Die letzten Baustellen sind geräumt

Telekom schließt Breitbanderweiterung im Kreis früher als geplant ab

Dietzenbach - Der Nachwuchs liegt auf dem Sofa, schaut Netflix und lädt bei Youtube Videos hoch, während der Vater der Familie wichtige E-Mails verschicken will. Von Nicole Jost

Da wird es bei einer noch gängigen Übertragungsrate von 16 Mbit pro Sekunde durchaus schon mal langsam, und das Netflix-Programm beginnt zu ruckeln. Im Kreis Offenbach sind diese Probleme jedoch weitgehend Geschichte: Der Breitbandausbau für schnelles Internet ist abgeschlossen.

Mehr als 120.000 Haushalte können ab sofort hohe Übertragungsraten von 100 MBit pro Sekunde nutzen. „Unsere Bürger können in der Fläche die schnellen Übertragungsraten buchen“, ist Landrat Oliver Quilling (CDU) zufrieden. Im Dezember 2016 hat der Kreis mit der Telekom den Vertrag über den Ausbau im gesamten Kreisgebiet abgeschlossen, die letzten Baustellen in Rödermark sind inzwischen aufgeräumt. „Wir waren vor zwei Jahren schon so weit, dass wir einen Ausbau bezuschusst hätten“, betont Quilling. Das schnelle Internet sei nämlich ein klarer Standortfaktor – und nicht bloß für Unternehmen, auch für die Wohnortwahl inzwischen sehr wichtig.

In Zusammenarbeit mit den 13 Städten und Gemeinden standen im Kreishaushalt schon 3,2 Millionen Euro bereit. Der magentafarbene Riese hat auf eigene Kosten mit 20 bis 30 Kilometer Tiefbauarbeiten 100 Kilometer moderne Glasfaserkabel durch den Kreis verlegt. Mit dem Aufbau von 800 grauen Kästen in den Straßen konnten die Glasfaserkabel somit näher an die Häuser gebracht werden.

Darin steht die Hardware zur Verfügung, über die sogenannte Vectoring-Technik die Glasfaser mit den Kupferkabeln in den Hausanschlüssen zu verbinden und die schnellen Übertragungsraten zu ermöglichen. Einen zweistelligen Millionenbetrag hat die Telekom investiert. Genauere Angaben wollte Fuat Dalar, Leiter des Außendienst-Infrastrukturvertriebs der Region Mitte, nicht machen.

„Wir haben ja in Neu-Isenburg schon reine Glasfaserkabellösungen bis ans Haus realisiert. Dort hat sich aber gezeigt, dass die Leute nicht bereit sind, für ganz schnelles Netz bis zu einem Gigabyte pro Sekunde mehr als 100 Euro monatlich zu bezahlen“, erklärt Dalar.

Wenn das Zuhause die Welt ist: Wohnen als digitaler Nomade

Arbeiten da, wo andere Urlaub machen: Conni Biesalski betreibt einen Blog und verkauft eigene E-Books. Foto: Suki Zoe/www.planetbackpack.de/dpa-tmn

Seit 2012 ist Felicia Hargarten mit ihrem Freund Marcus auf der ganzen Welt unterwegs. Für den Job brauchen sie nur einen Laptop und schnelles Internet. Foto: Peter Newels/Travelicia.de/dpa-tmn

Das Büro ist dort, wo man das Notebook aufschlägt: Felicia Hargarten lebt und arbeitet überall auf der Welt - wie hier auf Bali. Foto:Travelicia.de/dpa-tmn

Bastian Barami hat sich Ende 2016 komplett aus Deutschland abgemeldet. Er bereist die Welt und arbeitet von unterwegs. Foto: Bastian Barami/Officeflucht.de/dpa-tmn

Bloggerin Conni Biesalski reist mit kleinem Gepäck. In Deutschland hat sie noch zwei Kisten, ebenso in Kalifornien sowie auf Bali. Foto: Suki Zoe/www.planetbackpack.de/dpa-tmn

Für Bloggerin Conni Biesalski hat ein Zuhause keine feste Adresse. Sondern es ist "der Ort, an dem ich mich wohl fühle". Foto: Suki Zoe/www.planetbackpack.de/dpa-tmn

Der Fachmann betont, dass 100 Mbit pro Sekunde für den privaten Verbraucher eine absolut ausreichende Übertragungsrate darstellten. Wichtig sei es für Verbraucher, auf die Upload-Geschwindigkeiten zu achten. Höhere Übertragungsraten könnten in Zukunft noch bedeutsamer werden. Die Entwicklung zum Smart-Home mit internetgesteuerter Haustechnik sei nicht mehr aufzuhalten und benötige noch schnelleres Netz.

Zu Beginn der Bauarbeiten im Winter 2017 war es zu Verzögerungen gekommen. Lieferengpässe der Zulieferer sorgten sogar für Verärgerung in den Kommunen. „Der ehrgeizige Zeitplan wurde aber eingehalten. Die Bauarbeiten sind sogar vier Monate eher beendet als geplant“, sagte Quilling.

Zwei Ausnahmen gibt es im Kreisgebiet noch: In Mainhausen sorgt derzeit die Deutsche Glasfaser für schnelleres Internet. Im Seligenstädter Stadtteil Froschhausen hat das Unternehmen OR Network bis Ende 2019 das Monopol über die Kabel. Auch dort will die Deutsche Glasfaser aktiv werden.

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