeister Stephan Gieseler (CDU) habe es keinen „expliziten Auftrag“ an die Stadtverwaltung gegeben, ein Integrationskonzept zu erarbeiten. Zwar habe das Parlament im Februar 2006 den Beschluss gefasst, ein solches zu erstellen, jedoch liege die Verantwortung dafür nicht bei der Verwaltung. Grundsätze für ein Konzept habe der Arbeitskreis Integration beraten und beschlossen.

Sprachförderung: Sprachförderung wird in den Kitas der Kreisstadt seit 2002 groß geschrieben. Betrugen die finanziellen Mittel für die Sprachförderung damals noch 22 650 Euro, je zur Hälfte vom Land und der Stadt getragen, so steigerten sie sich seitens des Landes Hessen auf aktuell 90 000 Euro, während der Eigenanteil der Stadt auf 30 000 Euro kletterte, so dass nun Gesamtausgaben von 120 000 Euro zu Buche stehen. Insgesamt werden zurzeit 245 Kinder in zehn Kitas unterstützt. Parallel dazu hat sich das Projekt „Mama lernt Deutsch“ bewährt, bei dem die Mütter von Kitakindern geschult werden.

Boxprojekt: Das Stadtparlament hat 50 000 Euro für den Anschub des Gewaltpräventionsprojektes genehmigt, das mit sozialen Angeboten gekoppelt werden soll. Eine geeignete Trainingshalle ist bereits gefunden, auch die weitere Finanzierung des Projektes ist auf einem guten Weg. „Pro Region“, eine Stiftung des Flughafenbetreibers Fraport, hat einen einmaligen Zuschuss von 10 000 Euro zugesagt.

Hegiss: Das im April gestartete Hegiss-Modellprojekt „Wir bewegen uns“ bringt Bewohner des östlichen Spessartviertels und anderer Stadtteile zusammen, bündelt und nutzt die Kompetenz von Vereinen, Kitas und Schulen und hat innerhalb eines Dreiviertel Jahres insgesamt 16 Projekte auf den Weg gebracht, darunter etwa eine Mädchen-Fußball AG, die sich vor allem unter Mädchen mit Migrationshintergrund großer Beliebtheit erfreut. 17 junge Frauen sind schon zu Schulsportassistentinnen ausgebildet worden, weitere Projekte in Planung.

LOS-Projekte: Voraussichtlich wird Dietzenbach auch 2009 wieder Geld aus dem Fördertopf „Lokales Kapital für Soziale Zwecke“ erhalten. In der Vergangenheit waren viele Projekte damit gefördert worden.

(Nina Beck und Barbara Scholze)

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