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Homeschooling ohne eigenes Zimmer

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Von: Niels Britsch

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Ein Lehrer unterrichtet im Lehrerzimmer am Laptop. Für den Fernunterricht nutzt er sowohl Laptop als auch Ipad.
Immerhin rund ein Fünftel der befragten Schülerinnen und Schüler gab an, beim Homeschooling nicht über ein eigenes Zimmer verfügt zu haben. © Felix Kästle/dpa

Landrat Oliver Quilling hat gestern den ersten Bildungsbericht des Kreises Offenbach vorgestellt. Darin werden auf mehr als 200 Seiten Daten und Zahlen zum Thema Bildung im Kreis zusammengetragen, wobei der Inhalt weit über das Thema Schule hinausgeht: In der Untersuchung werden alle Phasen des Lernens – von der Krabbelstube über die Kindertagesstätte, Schule und den Arbeitsmarkt – erläutert und die Teilhabe der Menschen am sozialen und gesellschaftlichen Leben beschrieben.

Dietzenbach – Bemerkenswert sei bei der Erstellung des Berichts „die ressortübergreifende Zusammenarbeit und die ganzheitliche Sichtweise auf das Thema“, stellt Landrat Quilling heraus. Dabei solle der Bericht nur ein erster Schritt und die Basis für die Entwicklung eines Bildungsfahrplans sein: „Der Bildungsbericht dient als zentrale Grundlage, um weitere Maßnahmen zu diskutieren und entwickeln zu können“, betont Matthias Riesterer, einer der Mitverfasser des Berichts. „Wir wollen uns für die nächsten Jahre fitmachen und für alle Altersstufen die Bildungsangebote ausrichten“, kündigt Quilling an. „Außerdem hilft uns die Datensammlung dabei, ein Frühwarnsystem aufzubauen, um schneller auf negative Veränderungen zu reagieren, aber vor allem um präventiv zu arbeiten“, so der Landrat weiter.

So hat man beim Kreis gleich mehrere Probleme identifiziert, unter anderem den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel. Es seien „weniger Menschen, die ins Berufsleben eintreten als austreten“, beschreibt Riesterer die Misere. „Wo kann man bestimmte Lücken in der Berufswelt schließen, die sich durch den demografischen Wandel ergeben“, formuliert Quilling eine der Fragen, die sich aus Bericht ergeben.

Gleichzeitig sei erkennbar, „dass der Nachwuchs stark von Menschen mit Migrations- und Zuwanderungshintergrund geprägt ist“, so Riesterer, der darin eine Chance sieht: „Wir haben eine Menge Potenzial.“ Um dieses zu nutzen, sei es jedoch wichtig, schon frühkindlich das Erlernen der deutschen Sprache zu fördern und speziell auch die Eltern als Zielgruppe anzusprechen.

„Deutschland gehört leider zu den Ländern, in denen Bildung stark von der sozialen Herkunft abhängig ist“, erläutert Peter Schilling, Leiter der Fachgruppe Bildungsbericht. „Wie schaffen wir für alle gleiche Bildungschancen?“, fragt Quilling und ergänzt: „Das ist ein Thema, das nicht zwangsläufig etwas mit Migration zu tun hat.“

Der Landrat befürchtet, das Thema Fachkräftemangel werde sich noch verstärken, dabei betreffe dieses Problem nicht nur Kitas, sondern auch den schulischen Bereich. „Ich sehe einen klaren Schwerpunkt für die Zukunft im Ausbau der Ganztagsbetreuung und im Werben, diese Angebote auch anzunehmen“, schlussfolgert der Landrat. Auch die frühkindliche Bildung wolle man mehr in den Fokus rücken, kündigt er an.

Die Verfasser haben in ihrem Bericht allerdings nicht nur Daten zusammengetragen, sondern ebenso mit Schülerinnen und Schülern im Alter von 15 bis 18 Jahren gesprochen und diese nach ihren Eindrücken, Erfahrungen und Einschätzungen ihrer Zukunftsperspektiven befragt. Auch die Auswirkungen der Pandemie und der Schulschließungen waren dabei ein Thema. Immerhin rund ein Fünftel der Befragten gab dabei zum Beispiel an, beim Homeschooling nicht über ein eigenes Zimmer verfügt zu haben. (Von Niels Britsch)

Infos im Internet auf der Homepage des Kreises

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